Apple muss eine weitere iPhone-Funktion für Drittanbieter öffnen. Nach Angaben aus Apples Interoperabilitätsunterlagen soll Microsoft künftig Zugriff auf die iPhone-Zwischenablage bekommen. Damit könnten Inhalte, die auf dem iPhone kopiert wurden, nahtlos unter Windows eingefügt werden – und umgekehrt. Zwischen iPhone, iPad und Mac gibt es diese Funktion schon lange. Apple nennt sie „Universal Clipboard“. Wer etwa auf dem iPhone einen Text kopiert, kann ihn kurz darauf auf dem Mac einsetzen. Für Windows-PCs gibt es diese enge Integration bislang nicht.

DMA zwingt Apple zur Öffnung
Der Grund für die geplante Änderung liegt im Digital Markets Act. Apple muss in der Europäischen Union mehr Interoperabilität zwischen iPhone und Diensten anderer Anbieter ermöglichen. Microsoft hatte den Zugriff auf die Zwischenablage offenbar schon länger gefordert. Konkret geht es nicht nur um einmaliges Kopieren und Einfügen. Microsoft möchte laut den Unterlagen auch typische Produktivitätsabläufe zwischen iPhone und Windows ermöglichen, ohne dass Nutzer dafür jedes Mal eine bestimmte App öffnen müssen. Damit zielt die Forderung auf eine tiefere Systemintegration. Genau solche Funktionen hielt Apple bisher eng im eigenen Ökosystem.
Apple verweist auf Sicherheit
Für Apple ist die Zwischenablage ein sensibler Bereich. Dort landen nicht nur harmlose Texte, sondern auch Zugangscodes, Links, Adressen, Telefonnummern oder andere persönliche Inhalte. Deshalb verlangt iOS bei vielen Apps bereits heute eine Bestätigung, wenn Inhalte aus der Zwischenablage eingefügt werden sollen. Universal Clipboard zwischen Apple-Geräten arbeitet dagegen deutlich nahtloser im Hintergrund. Apple will den Zugriff für Drittanbieter deshalb offenbar über das AccessorySetupKit regeln. Nutzer sollen einmalig gefragt werden, ob sie die Freigabe der Zwischenablage erlauben. Danach könnte die Verbindung dauerhaft verfügbar sein.
Umsetzung frühestens 2027
Schnell kommt die Funktion aber nicht. Apple spricht von erheblichem Entwicklungsaufwand. Ein Projektplan soll bereits Ende Juni vorgelegt worden sein, die Freigabe ist aber nicht vor Herbst 2027 vorgesehen. Zunächst dürfte es eine Betaphase geben. Realistisch wäre damit eine breitere Einführung erst mit einem späteren iOS 28-Update. Ob die Funktion außerhalb der Europäischen Union angeboten wird, ist derzeit offen. Bei einigen DMA-Funktionen hat Apple die Umsetzung weltweit ausgerollt. Beim Zugriff auf die iPhone-Zwischenablage spricht derzeit aber vieles dafür, dass die Funktion zunächst auf die EU beschränkt bleibt.
Weitere Öffnung des Apple-Ökosystems
Der Fall zeigt erneut, wie stark der DMA Apples bisheriges Modell verändert. Funktionen, die bislang als Vorteil des eigenen Ökosystems galten, müssen teilweise auch für Wettbewerber geöffnet werden. Für Nutzer kann das praktisch sein. Wer iPhone und Windows-PC kombiniert, bekommt perspektivisch eine Funktion, die Apple-Nutzer mit Mac schon lange kennen. Gleichzeitig entsteht aber ein neuer Bereich, in dem Apple Sicherheit, Datenschutz und Komfort sauber austarieren muss.
Was soll hier der grosse Aufwand sein? Apple kann einfach ihre Apple Geräte App um die Clipboard-Funktion erweitern und die Synchronisation zwischen den Apple Geräten und der iCloud verbessern (oder eine API für externe Plattformen einbauen, so dass die WLAN/Bluetooth-Verbindung auch hier reibungslos und lokal funktioniert)
Wenig Aufwand ist das nur, wenn man die Sicherheit, die aktuell zwischen iOS, iPadOS und macOS herrscht, untergräbt. Um das sauber zu machen, muss am Windows-Gerät genauso wie aktuell auf Apple-Geräten sichergestellt werden, dass der User berechtigt ist, die Inhalte einzufügen/zu kopieren. Der einfachste Weg ist, wenn Apple gemeinsam mit Microsoft eine API entwickelt, die genau das bereitstellt. Dann muss sich der User am Apple-Gerät und am Windows-Gerät jeweils über seine Apple-ID authentifizieren (die Apple-ID ist dann dauerhaft mit dem Windows-Gerät bzw. dem Microsoft-Account verknüpft) oder alternativ die Freigabe auf einem fremden Gerät manuell bestätigen. Aufgrund der unterschiedlichen Sicherheitskonzepte ist das tatsächlich mit erheblichem Aufwand verbunden.
@Shiriru94
EINFACH Sicher. Das passt nicht zusammen. Es gibt schon genügend andere Lücken in den Systemen die teilweise nicht gestopft werden können. Reicht ja auch schon wenn nur eine Sicherheitslücke z.B. im Chipsatz ist, wie z.B. beim Bluetooth-SoC von Airoha.
Möchte ich als Apple iPhone User die Zwischenablage mit einem System von MS teilen? Ja, aber mit Einschränkungen. Nicht immer und nicht alles. MS ist für seinen Datenhunger bekannt. Daher bin ich auf die Umsetzung von Apple gespannt. Ist nicht ganz trivial. Zumal die Apps unter iOS ja prinzipiell immer in einer eigenen Sandbox laufen und somit nicht einfach auf Daten anderer Apps zugreifen dürfen. Zudem speichert die Zwischenablage nur den letzten kopierten Inhalt.
Zudem müsste der Artikeltext mal korrigiert werden. Es geht um die „Allgemeine Zwischenablage“ und die Handoff-Funktion die MS gerne nutzen würde.
„MS ist für seinen Datenhunger bekannt.“ und Apple sammelt keine Daten oder ist es da egal weil Apple?
„MS ist für seinen Datenhunger bekannt.“
Nahezu alle größeren Konzerne/Unternehmen Sammeln Daten über uns: Neben Microsoft z.b. Nvidia, Apple, AMD, Google, Amazon etc.pp.
Und wer z.b. Apps von Discountern nutzt dann auch LIDL&Co.
Warum wird eigentlich in der Regel nur bei MS immer so ein Riesen Problem daraus gemacht.
Na ein Feindbild muss man ja haben.
Bei Windows-Usern ist’s Apple und bei Apple-Usern ist’s pauschal Microsoft. Das schaukelt sich seit Jahrzehnten immer wieder hoch, weil jeder meint, dass er das Beste benutzt und alle anderen doof sind und keine Ahnung haben. Dabei ist doch eigentlich Vielfalt und damit Wahlfreiheit der wahre Luxus. Stellt euch vor, wir müssten alle TempleOS benutzen, weil’s nix anderes gibt und niemand eine Idee hat. 
Viele vergessen dabei allerdings, dass ein Großteil dieser Daten für die Telemetrie, sprich für das „Sie wissen was die User wollen“, erhoben werden. Ohne das wäre es auch schwierig heutzutage zu entwickeln, bei so viel Leuten, die im Grunde genommen gar nicht kommunizieren können, was sie wollen.