Anfang September stellte RayNeo passend zur IFA 2026 in Berlin die beiden Displaybrillen GT und GT Max vor. Bereits zur Markteinführung hatten wir uns mit den technischen Besonderheiten der neuen Modellreihe beschäftigt. Inzwischen liegen mir beide Brillen für einen direkten Vergleich vor.
Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welchen Mehrwert die größere Optik der GT Max gegenüber dem günstigeren Basismodell bietet und welche Unterschiede in der Praxis relevant sind. Als Zuspieler verwende ich unter anderem ein iPad Pro mit M5-Chip.
Hinzu kommt ein Korrektureinsatz mit individuell angepassten Gläsern, da ich auf eine entsprechende Sehkorrektur angewiesen bin. Beide Modelle bringen den Bildschirminhalt eines Smartphones, Tablets, Notebooks oder Gaming-Handhelds direkt vor die Augen. Anders als klassische Smart Glasses, die beispielsweise Benachrichtigungen oder Navigationshinweise einblenden, ersetzen die beiden RayNeo-Modelle in erster Linie einen externen Bildschirm.

Die GT Max vergrößert das Sichtfeld, nicht die Auflösung
RayNeo verwendet in beiden Modellen 0,6 Zoll große Micro-OLED-Displays von SeeYa mit einer Auflösung von jeweils 1.920 × 1.080 Pixeln pro Auge. Die Bildwiederholrate beträgt im zweidimensionalen Betrieb bis zu 120 Hz, bei stereoskopischen 3D-Inhalten sind es 60 Hz. Auch bei der Farbdarstellung nennt der Hersteller identische Werte. Dazu gehören eine Abdeckung des DCI-P3-Farbraums von 98 Prozent, ein Kontrastverhältnis von 200.000:1 und eine Farbabweichung von Delta E unter zwei. Dabei handelt es sich um Herstellerangaben und nicht um eigene Messwerte. Der größte Unterschied liegt in der optischen Darstellung. Während die GT ein Sichtfeld von 46 Grad bietet, erreicht die GT Max 59 Grad. Das entspricht einem um rund 28 Prozent größeren Bildwinkel. Die Max nimmt damit einen größeren Teil des Blickfelds ein, ohne dass dafür zusätzliche Bildpunkte zur Verfügung stehen. RayNeo setzt hierfür auf die Peacock Optical Engine 3.0 Max, während die normale GT mit der Peacock Optical Engine 3.0 arbeitet.

Das wirkt sich unmittelbar auf die rechnerische Pixeldichte aus. RayNeo nennt für die GT 49 Pixel pro Grad (PPD), für die Max dagegen 38 PPD. Die kleinere GT verteilt ihre Bildpunkte auf einen engeren Winkel und erreicht damit die höhere Winkelschärfe. Die Max bietet dafür eine größere virtuelle Bildfläche. Für Filme und Spiele kann das breitere Sichtfeld interessant sein. Bei Desktopanwendungen, Tabellen oder längeren Texten spricht dagegen die höhere Winkelschärfe für die normale GT. Eine größere virtuelle Darstellung bedeutet nicht automatisch mehr erkennbare Details. Auch die beworbenen Bildschirmgrößen müssen richtig eingeordnet werden. RayNeo nennt für die GT virtuelle Diagonalen von 136, 201 und 231 Zoll, für die GT Max stehen 227, 267 und 307 Zoll zur Auswahl.
Diese Angaben beschreiben eine simulierte Leinwand und hängen vom angenommenen Betrachtungsabstand ab. Sie lassen sich daher nicht unmittelbar mit der Diagonale eines Fernsehers vergleichen. Bei sehr großen virtuellen Darstellungen können zudem Kopfbewegungen erforderlich sein, um äußere Bildbereiche zu erfassen. Eine größere Leinwand bedeutet daher nicht zwangsläufig mehr gleichzeitig überblickbare Informationen.
Integriertes 3DoF-Tracking hält den Bildschirm in Position
Eine wesentliche Gemeinsamkeit beider Modelle ist das integrierte Headtracking. RayNeo verwendet hierfür einen eigenen Zone-360-Chip, der Drehbewegungen des Kopfes erfasst. Das System arbeitet mit drei Freiheitsgraden, dem sogenannten 3DoF-Tracking. Eine vollständige Positionsverfolgung im Raum, wie sie beispielsweise bei VR-Headsets mit 6DoF zum Einsatz kommt, ist damit nicht verbunden. RayNeo bietet drei unterschiedliche Darstellungsmodi. Im Follow-Modus bleibt der virtuelle Bildschirm an die Blickrichtung gekoppelt und bewegt sich mit dem Kopf. Steady soll diese Bewegungen glätten und ist insbesondere für die Nutzung in Fahrzeugen vorgesehen. Pinned hält den virtuellen Bildschirm dagegen in einer festgelegten Blickrichtung. Dreht der Nutzer den Kopf, bleibt die Leinwand an ihrer ursprünglichen Ausrichtung. Gerade Pinned unterscheidet die Geräte von einfachen Displaybrillen, deren Bild permanent vor den Augen mitwandert. Die Funktion ist bereits in die Brillen integriert und benötigt keine zusätzliche Trackingsoftware auf dem angeschlossenen Rechner.
