Wann hat man mal die Gelegenheit, ein 20 Jahre altes Notebook vom Discounter Lidl zu ergattern, dessen Beigaben auch noch fast vollzählig sind? Denn gerade dieses Targa-Subnotebook kommt mit für heutige Verhältnisse erschreckend vielen Beigaben. Ein kleiner Trip ins Computerjahr 2006.
Notebooks haben mich schon immer fasziniert. Seien es aktuelle oder ältere Modelle. Schon damals durfte ich an einem Escom-Blackmate-Notebook mit installiertem Windows für Workgroups 3.11 meine ersten Retro-Entdeckungstouren vollziehen. In der Technik dieser mobilen Geräte hat sich im Laufe der Zeit einiges getan: schlanker, flotter und leiser.
Sehnt man sich nach einem älteren Modell, sind Auktionshäuser oder An- und Verkaufsläden eine erste Anlaufstelle. Schnell gefunden ist hier das eigene Drittgerät oder der Nostalgietrip in Zeiten einer von grauer Farbe dominierenden Windows-Oberfläche.
Schnell fällt auf: Es sind meistens die Basics, die dabei sind. Sei es die beliebteste Kombi aus Notebook und Netzteil oder gegebenenfalls mit notwendigen Extras wie einem externen 3,5″-Diskettenlaufwerk. Die anderen Beigaben? Von einen der Vorbesitzer womöglich als „unnötig“ abgestempelt und dem Recyclingsystem zugeführt.
Da wird es umso spannender, wenn man ein Angebot eines älteren Notebooks bemerkt, welches augenscheinlich komplett zu sein scheint. Inklusive Originalverpackung natürlich. Und das von einem Hersteller, dessen Produkte bei Lidl angeboten wurden. Genau dieser Fund erreicht sein 20-jähriges „Jubiläum“ dieses Jahr.
Faszinierend, aber auf andere Art und Weise
Klar, ein Targa-Notebook dürfte jetzt wahrlich kein Oberhammer für die Sammlung sein. Geschichtsträchtiger sind da eher Modelle wie das Toshiba Libretto 50CT (1997, seinerzeit das kleinste Windows-95-Notebook der Welt) oder das IBM ThinkPad 701 (1995, Butterfly-Tastatur entfaltet sich beim Öffnen). Dennoch: Wenn es jemand schafft, sein Discounter-Notebook im (fast) vollständigen Lieferumfang im Laufe der Zeit aufzubewahren, verdient das aus Sammlersicht großen .
Offiziell war das Targa Traveller 812 MT30 ab dem 15. März 2006 zum Preis von 999 Euro erhältlich. Eingekauft hat der Vorbesitzer dieses Exemplar am 1. Juni 2006 in einer Lidl-Filiale im sächsischen Görlitz, an dessen Stelle heute ein Action steht. Es scheint allerdings einen kleinen Preissturz gegeben zu haben, denn der Vorbesitzer durfte nur 899 Euro blechen.
Mit seinem 12,1“-TFT-Display gehört das Targa-Notebook zur Subnotebook-Klasse. Mit dem AMD Turion 64 MT-30 und einer integrierten AMD Mobility Radeon Xpress X200 hat es ausreichend Leistung für Multimedia, bei dem auch das DVD-Brennerlaufwerk zugutekommt. Ursprünglich waren nur 512 Megabyte Arbeitsspeicher verbaut, doch der Vorbesitzer ließ am 23. Mai 2007 bei Targa ein 59 Euro teures Upgrade auf einen Gigabyte durchführen. Damit sollte das installierte Windows XP Home Edition mit Service Pack 2 vernünftig laufen…wäre da nicht die etwas träge 60 Gigabyte kleine Western-Digital-Festplatte.
