Auf der IFA 2026 in Berlin hatte GMKtec mit dem EVO-X5 Pro sein bislang ambitioniertestes Desktop-System vorgestellt. Wir waren bei der Pressekonferenz des Herstellers vor Ort und hatten uns die neue AI-Workstation bereits ausführlicher angesehen. Damals war für die weltweite Markteinführung noch der Oktober vorgesehen. Nun geht es etwas schneller: GMKtec hat den offiziellen Launch des EVO-X5 Pro für den 28. September 2026 angekündigt. Gleichzeitig ist die Pre-Launch-Seite online gegangen. Mit dem EVO-X5 Pro will GMKtec endgültig über den klassischen Mini-PC hinaus. Im Mittelpunkt stehen AMDs Ryzen AI Max+ PRO 495, die integrierte Radeon 8065S und vor allem bis zu 192 GB Unified Memory. Der Hersteller positioniert das System gezielt für lokale KI, große Sprachmodelle und sogenannte Agentic-AI-Workflows, bei denen möglichst wenig Rechenarbeit in die Cloud ausgelagert werden soll.
Ryzen AI Max+ PRO 495 mit Radeon 8065S
Technisch bleibt es bei der bereits auf der IFA 2026 vorgestellten Plattform. Im EVO-X5 Pro arbeitet AMDs Ryzen AI Max+ PRO 495 aus der Strix-Halo-Familie. Die CPU kombiniert 16 Zen-5-Kerne und 32 Threads und erreicht einen maximalen Boost-Takt von bis zu 5,2 GHz. Hinzu kommt die integrierte Radeon 8065S auf Basis von RDNA 3.5 mit 40 Compute Units. Als dritte Recheneinheit ist AMDs XDNA-2-NPU integriert, die bis zu 55 TOPS erreichen soll. GMKtec stellt dabei bewusst das Zusammenspiel aus CPU, GPU und NPU in den Vordergrund.
Je nach Anwendung können unterschiedliche Bestandteile eines lokalen KI-Workloads auf die dafür geeignete Recheneinheit verteilt werden. Der eigentliche Schlüssel für die von GMKtec anvisierten Anwendungen ist allerdings weniger die NPU als die Speicherarchitektur von Strix Halo.
Bis zu 192 GB Unified Memory – 160 GB davon für die GPU
Der EVO-X5 Pro soll mit bis zu 192 GB LPDDR5X-8533 erhältlich sein. Die Speicherbandbreite gibt GMKtec mit 128 GB/s an. CPU und GPU greifen dabei auf einen gemeinsamen Speicherpool zu. Von den maximal 192 GB sollen sich bis zu 160 GB dynamisch der integrierten Radeon 8065S als Grafikspeicher zur Verfügung stellen lassen. Gerade für lokale KI-Anwendungen ist das interessant. Bei klassischen Desktop-Systemen mit dedizierter Grafikkarte ist nicht zwangsläufig die Rechenleistung die erste Grenze. Große Modelle müssen zunächst in den verfügbaren VRAM passen.

Selbst leistungsfähige Consumer-Grafikkarten können deshalb bei umfangreichen LLMs relativ schnell an ihre Speichergrenzen stoßen. Die Radeon 8065S ersetzt dadurch zwar keine High-End-GPU mit entsprechend höherer Rechenleistung. Der sehr große gemeinsam nutzbare Speicher ermöglicht allerdings Workloads, bei denen eine schnellere Grafikkarte mit deutlich weniger VRAM bereits am Speicherbedarf des Modells scheitern kann.
Bis zu 300 Milliarden Parameter lokal und offline
GMKtec wirbt weiterhin offensiv damit, auf dem EVO-X5 Pro Sprachmodelle mit bis zu 300 Milliarden Parametern lokal ausführen zu können. Voraussetzung sind nach Angaben des Herstellers ein entsprechendes Modell, die passende Software und Konfiguration.

Diese Einschränkung ist wichtig. Die Angabe „300B“ bedeutet nicht, dass sich jedes beliebige Modell mit 300 Milliarden Parametern uneingeschränkt und mit hoher Geschwindigkeit auf dem EVO-X5 Pro betreiben lässt. Der tatsächliche Speicherbedarf hängt unter anderem von Modellarchitektur, Quantisierung und Kontextlänge ab. Auch die Inferenzgeschwindigkeit kann sich je nach Modell und verwendetem Software-Stack erheblich unterscheiden.
