Eine japanische Fahrkarte als Schlüssel für die Haustür in Deutschland klingt zunächst nach einer ziemlich speziellen Zweckentfremdung. Tatsächlich funktioniert genau das erstaunlich unkompliziert. Apples Wallet erlaubt die Einrichtung einer digitalen Suica direkt auf dem iPhone, während Smart-Home-Anbieter wie SwitchBot die japanische Karte als Zugangsmittel unterstützen. Aus einer ÖPNV-Karte für Tokio wird damit nebenbei ein digitaler Haustürschlüssel – ohne dass man dafür überhaupt in Japan gewesen sein muss. Wir haben die Kombination ausprobiert. Besonders interessant ist dabei nicht nur, dass sich Suica außerhalb Japans einrichten lässt. Das iPhone beziehungsweise Apple Wallet dokumentiert sogar, wenn die Karte von einem kompatiblen Lesegerät in Deutschland erkannt wurde.

Suica kommt direkt aus Apple Wallet
Suica dürfte vielen Japan-Reisenden bekannt sein. Das von JR East eingeführte System wird vor allem im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt, kann darüber hinaus aber auch für zahlreiche kleinere Zahlungen verwendet werden. Technisch basiert Suica auf FeliCa, einer von Sony entwickelten kontaktlosen Smartcard-Technologie. Für die Einrichtung ist inzwischen keine physische Karte notwendig. Auf einem kompatiblen iPhone lässt sich eine neue Suica direkt über Apple Wallet hinzufügen. Dazu wird in Wallet eine neue ÖPNV-Karte ausgewählt und anschließend Suica eingerichtet.
Bei der Einrichtung werden mindestens 1.000 Yen als Guthaben aufgeladen. Abhängig vom Tageskurs entspricht das derzeit grob fünf bis sechs Euro. Dabei handelt es sich nicht um eine Gebühr für die Karte: Der Betrag steht anschließend als reguläres Suica-Guthaben zur Verfügung. Auch die Bezahlung der Aufladung erfolgt direkt über Apple Pay. Damit lässt sich der komplette Vorgang über das iPhone erledigen. Eine physische Suica muss weder gekauft noch aus Japan mitgebracht werden. Wer später tatsächlich nach Japan reist, hat das Guthaben also bereits auf seiner digitalen Suica und kann die Karte dort für unterstützte Fahrten und Zahlungen einsetzen.
Eine japanische Verkehrskarte als Haustürschlüssel
Spannender wird Suica allerdings abseits ihres eigentlichen Einsatzzwecks. SwitchBot unterstützt die Karte bei verschiedenen Zugangssystemen, darunter entsprechende Varianten seiner Keypads. Dort kann Suica als Zugangsmittel für ein verbundenes Smart Lock verwendet werden. Der Hintergrund ist FeliCa. Suica ist zwar eine kontaktlose Karte, technisch aber nicht einfach irgendein beliebiger NFC-Tag. NFC beschreibt zunächst die Kommunikation über kurze Distanz, während dahinter unterschiedliche Technologien und Protokolle zum Einsatz kommen können. FeliCa ist insbesondere in Japan weit verbreitet und wird von Apple seit Jahren unterstützt.
Unterstützt ein Smart Home-System die entsprechende Technik, kann es deshalb auch eine Suica erkennen. Für den Nutzer bedeutet das im Alltag: Statt einen PIN einzugeben oder einen separaten NFC-Tag mitzuführen, lässt sich die ohnehin auf dem iPhone vorhandene Suica zur Authentifizierung verwenden. Damit wird aus einer virtuellen japanischen Fahrkarte plötzlich ein Zugangsmittel für die eigene Haustür in Europa.
Apple Wallet bestätigt den Zugriff
Wie gut die Kombination funktioniert, lässt sich anschließend sogar direkt auf dem iPhone nachvollziehen. In unserem Test wurde die Suica von einem entsprechenden Lesegerät erkannt. Apple Wallet protokollierte die Vorgänge anschließend unter den letzten Transaktionen als „Karte gelesen“. Zusätzlich erschien eine Systemmitteilung von Suica. Darin bestätigte Wallet den Lesevorgang und zeigte gleichzeitig den aktuellen Saldo der Karte an. In unserem Fall waren das exakt die bei der Einrichtung geladenen 1.000 Yen. Da beim Auslesen selbstverständlich kein Geld von der Suica abgebucht wird, weist Wallet den Vorgang als „Kostenlos“ aus.