Damit steht die grundlegende Stabilisierung unabhängig davon zur Verfügung, ob ein Smartphone, Notebook oder Gaming-Handheld als Bildquelle verwendet wird. Allerdings gibt es eine technische Einschränkung bei der Helligkeit. RayNeo bewirbt beide Modelle mit bis zu 1.200 Nits. Im Pinned-Modus nennt der Hersteller dagegen lediglich 336 Nits. Wer den virtuellen Bildschirm dauerhaft in einer bestimmten Blickrichtung verwenden möchte, kann daher nicht gleichzeitig die maximale beworbene Helligkeit nutzen. Die geringere Helligkeit kann insbesondere in hellen Umgebungen relevant werden. Die Zuverlässigkeit der Stabilisierung bei längeren Fahrten lässt sich aus den Herstellerangaben allein nicht abschließend beurteilen.
Sehstärkeneinsatz und Pupillenabstand sind entscheidend
Ein wichtiger Bestandteil meines Setups ist der Korrektureinsatz mit individuell angepassten Gläsern. Anders als bei einer gewöhnlichen Brille muss hier nicht nur die Fehlsichtigkeit ausgeglichen werden. Entscheidend ist auch, wie die Augen zur optischen Einheit der Displaybrille positioniert sind. Die GT besitzt eine feste optische Auslegung auf einen Pupillenabstand von 64 Millimetern. Die GT Max wird dagegen in drei Varianten angeboten. Die Größe S ist für einen Pupillenabstand unter 64 Millimetern vorgesehen, M deckt 64 bis 67 Millimeter ab und L richtet sich an Nutzer mit einem größeren Abstand. Eine mechanische, stufenlose IPD-Verstellung ist damit nicht verbunden. Die passende Variante muss bereits bei der Bestellung gewählt werden. Gerade bei einer Displaybrille ist diese Entscheidung relevant, da sich eine ungünstige Ausrichtung der Optik unmittelbar auf den wahrgenommenen Bildausschnitt und die Schärfe auswirken kann.
Der Korrektureinsatz übernimmt eine andere Aufgabe. Er gleicht die individuelle Fehlsichtigkeit aus, kann aber eine unpassende optische Ausrichtung nicht vollständig kompensieren. Die wahrgenommene Randschärfe hängt außerdem von der Position der Brille und dem Abstand zu den Korrekturgläsern ab. Beim Gewicht liegt die GT mit 68 Gramm gegenüber 78 Gramm vorn. Zehn Gramm Unterschied sind bei einem Gerät, das auf Nase und Ohren aufliegt, grundsätzlich relevant. Ob daraus tatsächlich ein spürbarer Komfortvorteil entsteht, hängt allerdings auch von der Gewichtsverteilung, den Auflagepunkten und der verwendeten Sehkorrektur ab.
USB-C mit DisplayPort ist Voraussetzung
Die Verbindung zum Zuspieler erfolgt über USB-C. Dabei reicht es nicht, dass Smartphone, Notebook oder Handheld lediglich über eine entsprechende Buchse verfügen. Für die direkte Bildausgabe muss der Anschluss DisplayPort Alt Mode unterstützen. Das ist insbesondere bei Smartphones relevant, deren USB-C-Anschluss teilweise ausschließlich für Datenübertragung und Stromversorgung ausgelegt ist. Auch bei älteren Geräten mit Lightning-Anschluss oder bei HDMI-Quellen wird zusätzliches Zubehör benötigt. Ein gewöhnlicher passiver Adapter reicht dafür nicht zwangsläufig aus, da das Videosignal entsprechend umgesetzt und die Stromversorgung der Brille sichergestellt werden muss. Beide Brillen beziehen ihren Strom über das angeschlossene Gerät. Das vereinfacht den Aufbau, da kein separater Akku geladen werden muss. Gleichzeitig reduziert die Stromversorgung der Brille die verfügbare Akkulaufzeit eines mobilen Zuspielers. Wie stark sich das konkret auswirkt, hängt von dessen Hardware und dem jeweiligen Betrieb ab.
Für die grundlegende Bildausgabe und die integrierten Darstellungsmodi ist keine zusätzliche App erforderlich. Als Zuspieler kommt in diesem Vergleich unter anderem ein iPad Pro mit M5-Chip zum Einsatz. Über dessen USB-C-Anschluss lassen sich beide Modelle als externe Bildschirme verwenden. Die größere virtuelle Darstellung schafft allerdings nicht automatisch zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten: Bedienung und Funktionsumfang werden weiterhin von iPadOS und den verwendeten Apps bestimmt. Während eine größere Leinwand bei der Medienwiedergabe interessant sein kann, kommt es bei produktiven Aufgaben stärker auf die tatsächliche Nutzbarkeit der Inhalte an. Das Kabel bleibt allerdings ein fester Bestandteil des Nutzungskonzepts. Anders als bei eigenständig arbeitenden Headsets lassen sich die Geräte nicht unabhängig von einem Smartphone, Rechner oder einer anderen Bildquelle betreiben.
