Mammotion LUBA 3 AWD im Test: Mit LiDAR, Kameras und Allrad durch den Garten

Mähroboter ohne Begrenzungskabel sind längst keine Besonderheit mehr. Statt eines Drahtes im Boden setzen aktuelle Modelle auf RTK, Kameras oder LiDAR, um sich auf dem Grundstück zurechtzufinden. Beim LUBA 3 AWD geht Mammotion einen Schritt weiter und kombiniert gleich mehrere dieser Technologien. Dazu kommen Allradantrieb, ein ungewöhnlich massives Fahrwerk und eine Ausstattung, die deutlich macht, dass der LUBA nicht nur für den kleinen, rechteckigen Vorgarten gedacht ist. Ich konnte den Mammotion LUBA 3 AWD über einen längeren Zeitraum im Alltag ausprobieren. Dabei musste er sich nicht auf einer perfekt ebenen Testfläche beweisen, sondern auf einem Grundstück mit unregelmäßigen Grenzen, Bäumen, Hindernissen und entsprechend wenig idealen Bedingungen. Und nach einigen Einsätzen sieht man ihm das durchaus an. Ein Mähroboter darf nach getaner Arbeit schließlich auch dreckig sein.

Feierabend für den LUBA 3 AWD: Nach dem Mähen fährt der Mähroboter selbstständig zurück in seine geschützte Ladestation. Foto: Deskmodder

Ein ziemlich massiver Mähroboter

Bereits beim Auspacken fällt auf, dass der LUBA 3 AWD eine andere Geräteklasse bedient als viele kompakte Mähroboter. Das Gehäuse ist breit, das Fahrwerk massiv und insbesondere die vier angetriebenen Räder bestimmen das Erscheinungsbild. Vorne verwendet Mammotion zwei omnidirektionale Räder. Statt eines klassischen lenkbaren Rades bestehen diese aus mehreren quer angeordneten Rollen. Dadurch kann der LUBA seine Fahrtrichtung verändern, ohne das Vorderrad über den Boden schieben zu müssen. Gerade bei häufigen Wendemanövern reduziert das die Belastung der Grasnarbe. Auf der Oberseite sitzt das auffällige Sensorpaket mit 360-Grad-LiDAR und Kameras. Hinzu kommen weitere Sensoren sowie der große rote Stopptaster. Die Verarbeitung hinterließ während meines Tests einen guten Eindruck. Trotz Staub, Grasresten und verschiedener kleinerer Kontakte mit der Umgebung zeigte sich das Gehäuse unbeeindruckt. Unter dem Roboter arbeiten zwei Mähteller mit insgesamt zwölf frei beweglichen Klingen. Die Schnittbreite beträgt 40 Zentimeter. Je nach Variante beziehungsweise Markt lässt sich die Schnitthöhe elektrisch einstellen. Mammotion kombiniert das mit einer automatischen Anpassung der Drehzahl an die Belastung. Wird das Gras dichter, kann das System entsprechend reagieren.

Allradantrieb ist hier mehr als Marketing

AWD steht beim LUBA nicht nur auf dem Gehäuse. Alle vier Räder werden aktiv angetrieben. Das macht sich vor allem dort bemerkbar, wo klassische Mähroboter schnell an ihre Grenzen kommen. Unebenheiten, kleinere Kanten oder schlechter Untergrund brachten den LUBA während meines Tests kaum aus der Ruhe. Gerade beim Übergang zwischen unterschiedlichen Untergründen spielt das Fahrwerk seine Stärke aus. Mammotion gibt eine maximale Steigung von bis zu 80 Prozent beziehungsweise rund 38,6 Grad an.

Der LUBA 3 AWD im Praxiseinsatz: Auch trockene und lückenhafte Rasenflächen gehören im Test zum Arbeitsbereich. Foto: Deskmodder

Solche Extremwerte konnte ich auf dem genutzten Grundstück nicht sinnvoll ausreizen, die vorhandenen Steigungen waren für den LUBA allerdings kein Problem. Das hohe Gewicht und der Allradantrieb haben dabei einen weiteren Effekt: Der Roboter wirkt während der Fahrt ausgesprochen souverän. Statt bei kleineren Unebenheiten sofort die Traktion zu verlieren oder sich festzufahren, arbeitet sich der LUBA weiter vor. Ganz ohne Grenzen ist das Konzept natürlich nicht. Auch ein Allrad-Mähroboter kann sich an ungünstig geformten Hindernissen festsetzen. Die Kombination aus Fahrwerk und Sensorik reduziert dieses Risiko aber erheblich.