Fast bemerkenswert ist dabei vor allem, wie selbstverständlich das Ganze funktioniert. Auf der einen Seite befindet sich eine virtuelle Verkehrskarte eines japanischen Bahnunternehmens in Apple Wallet, auf der anderen Seite ein Smart-Home-Gerät in Europa. Für die lokale Kommunikation spielt diese geografische Distanz keine Rolle.
Die 1.000 Yen sind keine Kosten für den Schlüssel
Die notwendige Erstaufladung sollte dabei nicht mit dem Preis für die Smart-Home-Funktion verwechselt werden. Die mindestens 1.000 Yen verbleiben als Guthaben auf der Suica. Das Smart Home-System bucht beim Öffnen einer Tür selbstverständlich nichts davon ab. Entsprechend zeigen auch unsere Testvorgänge weiterhin einen Saldo von 1.000 Yen. Die Kommunikation mit dem Lesegerät dient lediglich der Erkennung beziehungsweise Authentifizierung der Karte.
Damit kostet die Suica als solche effektiv keine fünf oder sechs Euro zusätzlich. Man hinterlegt lediglich einen entsprechenden Betrag als Guthaben, das später weiterhin für den eigentlichen Einsatzzweck der Karte zur Verfügung steht.
Nicht jede NFC-Karte funktioniert automatisch
Die Kombination zeigt gleichzeitig, warum die Bezeichnung „NFC-Karte“ allein wenig darüber aussagt, ob sich eine Karte für ein bestimmtes Smart-Home-System verwenden lässt. Unterschiedliche kontaktlose Karten können auf verschiedenen Technologien und Standards basieren. Ein NFC-fähiges Smartphone, Türschloss oder Keypad unterstützt deshalb nicht zwangsläufig jede kontaktlose Karte. Im Fall von Suica kommt die Unterstützung von FeliCa hinzu. Sowohl das Apple-Gerät als auch das jeweilige Smart-Home-System müssen damit umgehen können. Genau deshalb ist die explizite Suica-Unterstützung durch SwitchBot interessant. Der Hersteller beschränkt die Funktion nicht auf eigene NFC-Karten, sondern ermöglicht zumindest bei entsprechend unterstützten Geräten auch die Verwendung der japanischen Verkehrskarte.
Ein ziemlich ungewöhnlicher Zweitnutzen
Natürlich dürfte kaum jemand ausschließlich deshalb eine Suica einrichten, um damit seine Haustür zu öffnen. Wer ein kompatibles SwitchBot-System verwendet oder ohnehin eine Japan-Reise plant, bekommt allerdings einen interessanten zusätzlichen Anwendungsfall. Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten, erfolgt direkt über Apple Wallet und die erforderliche Erstaufladung wird über Apple Pay abgewickelt. Anschließend liegen die 1.000 Yen als reguläres Guthaben auf der Karte.


Da die Programmierung auf den Empfängern erfolgt, kann man viele RFC-Karten mehrfach nutzen. Ein Beispiel sind Pflegekräfte, die mit ihrem Betriebsausweis den Zugang zum Büro und zum Drucksystem aber auch zu den Kundenwohnungen bekommen.
Stimmt, solche Mehrfachnutzungen gibt es durchaus. Entscheidend ist hier aber, dass SwitchBot eben nicht beliebige NFC-/RFID-Karten als Zugangsmittel unterstützt. Dass ein Medium am jeweiligen Empfänger angelernt wird, bedeutet noch nicht automatisch, dass dieser auch jeden Kartentyp beziehungsweise jedes zugrunde liegende Protokoll lesen und registrieren kann. Genau deshalb ist die explizite Unterstützung von Suica beziehungsweise FeliCa in diesem Fall interessant.
13,56 MHz und 125 kHz sind auch noch 2 grundlegende Frequenzen. Beides ist RFID. Aber nur die 13,56 MHz sind NFC