Creality greift beim Mehrfarbdruck eines der größten Ärgernisse klassischer Systeme an: lange Farbwechsel und unnötig viel Filament im Abfall. Mit dem SPARKX i8 bringt der Hersteller nun einen 3D-Drucker auf Indiegogo, der vier Filamente direkt im Toolhead vorhält und dadurch Farbwechsel in weniger als einer Sekunde ermöglichen soll. Ganz neu ist das Gerät nicht. Besucher der IFA 2026 konnten den SPARKX i8 bereits am Creality-Stand in Augenschein nehmen. Jetzt beginnt die eigentliche Vermarktung. Der Early-Bird-Preis liegt bei 309 US-Dollar, später sollen 399 US-Dollar fällig werden. Der technische Kern hört auf den Namen QuarTeks. Dahinter steckt ein Vierkanal-System mit gemeinsamem Materialweg kurz vor der Düse. Creality verspricht damit nicht nur schnelle Wechsel, sondern unter passenden Bedingungen auch 0 Gramm externen Purge-Abfall und den Verzicht auf klassische Prime Towers.
Vier Filamente sitzen direkt im Toolhead
Während viele Mehrfarbsysteme Filamente über längere Wege aus externen Boxen einziehen und beim Wechsel wieder zurückfördern müssen, geht Creality einen anderen Weg. Beim SPARKX i8 laufen vier separate Filamentkanäle direkt im Druckkopf zusammen. Entscheidend ist dabei der gemeinsame Abschnitt unmittelbar vor der Düse. Creality gibt dessen Länge mit weniger als einem Millimeter an, das Volumen soll bei etwa 2 mm³ liegen. Dadurch bleibt nur eine sehr kleine Menge Material übrig, die bei einem Farbwechsel verdrängt werden muss. Genau an dieser Stelle entstehen bei anderen Systemen oft lange Wechselzeiten. Filament wird zurückgezogen, neues Material nachgeführt und anschließend so lange gespült, bis die vorherige Farbe vollständig aus dem Hotend verschwunden ist. Der i8 verkürzt diesen Vorgang erheblich.
Creality spricht von Farbwechseln in weniger als einer Sekunde. In einem eigenen Labortest mit einem vierfarbigen Testmodell und insgesamt 3.000 Farbwechseln soll der Druck rund 18 Stunden gedauert haben. Gegenüber einem extern gespeisten Vergleichssystem nennt der Hersteller eine bis zu 500 Prozent höhere Geschwindigkeit. Solche Werte sollte man zunächst als Herstellerangabe verstehen. Spannend wird später weniger der einzelne Farbwechsel als die Frage, wie stabil das System bei tausenden Wechseln, unterschiedlichen Materialien und längeren Druckjobs arbeitet.
Purge-Abfall soll weitgehend im Modell verschwinden
Beim Materialverbrauch liegt der größere Reiz des Konzepts. Mehrfarbdruck kann erstaunlich verschwenderisch sein. Je nach System, Modell und Zahl der Farbwechsel landet nicht selten ein erheblicher Teil des eingesetzten Filaments als Purge-Material neben dem eigentlichen Bauteil. Durch den kurzen gemeinsamen Materialweg soll beim SPARKX i8 nur noch sehr wenig altes Filament aus der Düse entfernt werden müssen. Dieses Übergangsmaterial kann der Slicer unter passenden Bedingungen in den Infill oder in innere Wandbereiche des Modells verschieben.
Creality bewirbt das mit 0 Gramm externem Purge-Abfall. Die Formulierung ist bewusst eng gewählt. Komplett ohne zusätzliches Material kommt auch der i8 nicht aus. Zu Beginn des Drucks wird weiterhin eine kleine Menge Filament ausgespült. Während des eigentlichen Druckvorgangs soll aber kein separater Purge-Haufen mehr entstehen müssen. Das könnte gerade bei Modellen mit sehr vielen Farbwechseln einen deutlichen Unterschied machen. Dort wächst der Materialverbrauch klassischer Systeme schnell über das eigentliche Modellgewicht hinaus.