Genau darauf hatten wir bereits nach der Präsentation in Berlin hingewiesen. Interessant bleibt die Größenordnung dennoch: Bis zu 192 GB Unified Memory und die Möglichkeit, davon bis zu 160 GB der GPU zur Verfügung zu stellen, sind für ein derart kompaktes Desktop-System ungewöhnlich. GMKtec hebt dabei insbesondere die vollständig lokale Verarbeitung hervor. Modelle können entsprechend ohne dauerhafte Verbindung zu einem Cloud-Dienst betrieben werden. Für Unternehmen und professionelle Anwender ist das nicht nur eine Frage der Unabhängigkeit, sondern kann auch beim Umgang mit vertraulichen Daten relevant sein.
GMKtec setzt auf den „Agentic PC“
Mit der Ankündigung des Marktstarts rückt GMKtec außerdem den Begriff „Agentic PC“ noch stärker in den Mittelpunkt. Gemeint sind Systeme, bei denen lokale KI nicht nur als klassischer Chatbot eingesetzt wird. KI-Agenten sollen Aufgaben analysieren, Werkzeuge verwenden und mehrstufige Abläufe zumindest teilweise selbstständig bearbeiten können. GMKtec nennt dafür unter anderem lokale LLM-Inferenz, private KI-Wissensdatenbanken, AI-gestützte Softwareentwicklung und professionelle Content-Workflows als Einsatzgebiete. Ein wesentlicher Teil dieser Anwendungen soll direkt auf dem EVO-X5 Pro laufen können, anstatt Daten und Berechnungen grundsätzlich an externe Cloud-Infrastruktur auszulagern. Damit versucht GMKtec zugleich, seine eigene Positionierung zu verändern. Das Unternehmen ist bislang vor allem für vergleichsweise kompakte Mini-PCs bekannt. Mit der EVO-Serie soll zunehmend ein Portfolio für leistungsfähige Desktop-KI entstehen.
Viermal USB4, 10-Gigabit-Ethernet und drei M.2-Steckplätze
Auch bei der übrigen Hardware ist der EVO-X5 Pro deutlich umfangreicher ausgestattet als ein typischer Mini-PC. Das System sitzt in einem CNC-gefertigten Metallgehäuse. Für die Kühlung setzt GMKtec auf eine Vapor Chamber in Verbindung mit drei Lüftern. Bei den Anschlüssen stehen unter anderem zweimal USB4 an der Vorderseite sowie zweimal USB4 V2 auf der Rückseite zur Verfügung. Hinzu kommen klassische USB-A-Anschlüsse.
Für schnelle Netzwerkverbindungen sind zwei 10-Gigabit-Ethernet-Ports vorgesehen. Beim Massenspeicher stehen drei M.2-Steckplätze zur Verfügung. Damit lässt sich der EVO-X5 Pro auch bei der lokalen Speicherkapazität deutlich umfangreicher ausbauen als viele kompakte Systeme. Eine externe GPU soll sich ebenfalls anbinden lassen. Darüber hinaus hatte GMKtec bereits auf der IFA die Möglichkeit gezeigt beziehungsweise angekündigt, mehrere EVO-X5-Pro-Systeme für größere Workloads zu einem Cluster zusammenzufassen.
Zum Gehäusekonzept gehören außerdem ein Fingerabdrucksensor und ein von GMKtec als „All-in-One Smart Function Key“ bezeichneter zusätzlicher Bedienelement.
PRO-Plattform richtet sich auch an Unternehmen
Mit dem Ryzen AI Max+ PRO 495 setzt GMKtec bewusst auf die professionelle Variante von AMDs Strix-Halo-Plattform. Dazu gehören unter anderem AMD DASH für das Out-of-Band-Management und ein diskretes TPM 2.0. GMKtec nennt außerdem Trusted Boot, vollständige Laufwerksverschlüsselung und biometrische Authentifizierung über den integrierten Fingerabdrucksensor.
Damit richtet sich das System nicht ausschließlich an Enthusiasten, die lokal mit großen Sprachmodellen experimentieren wollen. Gerade Unternehmen, Entwickler und andere professionelle Anwender sind eine zentrale Zielgruppe. Hier spielt die lokale Verarbeitung sensibler Daten eine größere Rolle: Interne Dokumente, Quellcode oder Wissensdatenbanken müssen bei einem vollständig lokalen Workflow nicht zwangsläufig an einen externen KI-Anbieter übertragen werden.
