Synology bereitet mit DSM 7.4 das nächste größere Update für sein NAS-Betriebssystem vor. Der Rollout soll nach den vorliegenden Informationen des Herstellers am 16. Juni beginnen. Zunächst ist die neue Version für Neuinstallationen und manuelle Updates vorgesehen, anschließend soll die automatische Verteilung schrittweise bis Mitte August erfolgen. Unterstützt werden offenbar nur noch Modelle ab der x21-Generation. Ältere Systeme aus der x20-Serie und davor bleiben außen vor. Die neue Version bringt keine rein kosmetischen Änderungen, sondern zielt vor allem auf zwei Bereiche: effizientere Speichernutzung und den Ausbau von KI-Funktionen. Hinzu kommen Anpassungen bei der Laufwerkskompatibilität, die besonders für neue Modelle ab 2026 relevant werden. Synology bewegt sich damit weiter in Richtung Enterprise-Umfeld und rückt das NAS stärker als Datenplattform für KI-gestützte Workflows in den Mittelpunkt.
Storage Efficiency bringt Deduplizierung und Kompression für HDDs
Eine der wichtigsten Neuerungen in DSM 7.4 ist die Funktion „Storage Efficiency“. Synology bündelt darunter Deduplizierung und Kompression, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied zu bisherigen DSM-Versionen. Während Deduplizierung bislang vor allem bei SSD-Volumes und Synology-SSDs eine Rolle spielte, soll DSM 7.4 diese Datenreduktion nun auch für HDDs anbieten.
Die Funktion arbeitet auf Ebene freigegebener Ordner und kann je nach Datenbestand unterschiedlich konfiguriert werden. Nutzer können Deduplizierung, Kompression oder beide Verfahren zusammen aktivieren. Besonders bei Backup-Daten oder VM-Images dürfte Deduplizierung interessant sein, weil dort häufig identische Datenblöcke vorkommen. Textlastige Dokumente profitieren dagegen eher von Kompression. Synology reagiert damit auch auf die angespannte Lage am Speichermarkt. Große Festplatten sind teuer, und gerade in Unternehmen wächst der Datenbestand weiter. Wenn sich vorhandene Kapazität durch Datenreduktion besser ausnutzen lässt, kann das den Ausbau von Speicherpools zumindest verzögern.
Nicht jedes NAS erhält die neue Funktion
Storage Efficiency wird nicht auf allen Geräten verfügbar sein. Unterstützt werden nach den vorliegenden Angaben unter anderem Modelle, die bereits SSD-Deduplizierung beherrschen, sowie neuere Systeme mit passenden technischen Voraussetzungen. Dazu zählen Geräte ab 2022 mit Kernel 4.4 oder neuer, mindestens vier CPU-Threads und mindestens 2 GB RAM. In der Liste tauchen zahlreiche FS-, HD-, SA-, RS- und DS-Modelle auf. Bei den Desktop-Systemen werden unter anderem DS925+, DS725+, DS425+, DS225+, DS224+, DS923+, DS723+, DS423+, DS2422+, DS1825+, DS1823xs+ und DS1522+ genannt. Auffällig ist, dass keine Modelle vor der x21-Generation aufgeführt werden.
Damit setzt Synology die Trennung zwischen älteren und neueren Plattformen deutlicher fort. Für Besitzer aktueller Plus- und XS-Systeme ist DSM 7.4 damit ein funktionales Update. Für Nutzer älterer Geräte wird dagegen sichtbar, dass neue DSM-Funktionen zunehmend an Kernel, CPU-Leistung und Hardwaregeneration gebunden werden.
Synology Drive bekommt KI-Suche
Neben Speicherfunktionen rückt Synology den KI-Ausbau stärker in den Fokus. Besonders wichtig ist Synology Drive 4.1, das eine neue AI Search erhalten soll. Damit will Synology nicht mehr nur klassische Dateinamen oder Metadaten durchsuchen, sondern Inhalte semantisch erfassen. Die Suche soll lokale Embedding-Modelle nutzen und Text, Bilder, Audio sowie Video in eine lokale Vektordatenbank überführen. Dadurch können Nutzer Datenbestände mit natürlicher Sprache durchsuchen, statt auf exakte Stichwörter angewiesen zu sein. Für Unternehmen mit großen Dateiarchiven ist das ein relevanter Schritt, weil viele Informationen heute in unstrukturierten Daten liegen.
