Die Deutschen verschicken immer weniger Briefe. Für die verbliebenen Kunden wird es deshalb ab Januar 2027 vermutlich erneut teurer. Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post eine durchschnittliche Portoerhöhung von 20,35 Prozent erlauben. Ein Standardbrief könnte damit künftig 1,15 Euro kosten. Noch vor 15 Jahren waren dafür gerade einmal 55 Cent fällig. Das Briefgeschäft verliert seit Jahren an Bedeutung, die Preise kennen dagegen nur eine Richtung. Der am Montag veröffentlichte Entwurf sieht den bislang größten genehmigten Preisaufschlag vor. Derzeit kostet ein Standardbrief 95 Cent. Rechnerisch wären bei vollständiger Ausschöpfung des Spielraums künftig rund 1,14 Euro möglich. Die endgültigen Preise legt die Deutsche Post selbst fest, nachdem die Bundesnetzagentur den zulässigen Rahmen beschlossen hat.

Ein schrumpfendes Geschäft wird immer teurer
2005 wurden in Deutschland noch 16,9 Milliarden Briefe verschickt. Zwanzig Jahre später waren es nicht einmal mehr 9,4 Milliarden. Rund 44 Prozent des damaligen Versandvolumens sind verschwunden. Die Entwicklung überrascht kaum. Rechnungen landen im E-Mail-Postfach, Verträge werden digital unterschrieben und selbst Behörden entdecken zunehmend die elektronische Kommunikation. Nur die Briefpost hält an einer Infrastruktur fest, deren Kosten sich auf immer weniger Sendungen verteilen. Für Filialen, Briefkästen, Sortieranlagen und Zustellpersonal fallen natürlich weiterhin Kosten an. Für Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller ist genau das der Grund für den vorgesehenen Preisaufschlag. Die Digitalisierung lasse die Briefmengen sinken, während die Zustellkosten bestehen bleiben. Der Regulierer habe der Post dabei sogar weniger zugestanden, als diese ursprünglich gefordert hatte. Die Rechnung geht allerdings zulasten derjenigen, die weiterhin Briefe verschicken. Sie sollen ein System finanzieren, dessen wirtschaftliche Grundlage seit Jahren wegbricht. Und mit jeder Portoerhöhung wird der klassische Brief gegenüber digitalen Alternativen noch unattraktiver.
Die eigentliche Frage wird kaum gestellt
Dass die Briefpost nicht vollständig verschwinden kann, steht außer Frage. Bestimmte amtliche Dokumente, rechtlich relevante Zustellungen und die Kommunikation mit Menschen ohne digitalen Zugang erfordern weiterhin einen vermeintlich verlässlichen Postdienst. Aber rechtfertigt das auch auf Dauer den bisherigen Umfang der Zustellinfrastruktur? Während in anderen Bereichen längst über digitale Prozesse, Automatisierung und geringere Verwaltungskosten gesprochen wird, besteht die Antwort beim Briefgeschäft vor allem aus höheren Preisen. Dabei wäre gerade der massive Rückgang der Sendungsmengen ein Anlass, die postalische Grundversorgung grundsätzlicher zu überprüfen.
Ein Brief ist heute für viele Menschen kein alltägliches Kommunikationsmittel mehr, sondern eine Ausnahme. Die Preisgestaltung orientiert sich allerdings weiterhin an den Kosten eines Systems, das aus einer Zeit stammt, in der Millionen Rechnungen, Kontoauszüge und Mitteilungen selbstverständlich auf Papier verschickt wurden. Die Deutsche Post kennt das Problem selbst. Der Konzern warnt davor, dass zu starke Preiserhöhungen noch mehr Kunden vertreiben könnten. Trotzdem soll das Porto nun so kräftig steigen wie nie zuvor.
Auch Pakete könnten deutlich teurer werden
Auch beim Paketversand werden die Kunden vermutlich stärker belastet. Die Bundesnetzagentur sieht hier einen durchschnittlichen Erhöhungsspielraum von 10,72 Prozent vor. Für Geschäftskundenbriefe gelten dieselben 20,35 Prozent wie für Privatkunden. Die Post verweist auf gestiegene Kosten für Personal, Energie und Materialien. Das ist angesichts der allgemeinen Kostenentwicklung nicht von der Hand zu weisen. Allerdings unterscheidet sich der Paketmarkt vom Briefgeschäft: Hier gibt es mehrere große Wettbewerber, und der Onlinehandel sorgt weiterhin für eine erhebliche Nachfrage. Ob die Deutsche Post den möglichen Preisspielraum vollständig ausschöpft, bleibt abzuwarten. Der Konzern kündigte bereits an, bei der Preisgestaltung auch die Belastung der Kunden berücksichtigen zu wollen.
Von 55 Cent auf möglicherweise 1,15 Euro
2012 kostete ein Standardbrief 55 Cent. Sollte die Post ab Januar 2027 tatsächlich 1,15 Euro verlangen, wäre das ein Anstieg um gut 109 Prozent innerhalb von 15 Jahren. Im selben Zeitraum hat sich der Brief als alltägliches Kommunikationsmittel immer weiter verabschiedet. Noch ist die Erhöhung nicht beschlossen. Unternehmen und Verbände können zunächst Stellung nehmen, anschließend entscheidet die Bundesnetzagentur über den endgültigen Spielraum. Die konkreten Tarife der Deutschen Post müssen ebenfalls genehmigt werden und sollen dann für zwei Jahre gelten. Am Ende bleibt eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Digitalisierung hat einen großen Teil des klassischen Briefverkehrs längst überflüssig gemacht. Anstatt die Infrastruktur an den sinkenden Bedarf anzupassen und Kosten zu senken, verlangt die Post von den verbliebenen Kunden immer mehr Geld.
Wäre nice, wenn einfach alle mehr Lohn bekämen. Oder ist dieses komische Inflation dadurch befeuert?
Stellt euch vor ihr würdet in einem Land leben, dass nicht bei der Digitalisierung komplett abgehängt wäre und euch würde so eine Ansage nicht mal ansatzweise betreffen …