Vier Lautsprecher und Dolby Vision mit Einschränkungen
Bei der Audioausstattung unterscheiden sich GT und GT Max nicht wesentlich. Beide verwenden vier integrierte Lautsprecher, die laut RayNeo in Zusammenarbeit mit Bang & Olufsen abgestimmt wurden. Hinzu kommen räumliche Audiowiedergabe und der sogenannte Whisper Mode 2.0. Letzterer soll die Schallabgabe an die Umgebung reduzieren. Eine vollständige akustische Abschirmung ist damit allerdings nicht verbunden. Wie deutlich andere Personen den Ton wahrnehmen, hängt unter anderem von Lautstärke und Umgebung ab. Dolby Vision gehört ebenfalls zu den beworbenen Funktionen. RayNeo sieht dafür jedoch die Kombination mit dem separat erhältlichen Pocket TV Pro vor. Dieser übernimmt als Google-TV-Zuspieler die Bereitstellung entsprechender Inhalte. Die Unterstützung lässt sich deshalb nicht pauschal auf jeden angeschlossenen Rechner oder jedes Smartphone übertragen.
Davon zu unterscheiden ist die beworbene SDR-zu-HDR-Aufbereitung. Die Umwandlung gewöhnlicher Bildinhalte ist technisch nicht mit der nativen Wiedergabe von Dolby-Vision-Material gleichzusetzen. Für die normale Bildausgabe eines kompatiblen Smartphones oder Rechners wird der Pocket TV Pro nicht benötigt. Eine weitere Einschränkung betrifft die Abdunklung. Eine elektrochrome Tönung, die sich elektronisch an unterschiedliche Lichtverhältnisse anpassen lässt, steht nicht zur Verfügung. RayNeo bietet stattdessen physische Abdeckungen an, um die Umgebung stärker auszublenden. Der Wechsel zwischen offener Darstellung und stärkerer Abschirmung erfolgt damit nicht elektronisch.
Zwischen 120 und 127 Euro Preisunterschied
Zum Marktstart am 4. September 2026 hatte RayNeo die GT für regulär 369 Euro und die GT Max für 489 Euro angekündigt. Im Rahmen der Einführung wurden beide Modelle außerdem für einen begrenzten Zeitraum mit einem Preisnachlass von jeweils 30 Euro angeboten. Die damaligen Early-Bird-Preise lagen entsprechend bei 339 beziehungsweise 459 Euro. Bei den für diesen Vergleich vorliegenden Angeboten werden im Herstellerstore weiterhin 369 Euro für die GT und 489 Euro für die GT Max genannt. Damit liegt der Aufpreis bei 120 Euro. Bei Amazon wurden die Modelle mit 313 beziehungsweise 440 Euro angeboten, was einem Unterschied von 127 Euro entspricht. Diese Beträge sind als Angebotsstände zu verstehen und können sich ändern. Der höhere Preis der GT Max entfällt damit vor allem auf die größere Optik und die Auswahl unterschiedlicher IPD-Varianten. Eine höhere Displayauflösung, eine zusätzliche Trackingdimension oder eine grundsätzlich andere Zuspielertechnik erhält man dafür nicht.
Wer einen Korrektureinsatz benötigt, muss dessen Kosten zusätzlich berücksichtigen. Gleiches gilt für gegebenenfalls erforderliche Adapter oder den Pocket TV Pro. Der tatsächliche Anschaffungspreis hängt deshalb nicht nur von der gewählten Brille, sondern auch von der vorhandenen Hardware und den individuellen Anforderungen ab.
Größeres Sichtfeld oder höhere Pixeldichte
Die RayNeo GT Max bietet gegenüber der normalen GT ein deutlich größeres Sichtfeld und mehr Auswahl bei der optischen Anpassung. Dafür steigt das Gewicht um zehn Gramm und der Preis um mindestens 120 Euro auf Grundlage der vorliegenden Angebote. An der Full-HD-Auflösung pro Auge ändert sich dagegen nichts. Die normale GT besitzt bereits dieselben grundlegenden Trackingfunktionen, unterstützt ebenfalls bis zu 120 Hz und erreicht aufgrund des kleineren Sichtfelds eine höhere Pixeldichte. Für die Darstellung kleiner Schriften ist das zumindest auf dem Papier ein relevanter Vorteil. Die Max richtet sich dagegen stärker an Nutzer, die eine möglichst große virtuelle Leinwand bevorzugen.
Beim Einsatz mit einem Tablet wie dem iPad Pro M5 kommt es zusätzlich darauf an, welchen Mehrwert die virtuelle Bildfläche gegenüber dem vorhandenen Display bietet. Für die Medienwiedergabe und bestimmte Anwendungen kann sie interessant sein; bei produktiven Aufgaben spielen Bedienung und Betriebssystem eine ebenso wichtige Rolle. Die GT Max bietet vor allem mehr Sichtfeld und zusätzliche IPD-Varianten. Die günstigere und leichtere GT behält dieselbe Displayauflösung und die grundlegenden Funktionen zur Stabilisierung des virtuellen Bildschirms.