LiDAR, Kameras und NetRTK arbeiten zusammen

Der technisch interessanteste Teil des LUBA 3 AWD ist seine Navigation. Mammotion kombiniert 360-Grad-LiDAR, Kameras mit KI-gestützter Objekterkennung und bei den entsprechend ausgestatteten Varianten NetRTK über Mobilfunk. Die Systeme sollen sich gegenseitig ergänzen. Das ist vor allem deshalb relevant, weil reine RTK-Systeme ihre Schwächen dort zeigen können, wo die Sicht zum Himmel eingeschränkt ist. Bäume, Gebäude oder andere Abschattungen sind typische Problemfälle. LiDAR benötigt dagegen keine freie Sicht auf Satelliten, sondern vermisst die Umgebung unmittelbar. Im praktischen Betrieb funktioniert diese Kombination überzeugend. Der LUBA kennt seine Position sehr genau und fährt die Fläche systematisch ab. Auch in Bereichen, in denen Bäume oder andere Strukturen die Umgebung deutlich komplexer machen, hatte ich keine auffälligen Navigationsprobleme. Die Kameras und der LiDAR dienen gleichzeitig der Hinderniserkennung. Der Roboter reagiert damit nicht nur auf zuvor in der Karte definierte Sperrzonen, sondern auch auf Objekte, die während des Mähens auftauchen. Mammotion spricht von der Erkennung zahlreicher unterschiedlicher Hindernistypen. Wichtiger als die Zahl auf dem Datenblatt war für mich allerdings das Verhalten in der Praxis: Der LUBA erkennt Hindernisse frühzeitig, reduziert gegebenenfalls seine Geschwindigkeit und plant seinen Weg darum herum neu.

Einrichtung ohne Begrenzungskabel

Einer der größten Vorteile moderner Mähroboter bleibt die Einrichtung. Ein Begrenzungskabel muss beim LUBA 3 AWD nicht verlegt werden. Nach dem Aufbau der Ladestation wird der Roboter mit der Mammotion-App verbunden und anschließend die Mähfläche angelegt. Die Grenzen können dabei virtuell definiert werden. Besonders bei verwinkelten Grundstücken ist die manuelle Kartierung sinnvoll, weil sich der Roboter wie ein ferngesteuertes Fahrzeug exakt entlang der gewünschten Grenze bewegen lässt. Danach existiert die komplette Arbeitsfläche digital in der App. Bereiche können getrennt, miteinander verbunden oder als Sperrzonen definiert werden. Änderungen am Garten erfordern damit nicht, dass irgendwo ein Draht ausgegraben und neu verlegt wird. Gerade diese Flexibilität gehört für mich zu den größten Vorteilen des Systems. Ein Beet kommt hinzu? Eine bestimmte Stelle soll vorübergehend nicht gemäht werden? Die entsprechende Zone wird in der Karte angepasst und die Sache ist erledigt. Auch mehrere getrennte Mähbereiche lassen sich verwalten. Über virtuelle Verbindungswege kann der LUBA selbstständig zwischen ihnen wechseln.

Die Mammotion-App bietet sehr viele Einstellungen

Die App ist entsprechend ein zentraler Bestandteil des Gesamtsystems. Dort werden nicht nur Karten und Zonen verwaltet, sondern praktisch alle relevanten Parameter eines Mähauftrags festgelegt. Dazu gehören unter anderem Schnitthöhe, Fahrgeschwindigkeit, Abstand der Mähbahnen, Fahrtrichtung und Mähmuster. Auch Randfahrten und die Intensität der Hindernisvermeidung lassen sich konfigurieren. Die Menge an Optionen kann am Anfang etwas erschlagen. Hat man die eigene Fläche einmal eingerichtet, muss man sich damit aber nicht ständig beschäftigen.

