E-Ink-Bilderrahmen etablieren sich langsam immer mehr: Nach Geräten wie dem Reflection Frame, dem Switchbot AI Art Frame oder dem OpenPaper 7 kommt mit dem InkJoy Frame aus China ein weiteres Modell hinzu, das sich allerdings an einigen Stellen bewusst von der Konkurrenz absetzen möchte. Auffällig sind dabei vor allem zwei Punkte: Die hauseigene „ISFR“-Bildaufbereitung und ein später nachgereichter Offline-Modus mit MicroSD-Karte, der den Rahmen auch ohne dauerhafte Cloud-Anbindung nutzbar macht. Ich konnte mir auch dieses Modell in der 13-Zoll-Variante eine Weile anschauen und möchte über meine Erfahrungen berichten.
Erster Eindruck
Optisch orientiert sich InkJoy zunächst eher an einem klassischen Bilderrahmen als an einem technischen Gadget. Meine Variante wurde mit einem goldenen Aluminium-Rahmen inklusive Passepartout geliefert und ist dadurch abgesehen von der vielleicht etwas gewagten Farbe erstmal recht unauffällig. Allerdings kann man alles auseinander schrauben und findet dann neben einem robusten Adapter zu Verwendung mit gängigen 30 x 40 cm Bilderrahmen (z.B. von Ikea) aus weißem Kunststoff auch den eigentlichen InkJoy Frame vor. Dieser ist deutlich kompakter und kann auch ohne klassischen Bilderrahmen drumherum verwendet werden. Ich fand die schmalen Ränder ganz schick und habe ihn deswegen die ganze Zeit so verwendet – deswegen sieht man auf allen anderen Bildern hier auch nur das „nackte“ Gerät.
Der Rahmen kann sowohl im Hoch- als auch im Querformat aufgehängt werden und im Lieferumfang enthalten sind ebenfalls zwei Metallstäbe, die man hinten als Ständer in Messinggewinde schrauben kann. Damit lässt sich auch auf Tischen und Fensterbänken ein für E-Ink-Bilderrahmen ungewöhnlich schlankes und modernes Setup schaffen.
Herzstück des Bilderrahmens ist natürlich das Panel. Das matte Spectra-6-E-Ink-Display reflektiert Umgebungslicht ähnlich wie Papier und verzichtet vollständig auf eine Hintergrundbeleuchtung. Dadurch wirkt das angezeigte Bild deutlich ruhiger als auf einem LCD- oder OLED-Bilderrahmen. Spiegelungen fallen kaum auf, selbst bei direkter Bestrahlung mit einer Lichtquelle.
Das Display aktualisiert sich – wie bei E Ink üblich – nicht ständig. Beim Bildwechsel ist der komplette Refresh sichtbar und dauert mehrere Sekunden. Wer bereits einen E-Book-Reader oder einen anderen E-Ink-Bilderrahmen genutzt hat, kennt dieses Verhalten bereits. Für Fotos oder Kunstwerke spielt das im Alltag allerdings kaum eine Rolle.
Auf der Rückseite befinden sich ansonsten noch eine Status-LED, ein USB-Port zum Aufladen, ein MicroSD-Slot, ein Schalter und eine Reset-Knopf. Schrauben zum Öffnen des Gerätes gibt es allerdings nicht – an den fest verbauten Akku kommt man also nicht heran.
Festhalten kann man auf jeden Fall, dass mein erster Eindruck von der Hardware sehr positiv war und alles einen sehr durchdachten und fertig entwickelten Eindruck gemacht hat. Da ist man der Konkurrenz definitiv einen Schritt voraus.