Auch der Prime Tower soll entfallen
Aus demselben Grund verzichtet Creality beim i8 auf einen klassischen Prime Tower. Solche Türme dienen normalerweise dazu, nach einem Materialwechsel wieder einen stabilen Materialfluss herzustellen und die Düse für die nächste Farbe vorzubereiten. Beim SPARKX i8 werden diese Vorgänge stattdessen in Bereiche des eigentlichen Druckobjekts verlagert. Der Drucker spart damit nicht nur Material, sondern auch Zeit und Fläche auf dem Druckbett.
Eine sogenannte Clean Wall soll verhindern, dass sich Übergangsfarben aus dem Inneren später auf sichtbaren Außenflächen bemerkbar machen. Wie gut das funktioniert, dürfte stark vom Modell abhängen. Bei größeren Objekten mit ausreichend Infill ist genügend Raum vorhanden, um Übergangsmaterial unterzubringen. Bei dünnwandigen oder kleinen Bauteilen hat der Slicer wesentlich weniger Spielraum. Gerade dort wird sich zeigen müssen, wie universell das Konzept tatsächlich funktioniert.
CMYK-Druck ist keine klassische Farbmischung
Creality spricht beim SPARKX i8 außerdem von CMYK-Vollfarbdruck. Das klingt zunächst nach einer deutlich weitergehenden Technik, als tatsächlich dahintersteckt. Der i8 mischt die vier Filamente nicht beliebig innerhalb der Düse zu einer exakt definierten Farbe. Stattdessen entstehen zusätzliche Farbtöne durch den schichtweisen Aufbau verschiedener Grundfarben, unterschiedliche Schichtdicken und verschiedene Reihenfolgen. Mit vier Filamenten sollen sich laut Creality 16 oder sogar 32 Farbkombinationen innerhalb eines Drucks erzeugen lassen.
Dazu gehören Zwischenfarben, Helligkeitsvariationen und Verläufe. Für dekorative Modelle kann das durchaus interessant sein. Eine präzise Farbreproduktion wie bei einem klassischen CMYK-Druckverfahren sollte man davon aber nicht erwarten. Creality weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass die Technik nicht für exaktes Color Matching gedacht ist.
13 Sensoren sitzen direkt im Druckkopf
Auch bei der Überwachung des Materialsystems betreibt Creality einigen Aufwand. Im Druckkopf sitzen insgesamt 13 Sensoren, die unter anderem die vier Filamentkanäle und den Wechselmechanismus überwachen. Zusätzlich kommt eine Kamera mit KI-gestützter Fehlererkennung zum Einsatz. Erkannt werden sollen unter anderem leere Filamentrollen, fehlendes Material und sogenanntes Air Printing, bei dem der Drucker seine Bewegungen fortsetzt, obwohl kein Filament mehr aus der Düse kommt.
Praktischer ist eine zweite Funktion: Werden mehrere Rollen desselben Materials geladen, kann der i8 nach dem Ende einer Spule automatisch auf die nächste wechseln. Bei großen oder langen Druckjobs lässt sich der vorhandene Filamentvorrat damit deutlich besser ausnutzen.
Creality startet erneut über Crowdfunding
Der SPARKX i8 wird zunächst über Indiegogo verkauft. Zum Kampagnenstart liegt der Preis bei 309 US-Dollar, womit Creality 23 Prozent unter der später vorgesehenen unverbindlichen Preisempfehlung von 399 US-Dollar bleibt. Für die ersten 1.000 Unterstützer innerhalb der ersten 24 Stunden kündigt Creality außerdem eine Erstattung von Versandkosten und Steuern bis zu einer Höhe von 50 US-Dollar an. Das Angebot gilt für jeweils ein Gerät pro Unterstützer. Die Produktion beziehungsweise der Versand ab Werk soll im Oktober beginnen. Erste Auslieferungen werden für November erwartet. Creality weist allerdings selbst darauf hin, dass Region, Transportweg und das starke Logistikaufkommen im vierten Quartal Einfluss auf den tatsächlichen Liefertermin haben können.