Während eines laufenden Auftrags zeigt die App den Fortschritt direkt auf der Karte. Zusätzlich werden bereits gemähte Fläche, verbleibende Zeit und Akkustand angezeigt. In meinem Test ließ sich dadurch gut nachvollziehen, wo sich der LUBA gerade befindet und welche Bereiche noch vor ihm liegen. Nach Abschluss beziehungsweise manuellem Beenden eines Auftrags liefert Mammotion zudem eine Statistik. Bei einem meiner kürzeren Testläufe hatte der LUBA beispielsweise innerhalb von 13 Minuten 37 Quadratmeter bearbeitet. Die App bezifferte den Energieverbrauch dabei auf lediglich 0,023 kWh. Solche Einzelwerte sind natürlich stark von Geschwindigkeit, Gelände und Einstellungen abhängig, zeigen aber gut, wie wenig elektrische Energie für einen einzelnen Mäheinsatz benötigt wird.

Mähen nach System statt Zufallsprinzip

Beim eigentlichen Mähen fährt der LUBA die Fläche nicht chaotisch ab. Nach der Randbearbeitung arbeitet er die Fläche in geordneten Bahnen ab. Über die App kann festgelegt werden, in welchem Winkel diese verlaufen sollen. Auch Kreuz- beziehungsweise Schachbrettmuster sind möglich. Das Ergebnis wirkt entsprechend gleichmäßig. Gleichzeitig kann durch wechselnde Fahrtrichtungen verhindert werden, dass der Roboter dauerhaft dieselben Spuren in den Rasen fährt. Die 40 Zentimeter breite Mäheinheit macht sich insbesondere auf größeren Flächen bemerkbar. Zwei Mähteller decken deutlich mehr Fläche ab als die kompakteren Einzelmesser-Systeme vieler kleiner Mähroboter. Das Schnittbild konnte während des Tests überzeugen. Wichtig ist dabei allerdings die typische Arbeitsweise eines Mähroboters: Der LUBA ist kein Ersatz für einen klassischen Rasenmäher, mit dem alle zwei Wochen zehn Zentimeter Gras auf einmal entfernt werden. Seine Stärke liegt darin, regelmäßig kleine Mengen abzuschneiden und das Schnittgut als Mulch auf der Fläche zu belassen.

Hindernisse werden nicht einfach nur ignoriert

Bei der Hindernisvermeidung zeigt sich der Vorteil der umfangreichen Sensorik besonders deutlich. Der LUBA muss nicht jedes Objekt bereits aus seiner gespeicherten Karte kennen. Erkennt er während der Fahrt ein Hindernis, versucht er dieses zu umfahren und setzt seine Arbeit anschließend fort. Gleichzeitig lässt sich in der App festlegen, wie empfindlich die Hinderniserkennung reagieren soll. Das ist wichtig, weil maximale Vorsicht nicht automatisch das beste Mähergebnis liefert. Erkennt ein Roboter jeden kleinen Grasbüschel als unüberwindbares Hindernis, bleiben entsprechend viele Stellen unbearbeitet. Für bekannte problematische Bereiche stehen ohnehin virtuelle Sperrzonen zur Verfügung. Teiche, Beete oder andere Flächen, auf denen der Roboter definitiv nichts verloren hat, würde ich grundsätzlich darüber absichern und mich nicht ausschließlich auf die automatische Objekterkennung verlassen. Interessant sind zudem Bereiche, in denen die Hinderniserkennung gezielt deaktiviert werden kann. Das kann etwa bei Rampen oder speziellen Übergängen sinnvoll sein, die von der Sensorik ansonsten als Hindernis interpretiert würden. Genau solche Funktionen zeigen, dass Mammotion die Software nicht ausschließlich für den idealen rechteckigen Rasen entwickelt hat. Auch ein anderer ausführlicher Praxistest beschreibt Rampen und schwierige Übergänge als Einsatzgebiet dieser Funktion.

