Frankreich zieht bei sozialen Netzwerken eine harte Altersgrenze ein. Das Parlament hat ein Gesetz beschlossen, das Kindern unter 15 Jahren den Zugang zu Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat, Facebook, Reddit, X und ähnlichen Diensten untersagt. Damit wird Frankreich zum ersten EU-Land mit einem solchen pauschalen Verbot. Präsident Emmanuel Macron hatte sich bereits länger für strengere Regeln eingesetzt. Die Regierung will das Gesetz möglichst zum Start des neuen Schuljahres im September anwenden.

Plattformen müssen Alter prüfen
Kern des Gesetzes ist eine neue Pflicht für Plattformen. Sie sollen verhindern, dass Kinder unter 15 Jahren eigene Konten anlegen oder nutzen. Die Kontrolle soll über Altersprüfungen laufen. Die französische Medienaufsicht Arcom soll die Umsetzung überwachen. Genau dort beginnt aber auch der schwierige Teil. Altersverifikation im Netz ist technisch und datenschutzrechtlich heikel. Kinder umgehen bestehende Schutzmechanismen häufig, während Erwachsene ungern zusätzliche Nachweise bei Plattformen hinterlegen.
Schutz vor Algorithmen und Werbung
Frankreich begründet den Schritt mit dem Schutz von Minderjährigen. Im Mittelpunkt stehen manipulative Algorithmen, Suchtmechanismen, problematische Inhalte und der hohe Zeitaufwand auf Plattformen. Nach Angaben der französischen Aufsicht verbringen Minderjährige auf TikTok im Schnitt 1 Stunde und 21 Minuten pro Tag. Das Gesetz soll deshalb nicht nur den Zugang beschränken, sondern auch Werbung an Kinder stärker unterbinden. Zudem sollen Plattformen Warnhinweise tragen, die soziale Netzwerke als gefährliche Produkte für Kinder unter 15 Jahren kennzeichnen.
Auch Smartphones an Schulen im Fokus
Das Gesetz bleibt nicht bei sozialen Netzwerken stehen. Frankreich will außerdem Mobiltelefone an weiterführenden Schulen stärker einschränken. Damit geht es nicht nur um Plattformen selbst, sondern auch um die allgemeine Smartphone-Nutzung im Schulalltag. Macron verfolgt damit eine deutlich restriktivere Linie als viele andere EU-Staaten. Während Spanien, Griechenland und Dänemark ebenfalls strengere Regeln für Minderjährige prüfen, prescht Frankreich nun vor.
Verfassungsprüfung kann Start verzögern
Ganz abgeschlossen ist das Verfahren trotzdem noch nicht. Eine Prüfung durch den französischen Verfassungsrat gilt als wahrscheinlich. Dadurch könnte sich die Anwendung des Gesetzes verzögern. Die Regierung peilt dennoch den September 2026 an. Sollte das Gesetz wie geplant greifen, dürften Plattformen sehr kurzfristig technische Lösungen für die Altersprüfung liefern müssen.
Signalwirkung für Europa
Die Entscheidung dürfte auch außerhalb Frankreichs genau beobachtet werden. Die EU arbeitet bereits an eigenen Ansätzen zum Schutz Minderjähriger im Netz. Gleichzeitig sorgt jede Form der Altersprüfung für neue Debatten über Datenschutz, Anonymität und mögliche Ausweitung solcher Systeme. Frankreich setzt nun auf ein klares Verbot statt auf reine Elternkontrolle. Ob das im Alltag funktioniert, hängt am Ende weniger am Gesetzestext als an der Umsetzung durch Plattformen, Aufsicht und technische Altersprüfung.
Super. Da hoffe ich inständig, das dies auch bald in Deutschland umgesetzt wird.
Von mir aus könnten sie die (a)sozialen Medien auch komplett verbieten. Meiner Meinung nach sind das lediglich Plattformen für radikale Meinungsmacher (in jede Richtung und zu jedem Thema) und schreiende Minderheiten, welche so tun als seien sie die Mehrheit. Ich gebe diesen Plattformen eine große Mitschuld an der Spaltung der Gesellschaft und dass man sich zu manchen Themen nicht mehr äußern darf, weil einem jede Seite in ihrem Sinne das Wort verdreht.
Denkt an die Zeit zurück, als es zwar Internet, aber nicht diese Plattformen gab. Es war eine bessere Welt.
Ah Identifizierung und Überwachung, darum geht’s, dachte das geht um Kinderschutz, aber die verpacken es auch immer wieder glaubhaft, fast. 🤣
Geb ich dir recht. ☝🏻 Vorallem, dass es immer noch einige glauben, dass es dabei um Kinderschutz geht. Es ist nur eiskalte Überwachung wies Europaweit geplant ist. 🙄🙄
Frankreich kann ja doch was. Bin auch dafür dass man den kleinen Kindern hier das Smartphone wegnehmen sollte
„Frankreich begründet den Schritt mit dem Schutz von Minderjährigen.“
Mit dieser Begründung kann man fast alles verbieten oder muß fast alles absichern.
Kinder laufen auch „gerne“ mal plötzlich auf die Straße, also müßte man zum Schutz Minderjähriger entweder alle Straßen mit Zäunen absichern oder Autofahren verboten werden.
Ist ja nicht so, dass Fahrradfahrer keine Gefahr darstellen – vor allem jene nachts ohne Licht, Rotschwäche oder die allgemeinen Kampfradler die glauben Fußwege stünden auch zu ihrer Verfügung.
Mit Kindern und Terror kann und konnte man schon immer alles begründen. Ergo wäre es effektiver Kinder und Terror zu verbieten
Ich sehe diesen Ansatz ebenfalls sehr kritisch. Verbieten wir Kindern die Nutzung wirklich nur, um sie vor einigen kriminellen Erwachsenen zu schützen? Da läuft meiner Meinung nach strukturell etwas falsch. Die aktuelle Altersgrenze von 13 Jahren halte ich für sinnvoll, sofern sie auch konsequent und wirksam kontrolliert wird. Statt pauschaler Verbote bis 15 Jahre sollten wir lieber die Plattformen selbst in die Pflicht nehmen die Altersgrenze besser zu Verifizieren. Sinnvoller wären regulierte Onlinezeiten, die nach Alter gestaffelt sind, sowie eine deutlich strengere Prüfung der Inhalte. Das würde Jugendliche effektiv schützen. Ein striktes Verbot führt in der Realität meist nur dazu, dass Kinder die Medien heimlich nutzen. Dadurch verlieren Eltern und Behörden jegliche Kontrollmöglichkeit. Viel wichtiger wäre eine frühzeitige Aufklärung und eine fundierte Medienkompetenz-Schulung. Das gilt für Kinder und Jugendliche ebenso wie für viele Eltern, die oft gar nicht wissen, was ihre Kinder auf diesen Plattformen überhaupt tun. Wenn man überhaupt etwas regulieren oder verbieten müsste, dann Dienste wie Snapchat. Eine Plattform, die sich selbst löschende Bilder als Sicherheitsfeature vermarktet, ist hochgradig bedenklich. Wir alle wissen, welche Risiken das birgt. Das sind zumindest meine Gedanken zu dem Thema. Wie seht ihr das?