Drive war bislang eines der Synology-Pakete ohne tiefere KI-Funktionen. Mit DSM 7.4 und Drive 4.1 schließt Synology diese Lücke und erweitert den eigenen Produktivitätsbereich. Wichtig bleibt dabei, wie stark die Suche lokal läuft und welche Hardware für größere Datenbestände nötig ist.
ChatPlus, Meet und DSM Agent zeigen die Richtung
Später im Jahr sollen außerdem ChatPlus und Meet folgen. Synology beschreibt die Plattformen als lokale Kommunikations- und Konferenzlösung mit KI-Funktionen. ChatPlus soll mehr als 10.000 Nutzer unterstützen, Webinare mit bis zu 7.000 Teilnehmern ermöglichen und neben Chats auch Videokonferenzen, Webhooks und ChatBots integrieren. Noch interessanter ist der geplante DSM Agent. Dabei handelt es sich um einen KI-Assistenten direkt im DSM-System. Er soll administrative Aufgaben per natürlicher Sprache anstoßen und dafür verschiedene DSM-Pakete kombinieren können. Als Beispiel wird ein monatlicher Speicherbericht genannt, bei dem der Agent Daten aus dem Storage Manager auswertet, einen Bericht erstellt und diesen anschließend über MailPlus verschickt.
Auch Sicherheitsprüfungen könnten dadurch automatisiert werden. Dazu zählen etwa die Kontrolle von Zwei-Faktor-Authentifizierung, Passwortstärke oder Auto-Block-Einstellungen. Synology zielt damit klar auf Administratoren, die Routineaufgaben schneller prüfen und dokumentieren wollen.
Lokale KI bleibt eine Hardwarefrage
Synology spricht zwar von lokalen KI-Funktionen und privater Cloud, dennoch wird die Umsetzung stark von der Hardware abhängen. Einfache NAS-Systeme ohne GPU werden vor allem bei Datenmanagement und Sicherheitsfunktionen profitieren. Leistungsfähigere Modelle mit geeigneten CPUs oder künftigen GPU-Optionen sollen dagegen deutlich mehr lokale KI-Aufgaben übernehmen können. Bei neuen Rack-Modellen mit PCIe 4.0 zeichnet sich bereits ab, dass Synology stärker auf GPU-Beschleunigung vorbereitet. Künftige AI-Station-Systeme sollen noch weiter gehen und auch größere Modelle lokal ausführen können. Diese Geräte werden allerdings eher im Enterprise-Umfeld liegen und dürften frühestens ab 2027 eine größere Rolle spielen.
Für bestehende Nutzer bedeutet das: DSM 7.4 bringt die Grundlage für mehr KI, aber nicht jedes NAS wird denselben Funktionsumfang erhalten. Je stärker Funktionen lokal arbeiten sollen, desto wichtiger werden CPU-Leistung, RAM, GPU-Unterstützung und die jeweilige Modellklasse.
Neue Regeln für SSD-Caches bei 2026er-Modellen
Mit DSM 7.4 ändert Synology auch die Regeln für SSD-Caches auf neuen Modellen ab 2026. Drittanbieter-SSDs sollen dort nicht mehr für SSD-Caches genutzt werden können, unabhängig davon, ob sie auf einer Kompatibilitätsliste stehen oder nicht geprüft wurden. Als Speicherpool sollen sie weiterhin einsetzbar bleiben. Synology begründet die Einschränkung mit der Schreibbelastung beim Caching. SSD-Caches erzeugen hohe Schreib- und Lesezugriffe, weshalb unzureichende Haltbarkeit ein Risiko darstellen könne. Die Änderung betrifft nach den vorliegenden Angaben nur neue Modelle ab 2026. Bereits vorhandene Systeme sowie migrierte Drittanbieter-Laufwerke sollen davon nicht betroffen sein.