Bei schlechtem Empfang spielt LiDAR seine Stärke aus

Besonders interessant war für mich das Verhalten in Bereichen, in denen eine rein satellitengestützte Navigation schwieriger wird. Genau hier macht die Kombination der verschiedenen Positionierungssysteme Sinn. Der LUBA muss sich nicht ausschließlich auf RTK verlassen. Kann ein System zeitweise weniger Informationen liefern, stehen weiterhin LiDAR und Kameras zur Verfügung. Das bedeutet nicht, dass der Roboter unter allen denkbaren Bedingungen unfehlbar navigiert. In meinem Test gab es allerdings keinen Punkt, an dem er aufgrund schwierigerer Umgebung plötzlich orientierungslos über die Fläche fuhr. Gerade bei Grundstücken mit Bäumen dürfte das ein wesentliches Argument gegenüber einfacheren RTK-Modellen sein. Dasselbe Verhalten wurde auch in einem weiteren Test unter dichterem Baumbestand beobachtet.

Der LUBA muss nicht sauber bleiben

Nach mehreren Einsätzen sieht ein weißer Mähroboter naturgemäß nicht mehr aus wie auf den Produktbildern. Staub legt sich auf das Gehäuse, Gras sammelt sich rund um Fahrwerk und Mäheinheit und auch die Räder bekommen ihren Anteil ab. Genau so sollte ein Testgerät nach echter Nutzung allerdings aussehen. Der LUBA war bei mir kein Fotomodell, sondern Arbeitsgerät. Die großen Räder und insbesondere die Rollen der vorderen Omni-Räder nehmen entsprechend Schmutz auf.

Wie Kinder darf auch der LUBA nach dem „spielen“ dreckig nach Hause kommen. Foto: Deskmodder

Vor allem die Sensorik sollte man im Blick behalten. Kameras und LiDAR funktionieren schließlich nur zuverlässig, wenn ihre Sicht nicht durch eine dicke Schmutzschicht beeinträchtigt wird. Eine gelegentliche Reinigung gehört daher zum Betrieb dazu.

Ein Mähroboter für die schwierigeren Fälle

Der Mammotion LUBA 3 AWD gehört nicht zu den Geräten, die man für 100 Quadratmeter ebenen Rasen zwingend benötigt. Seine Stärken liegen an anderer Stelle. Große oder aufgeteilte Flächen, Steigungen, schwieriger Untergrund, Bäume und komplexe Grenzen sind genau die Bedingungen, unter denen das Konzept interessant wird. Besonders überzeugend ist dabei weniger eine einzelne Funktion als das Zusammenspiel. Allradantrieb allein löst keine Navigationsprobleme. LiDAR allein sorgt nicht dafür, dass ein Roboter eine Steigung bewältigt. RTK allein hilft wenig, wenn der Empfang schwierig wird. Beim LUBA 3 AWD greifen diese Systeme ineinander.

Zurück an der Basis: Nach getaner Arbeit fährt der LUBA 3 AWD selbstständig auf seine Ladestation. Foto: Deskmodder

Auch die Software gehört inzwischen klar zum Gesamtpaket. Virtuelle Grenzen, Sperrzonen, unterschiedliche Mähmuster, mehrere Arbeitsbereiche und detaillierte Einstellungen machen den Roboter erheblich flexibler als klassische Modelle mit Begrenzungsdraht. Perfekt ist das System trotzdem nicht. Die vielen Möglichkeiten der App erfordern zunächst etwas Einarbeitung, und bei einem Gerät dieser technischen Komplexität bleibt die Software ein entscheidender Faktor. Mammotion hat in der Vergangenheit Funktionen über App- und Firmware-Updates ergänzt beziehungsweise verändert. Ein weiterer Praxistest nennt beispielsweise Einschränkungen beim Fortsetzen abgebrochener Aufgaben als softwareseitigen Kritikpunkt.

Nach meinem Test bleibt vor allem der Eindruck eines ausgesprochen leistungsfähigen Mähroboters, der sich auch von weniger idealen Bedingungen nicht schnell aus der Ruhe bringen lässt. Mit aktuell 2.399,00 Euro bei Amazon ist die von uns getestete Variante allerdings auch eine entsprechend große Investition. Dafür bekommt man einen technisch umfangreich ausgestatteten Mähroboter, dessen Allradantrieb, Navigation und Hinderniserkennung gerade auf größeren oder anspruchsvolleren Grundstücken ihre Stärken ausspielen können. Und dass das weiße Gehäuse danach nicht mehr ganz so weiß aussieht wie beim Auspacken, dürfte der beste Beweis dafür sein, dass der LUBA seine Zeit bei mir tatsächlich auf dem Rasen und nicht nur vor der Kamera verbracht hat.

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