Direkter Angriff auf NVIDIA DGX Spark
Wie ernst GMKtec die neue Positionierung nimmt, zeigte bereits die Pressekonferenz auf der IFA. Dort verglich der Hersteller den EVO-X5 Pro direkt mit NVIDIAs DGX Spark. Nach eigenen Messungen soll der EVO-X5 Pro bei der CPU-Orchestrierung 66 Prozent schneller arbeiten. Zudem sprach GMKtec von 1,4-fach niedrigeren Kosten für lokale Workflows. Dabei handelt es sich allerdings um Herstellerangaben. Ohne unabhängige Messungen unter identischen Bedingungen lässt sich daraus noch keine allgemeingültige Überlegenheit gegenüber NVIDIAs Plattform ableiten. Gerade der Vergleich zeigt jedoch, in welchem Umfeld GMKtec das Gerät sieht. Der EVO-X5 Pro soll nicht einfach ein weiterer schneller Windows-Mini-PC sein, sondern eine vergleichsweise kompakte Plattform für lokale KI-Inferenz und professionelle AI-Workloads.
Ob diese Positionierung in der Praxis aufgeht, wird neben der Hardware vor allem vom Software-Support abhängen. Gerade bei lokalen KI-Anwendungen entscheiden Treiber, Frameworks und optimierte Backends erheblich darüber, wie viel der theoretisch verfügbaren Hardwareleistung tatsächlich genutzt werden kann.
Marktstart nach turbulentem Ende der IFA
Der jetzt angekündigte Marktstart folgt nur wenige Wochen nach einem ungewöhnlichen Ende der IFA für GMKtec. Nach Abschluss der Messe hatte der Hersteller mitgeteilt, dass sämtliche im Standlager eingeschlossenen Demo-Geräte gestohlen worden seien. Darunter befanden sich auch Systeme des EVO-X5 Pro. Der Vorfall sollte die weitere Einführung allerdings nicht ausbremsen. GMKtec hatte bereits unmittelbar danach erklärt, an seinen Plänen festzuhalten und die Einführung seiner neuen AI-Systeme weiter voranzutreiben. Dass der EVO-X5 Pro nun sogar bereits am 28. September und damit früher als während der IFA angekündigt starten soll, unterstreicht das zumindest. Ursprünglich hatte GMKtec gegenüber uns noch den Oktober 2026 für den weltweiten Marktstart genannt.
Pre-Launch-Seite ist online – Preis weiterhin offen
Die Pre-Launch-Seite für den EVO-X5 Pro ist inzwischen online. Interessenten können sich dort für weitere Informationen registrieren und sollen benachrichtigt werden, sobald der Verkauf am 28. September startet. Zusätzlich bewirbt GMKtec für Abonnenten ein exklusives „Early Bird Free Gift“. Worum es sich bei dieser Zugabe konkret handelt, nennt das Unternehmen bislang nicht. Eine wesentlich interessantere Information hält GMKtec ebenfalls noch zurück: den Preis. Schon während der IFA gab es dazu keine konkreten Angaben. Auch in der aktuellen Ankündigung nennt der Hersteller weder einen Einstiegspreis noch Preise für die verschiedenen Speicherkonfigurationen. Gerade die Variante mit 192 GB Unified Memory dürfte kaum im klassischen Preisbereich der bisherigen GMKtec-Mini-PCs landen. Entscheidend wird deshalb sein, wo das Unternehmen den EVO-X5 Pro zwischen anderen Strix-Halo-Systemen und deutlich stärker auf professionelle KI ausgerichteten Workstations positioniert. Am 28. September dürfte GMKtec diese letzte größere Lücke schließen. Dann wird sich auch zeigen, was der Hersteller für sein bisher deutlichstes Bekenntnis zum lokalen AI-PC tatsächlich verlangt.







Also eine Niere wird der wohl schon kosten…
Hätten wir normale Zeiten dann wäre der vielleicht bei 1500 bis 2000 gestartet und im laufe der Zeit deutlich darunter zu haben gewesen…
Auf das die große AI Bubble bald platzt und wir wieder halbwegs normale Preise bekommen werden…