Diese Einschränkung dürfte erneut Diskussionen auslösen. Synology hatte bereits in den vergangenen Jahren mit strengeren Kompatibilitätsregeln für Laufwerke für Kritik gesorgt. Diesmal ist der Umfang enger gefasst, dennoch bleibt der Kurs klar: Bei neuen Systemen will Synology stärker kontrollieren, welche Komponenten für besonders belastete Funktionen genutzt werden.
DSM 7.4 macht Synology stärker zur Enterprise-Plattform
DSM 7.4 ist kein Update, das nur an einzelnen Stellschrauben dreht. Synology verbindet effizientere Speichernutzung, KI-Suche, lokale Assistenten, Kommunikationsdienste und strengere Hardwarevorgaben zu einer klareren Plattformstrategie. Das klassische NAS bleibt erhalten, wird aber zunehmend zum Datenhub für Unternehmen, die ihre Daten lokal halten und trotzdem KI-Funktionen nutzen wollen.
Für Heimanwender und kleine Installationen sind vor allem Storage Efficiency und Drive AI Search interessant. Unternehmen dürften stärker auf DSM Agent, ChatPlus, Meet und künftige GPU-Modelle schauen. Gleichzeitig wird deutlicher, dass ältere NAS-Generationen bei neuen Funktionen zunehmend zurückfallen. Wer DSM 7.4 vollständig nutzen möchte, braucht passende Hardware.

Synology tut sich mit diesen Einschränkungen bei zu verwendenden Datenträgern definitiv keine Freunde mehr machen. Letztes Jahr mit HDD/SSD direkt für den Speicherplatz, jetzt mit SSD-Caches.
Jetzt wollen Sie halt wieder ihre „umgelabelten“ eigenen SSD, die letztlich kein deut besser sind als jene SSD die das Bottleneck darstellen sollen, an den Mann bringen.
„Komisch“ (wundern tut es mich nicht), dass die EU hier nicht losgeht und reguliert.
P.S. Bin ich froh mich schon vor Jahren von Synology losgesagt zu haben. auch wenn man Synology grundsätzlich weiterhin verwenden kann, wenn man denn die verfügbaren Thirdparty-Tweaks (z.B. Synology_HDD_db) in Anspruch nimmt, um die etwaigen Limitierungen auszuhebeln…
Dass ältere Modelle nicht mehr supportet werden, war schon länger bekannt. Mich hat schon gewundert, dass die 7.3.x überhaupt noch für meine DS418play kam.
Zuletzt kamen hier auch noch Minor Updates – aktuell sprechen wir von 7.3.2 – sollten hier irgendwann auch nichts mehr kommen, muss wohl doch mal ein neue NAS her.
Ich hoffe, Synology bekommt es endlich mal auf die Reihe ihre alternde Basis (Soft- und Hardware) zu modernisieren.
Ich rechne aktuell nicht mit dem Erscheinen einer DS227, aber eine DS223 als Upgrade für meine DS218 kommt für mich nicht in Frage.
Hersteller wechseln will ich ungern, da damit einhergehend einiges an Migrationsaufwand verbunden ist, wo ich bei Synology nur die HDDs einfach in das neue bauen kann und das war es (mehr oder weniger)
Ich nutze Synology seit 2009, war immer zufrieden und habe diverse Produkte im Einsatz. Leider wurde der Bogen in letzter Zeit zu oft überspannt, wodurch mein nächstes NAS bestimmt nicht mehr von dieser Firma kommt.
Sorry Synology, so gehts einfach nicht.
HDD Beschränkungen, plötzliche Einstellung diverser Anwendungen, fehlende Updates, SSD Beschränkungen, immer noch langsame Netzwerkports, alte Softwareversionen, etc etc.
Auch wenn Selbstbau Arbeit macht, ich freue mich schon darauf.