Einrichtung & App
Die Inbetriebnahme läuft zunächst klassisch über die InkJoy-App. Nach dem Einschalten wird der Rahmen per Bluetooth erkannt und anschließend mit dem WLAN verbunden. Ohne Internet funktioniert die erste Einrichtung allerdings nicht. Der Rahmen muss zunächst einmalig aktiviert und mit einem Benutzerkonto verbunden werden. Erst danach können Bilder aus der App über die Cloud auf den Rahmen übertragen werden. Standardmäßig werden die Inhalte (Bilder) in der Cloud gespeichert und der Rahmen wacht aus Stromspargründen nur im gewünschten Intervall auf, lädt sich das dann jeweils aktuelle Bild herunter und zeigt es an.
Löblich ist, dass man sich unter iOS mit dem beschränkten Zugriff auf die Foto-Mediathek zufrieden gibt und man somit die Kontrolle hat, welche Bilder man denn nun dem Hersteller zur Verfügung stellen möchte.
In der App lassen sich Diashows wirklich hervorragend umsetzen – so gut habe ich das vorher noch bei keinem anderen E-Ink-Bilderrahmen gesehen. Man kann verschiedene Playlists und Zeitpläne erstellen, sodass man beispielsweise morgens andere Bilder-Playlists sehen könnte als nachmittags oder abends. Theoretisch gibt es auch einen Bereich mit Mini-Apps, der allerdings bisher noch nicht wirklich ausgebaut ist.
Ansonsten erfolgt über die App natürlich auch die Geräte-Verwaltung inklusive Firmware-Updates.
ISFR statt nur Standard-Dithering
Einer der größten Unterschiede zu vielen anderen Spectra-6-Rahmen ist die sogenannte „ISFR-Engine“ (Intelligent Spectra Fusion Rendering). Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich keine neue Displaytechnik, sondern eine proprietäre Bildaufbereitung.
InkJoy analysiert Fotos vor der Übertragung auf den Rahmen und passt Farben, Kontraste sowie das Dithering speziell an die Eigenschaften des Spectra-6-Panels an. Der Hersteller spricht dabei von „Machine Vision“ und „KI-Unterstützung“. Das ist natürlich auch Marketing, aber am Ende muss jedes Bild für ein E-Ink-Display aufbereitet werden.
Und das klappt hier wirklich gut: Die Farben wirken natürlich und die Darstellung ist in der Regel weder zu hell, noch zu dunkel. Details bleiben erhalten und im Prinzip sehen alle Bilder irgendwie gut aus.
Es gilt aber trotzdem: Auch die beste Software kann die technischen Grenzen eines E-Ink-Displays nicht aushebeln. Ich habe hier mal Fotos von den Bildern gemacht, die ich auch bei den anderen E-Ink-Bilderrahmen in den Tests eingebunden hatte. Da könnt ihr selbst ein wenig vergleichen.
Aus der Nähe sind die Bilder natürlich genau so pixelig wie bei den anderen Rahmen. InkJoy bietet auch Rahmen mit höherer Pixeldichte an. So ein Modell würde ich gerne irgendwann mal zum Vergleich in den Händen halten.
Offline-Modus
Während zahlreiche smarte Bilderrahmen vollständig auf eine Cloud setzen, bietet InkJoy inzwischen einen Offline-Modus mit MicroSD-Karte an (zur Zeit des Tests als Beta). Dieser entstand nach Rückmeldungen aus der Kickstarter-Community und gehörte ursprünglich gar nicht zum geplanten Funktionsumfang.
Bilder werden lokal auf einem Windows-PC (macOS fehlt leider noch) vorbereitet und verschlüsselt auf eine microSD-Karte geschrieben. Der Rahmen kann diese anschließend komplett ohne Internetverbindung anzeigen. Das Windows-Tool läuft ebenfalls offline, sodass die Bilder also zu keinem Zeitpunkt in der Cloud des Anbieters landen.
Ganz ohne Einschränkungen funktioniert das Ganze allerdings nicht: Vor der Offline-Nutzung ist weiterhin eine einmalige Aktivierung des Rahmens über die App erforderlich. Dabei erzeugt der Rahmen einen individuellen Schlüssel, mit dem die vorbereiteten Bilddateien entschlüsselt werden können. Wenn man diese dann gesichert hat, kann der Rahmen wieder auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden und offline betrieben werden.
