Deutschland soll bis 2030 zur KI-Nation werden – Bundesregierung sieht dringenden Handlungsbedarf

Deutschland forscht seit Jahren an Künstlicher Intelligenz, bei der wirtschaftlichen Nutzung und dem Aufbau eigener KI-Technologien spielen jedoch vor allem Unternehmen aus den USA und China die führende Rolle. Das will Bundeskanzler Friedrich Merz ändern. Auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin forderte er am Montag mehr Tempo bei der Entwicklung und beim Einsatz von KI. Bis 2030 soll Deutschland zu den international führenden Standorten gehören. Ein Bericht der eigens eingesetzten KI-Taskforce macht allerdings deutlich, dass die Bundesregierung mit ihren Entscheidungen nicht mehr lange warten kann. „Wir können und ich finde, wir müssen in Deutschland und in Europa viel schneller und besser darin werden, digitale Technologien zu entwickeln und sie auch wirklich zu nutzen“, sagte Merz. Sein Anspruch geht dabei über eine stärkere Nutzung bereits vorhandener KI-Dienste hinaus. Deutschland und Europa sollen selbst wieder eine größere Rolle bei der Entwicklung der Technologie übernehmen.

Symbolfoto: pixabay

Eigene KI-Technologien statt dauerhafter Abhängigkeit

Merz kündigte dafür eine Doppelstrategie an. Zunächst will die Bundesregierung KI-Modelle fördern, die sich unmittelbar in der Industrie einsetzen lassen. Gleichzeitig soll mehr Forschung in Technologien fließen, die erst in den kommenden Jahren wirtschaftlich relevant werden könnten. Als Beispiel nannte der Kanzler die physische KI, also Systeme, die ihre Umgebung erfassen und mit Maschinen oder Robotern interagieren können. Ein wesentliches Anliegen ist die digitale Souveränität. Deutschland und Europa sollen weniger abhängig von den großen Technologieunternehmen aus den USA und China werden. Dafür setzt Merz auch auf Kooperationen mit anderen Staaten, darunter Frankreich und Kanada. Gemeinsam will man Wissen austauschen und Lieferketten breiter aufstellen. Dabei geht es nicht ausschließlich um wirtschaftliche Interessen. Der Kanzler betonte, dass sich die Entwicklung von KI an menschlichen Werten orientieren müsse. Die Technologiepolitik solle mit den europäischen Werten und Sicherheitsinteressen vereinbar bleiben.

80 Prozent der Großunternehmen sollen KI einsetzen

Welche Größenordnung sich die Bundesregierung vorstellt, zeigt der Abschlussbericht einer KI-Taskforce. Die Arbeitsgruppe entstand im Sommer unter Leitung des Digitalministeriums auf Veranlassung des Nationalen Sicherheitsrats. Ihr Auftrag war es, einen Weg zur „KI-Nation 2030“ aufzuzeigen. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen mindestens 80 Prozent der deutschen Großunternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen. Für kleine und mittlere Unternehmen nennt die Taskforce eine Quote von 55 Prozent. Außerdem soll sich die Zahl der KI-Start-ups verdreifachen. Noch ambitionierter ist die wirtschaftliche Zielsetzung: Mehr als zehn Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung sollen bis 2030 auf KI basieren. Wie die Bundesregierung diese Vorgabe im Einzelnen erreichen und messen will, geht aus den bislang veröffentlichten Eckpunkten nicht hervor. Die Zielmarken betreffen vor allem die Verbreitung der Technologie. Ob Deutschland damit zugleich bei der Entwicklung leistungsfähiger KI-Modelle zu den USA und China aufschließen kann, ist eine andere Frage. Ein Unternehmen, das KI-Dienste nutzt, trägt schließlich nicht zwangsläufig zum Aufbau einer eigenständigen europäischen KI-Infrastruktur bei.

Die nächsten 18 Monate sollen entscheidend sein

Ausgerechnet die von der Bundesregierung eingesetzte Taskforce warnt davor, dass Deutschland trotz seiner starken Forschung zunehmend den Anschluss verlieren könnte. Der Abstand zu den führenden KI-Standorten drohe weiter zu wachsen. „Das Zeitfenster, um diesen Abstand zu verringern, schließt sich bald“, schreiben die Experten in ihrem Abschlussbericht. Die nächsten zwölf bis achtzehn Monate betrachten sie als entscheidend. Damit liegt der eigentliche Zeitdruck deutlich vor dem Zieljahr 2030. Die Bundesregierung muss bereits in absehbarer Zeit die Voraussetzungen schaffen, wenn sie ihre langfristigen Ziele erreichen will. Der Bericht macht jedenfalls deutlich, dass eine starke Forschungslandschaft allein nicht genügt, solange daraus zu wenige wirtschaftlich erfolgreiche Anwendungen und Unternehmen entstehen. Auf dem zweitägigen Digitalgipfel in Berlin beraten deshalb Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Technologieunternehmen über die nächsten Schritte. Merz hat den Anspruch formuliert, Deutschland und Europa zu Spitzenreitern zu machen. Ob daraus konkrete Fortschritte entstehen, wird sich vor allem daran messen lassen, welche Vorhaben die Bundesregierung in den kommenden Monaten tatsächlich umsetzt.

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12 Kommentare zu “Deutschland soll bis 2030 zur KI-Nation werden – Bundesregierung sieht dringenden Handlungsbedarf”

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