Bundesweite Bahn-Störung: Techniktausch löste GSM-R-Ausfall aus

Nach dem bundesweiten Stillstand im Zugverkehr nennt die Deutsche Bahn erste Details zur Ursache. Auslöser war nach Angaben des Konzerns der planmäßige Tausch einer technischen Komponente im digitalen Bahnfunksystem GSM-R. Wie genau daraus die massive Störung entstehen konnte, werde nun mit höchster Priorität analysiert, erklärte Philipp Nagl, Chef der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo. Die Störung hatte den Zugverkehr am Dienstagabend bundesweit für rund zwei Stunden weitgehend zum Erliegen gebracht. Betroffen waren Fernverkehr, Regionalverkehr, S-Bahnen und auch der Güterverkehr. Kurz nach Mitternacht war das Problem nach Angaben der Bahn behoben. Gegen 0:30 Uhr konnten die ersten Züge wieder fahren, anschließend lief der Betrieb schrittweise an.

Wegen der bundesweiten GSM-R-Störung wurden am Dienstagabend zahlreiche Züge an Bahnhöfen und geeigneten Stellen zurückgehalten. Foto: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

GSM-R ist die Funkbasis des Bahnbetriebs

GSM-R ist der digitale Zugfunk der Bahn. Über das System läuft die Kommunikation zwischen Triebfahrzeugführern, Fahrdienstleitern und weiteren Betriebsstellen. Fällt diese Verbindung großflächig aus, kann der Bahnbetrieb nicht normal weiterlaufen. Genau das war am Dienstagabend der Fall. Züge wurden an Bahnhöfen oder geeigneten Stellen zurückgehalten. Besonders schwer wog, dass neben der eigentlichen GSM-R-Störung auch die Rückfallebene betroffen war. Damit fehlte der Bahn offenbar nicht nur das Hauptsystem, sondern auch eine belastbare technische Ausweichmöglichkeit.

Politik fordert Aufklärung

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) fordert von der Bahn eine umfassende Aufklärung. Sollte es sich um Probleme mit Hardware-Komponenten oder um ein Update-Problem eines Servers handeln, müsse der Konzern seine Systeme so aufstellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole.

Auch aus dem Bundestag kommt Kritik. Tarek Al-Wazir (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses, verwies auf den grundsätzlichen Modernisierungsbedarf. GSM-R basiert technisch auf einem älteren Mobilfunkstandard. Die entscheidende Frage sei daher, wie die Systeme der Bahn widerstandsfähiger werden können. Der Fahrgastverband Pro Bahn verlangt ebenfalls mehr technische Resilienz. Die Bahn müsse auch beim Zugfunk besser werden, sagte der Verbandsvorsitzende Detlef Neuß der „Rheinischen Post“.

Güterverkehr kämpft mit längeren Folgen

Während die Bahn den Personenverkehr am Morgen weitgehend wieder anlaufen sah, meldeten Wettbewerber im Güterverkehr weiter erhebliche Probleme. Der Verband „Die Güterbahnen“ sprach von einer angespannten Lage. Viele Güterzüge stünden verteilt im Land und an den Grenzen noch immer still. Das Problem liegt auf der Hand: Nach einem bundesweiten Stopp stehen Züge, Personal und Trassen nicht mehr dort, wo sie planmäßig sein müssten. Güterverkehr, Nahverkehr und Fernverkehr konkurrieren anschließend gleichzeitig um die Rückkehr in einen geordneten Betrieb. Die Folgen können deshalb länger anhalten als die eigentliche technische Störung.

Kritik am Notfallmanagement

Besonders scharf fiel die Kritik aus Nordrhein-Westfalen aus. Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sprach von einem neuen Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität. Er forderte eine transparente und lückenlose Aufklärung des Vorfalls. Kritisiert wurde auch das Notfallmanagement. In der Nacht strandeten zahlreiche Reisende an Bahnhöfen. Vor Informationsschaltern bildeten sich lange Warteschlangen, vielerorts fehlten belastbare Auskünfte. Zwar wurden nach Bahnangaben Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben. In einigen Städten konnten Reisende jedoch keine freien Hotelzimmer mehr finden.

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