Ich konnte an dem Beta-Test teilnehmen und kann bestätigen: Läuft.
Durch die MicroSD-Karte (übrigens im Lieferumfang enthalten) ist man bei der Anzahl der Bilder auch nicht großartig beschränkt und die Intervall-Dauer für die Diashow lässt sich über das Windows-Tool ebenfalls einstellen. Wenn man jetzt noch eine Variante für macOS veröffentlicht, bin ich komplett zufrieden.
Was mir gut gefällt
- Der InkJoy Frame macht an mehreren Stellen einen durchdachten Eindruck und wurde nicht eilig zusammengeschustert.
- Dazu gehört auch die Dokumentation. Das öffentliche Wiki beantwortet erstaunlich viele Fragen. Firmware-Updates, Einrichtung, Fehlerbehebung oder auch der Offline Mode werden ausführlich beschrieben.
- Ebenfalls positiv fällt auf, dass InkJoy vergleichsweise offen mit Nutzerfeedback umgeht (Stichwort Offline-Modus). Man merkt, dass auch softwareseitig eine aktive Weiterentwicklung erfolgt.
- Auch die ISFR-Bildaufbereitung hinterlässt einen guten Eindruck. Natürlich sollte man keine Wunder erwarten. Spectra 6 bleibt Spectra 6 und ist bei Farben weiterhin durch die Displaytechnik begrenzt. Trotzdem wirken viele Bilder angenehm ausgewogen und vermeiden die teilweise recht groben Dithering-Artefakte, die man von anderen Lösungen kennt.
- Hinzu kommt die Akkulaufzeit. Da Energie praktisch nur beim Bildwechsel benötigt wird, kann der Rahmen – abhängig vom Wechselintervall – über Wochen oder sogar Monate (vielleicht Jahre?) betrieben werden. Das kennt man zwar bereits von anderen E-Ink-Bilderrahmen, im Alltag bleibt es aber einer der größten Vorteile gegenüber klassischen digitalen Bilderrahmen.
Was mir nicht so gut gefällt
- Die erste Einrichtung setzt Internet und ein Benutzerkonto voraus. Zwar lässt sich der Rahmen anschließend im Offline Mode betreiben, vollständig unabhängig von einer Online-Aktivierung ist das System derzeit aber noch nicht. Für manche Nutzer dürfte genau das ein entscheidender Punkt sein.
- Der Akku ist fest verbaut. Durch den Offline-Modus kann der InkJoy Frame praktisch unendlich lang komplett ohne irgendwelche Cloud-Lösungen betrieben werden. Wie der Akku in 10-15 Jahren aussieht, wird aber zum heutigen Zeitpunkt niemand sagen können. Hier wäre es schön, wenn man diesen bei Bedarf irgendwie einfach tauschen könnte oder man wie Paperlesspaper einfach auf AA- oder AAA-Batterien setzen würde.
Fazit
Der InkJoy Frame gehört zu den interessantesten E-Ink-Bilderrahmen der letzten Monate. Weil das Gesamtpaket einfach stimmig wirkt und die Bildaufbereitung einen Tick besser ist als bei der Konkurrenz. Der Offlinemodus mit MicroSD-Karte ist aktuell ebenfalls ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal.
Am Ende bleibt der Preis auch hier wieder die größte Hürde. Mit 340 USD auf Kickstarter für die 13-Zoll-Variante liegt der InkJoy Frame im durchaus üblichen Rahmen für E-Ink-Bilderrahmen. Die Panels sind halt einfach teuer. Aber das betrifft alle E-Ink-Bilderrahmen.
Auf der Hersteller-Webseite präsentiert man auch noch andere Modelle – von klein bis groß. Weitere Infos findet man aber vor allem im oben verlinkten Wiki bzw. auf Kickstarter.