| Komponente | Bezeichnung |
| Prozessor | AMD Turion 64 MT-30 (1,6GHz) |
| Arbeitsspeicher | 2x Swissbit SDN06464A1B41MT-60 (512MB DDR-333 PC-2700) |
| Grafik | ATI Mobility Radeon Xpress X200 (Shared Memory, normal 64MB) |
| Display | 12,1“ WXGA Glare TFT Auflösung 1280×800 Pixel |
| Festplatte | Western Digital WDC WD600UE-22HCT0 (60GB) |
| DVD-Brenner | LG HL-DT-ST DVDRAM GMA-4082N |
| Modem | Agere Systems AC’97 Modem v2147DC |
| LAN | Realtek RTL8139/810x Family Fast Ethernet NIC |
| WLAN | Ralink RT2561/RT61 802.11g MiniPCI Wireless Adapter |
Kompakt und doch alles da
Die Maße gibt Targa mit 30,4 x 25,0 x 3,4 Zentimetern an (Breite x Höhe x Tiefe), beim Gewicht spricht der Hersteller/Vertreiber von 2,2 Kilogramm samt Akku. 2026 ein schwerer und dicker Klotz, 2006 für Discounter-Verhältnisse erstaunlich okay. Sogar die Schutzfolie auf dem matten schwarzen Deckel hat es überlebt, möchte sich aber sehr gerne von ebendiesem lösen. Ebenfalls „überlebt“ hat die schwarze Tastaturabdeckung. Sonst beschränkt sich die Gehäusefarbe auf ein modernes helles Silber.
Die Anschlussvielfalt kann sich ebenfalls sehen lassen: dreimal USB 2.0, Firewire, Kopfhörer, Mikrofon, VGA mit Befestigungsmöglichkeit, Modem (RJ-11), Ethernet (RJ-45), ein PCMCIA-Slot (auch für CardBus-Karten) und ein 4-in-1-Kartenleser. Dass hier sogar ein DVD-Brennerlaufwerk Platz gefunden hat, erstaunt. Gerade bei der Subnotebook-Klasse eine selten gesehene interne Komponente.
Status-LEDs vorne signalisieren verschiedene Zustände und über der kompakten, aber dennoch ausreichend großen Tastatur gibt es ein paar Schnellwahltasten für Browser, Mail, WLAN und Dateisuche. Wie üblich bei Notebooks aus der Zeit fällt das Touchpad reichlich winzig aus. Ein schicker Anblick ist das bunt glänzende Targa-Logo mitten auf der Scharnierabdeckung.
Massig Zubehör
Notebook, Ladekabel, Papiermüll in zig Sprachen, mit etwas Glück noch ein Netzteil und dann war es das in der Regel schon. Im Jahr 2006 konnte man von Computer-Schachteln noch regelrecht mit Extras erschlagen werden. So auch bei diesem Targa-Modell, dessen Inhalt zwar leider nicht 100-prozentig vollständig ist, aber spannend genug zum Dokumentieren ist.
Eine weiße Schachtel beherbergt überwiegend Materialien für Fernseh- und Radioempfang:
- DVB-T-Antenne
- B4F SLIM USB Device (256 Megabyte großer USB-Stick mit Targa-Branding)
- Antennen-Adapter
- drei Ferritkerne
- UKW-Antenne
- Targa LR502 NTFRA CardBus-TV/Radiokarte für den PCMCIA-Slot
- Fernbedienung
- acht CDs/DVDs
- Targa Easy Install XP (Software, Drivers & Recovery Boot-Disk)
- Targa Product Recovery CD-ROM
- PC Suite 2006 Special Edition mit
- Sun StarOffice 7
- Marco Polo EuroRoute 2006 Premium Edition
- Der Brockhaus 2006 …in Text und Bild
- CorelDRAW Essentials 2
- Corel Photo Album 5
- CyberLink PowerCinema 4.0 OEM Version (mit PowerDirector 4.0)
- DasTelefonbuch Deutschland Sonderedition 2006
- Nero OEM Suite (Version 6.6)
- WISO Mein Geld 2006 Version 7.0 Targa-Edition
- Microsoft Works 8.5
Eine große Kartonschachtel bot weiteres Zubehör:
- Checkliste
- Data-Becker-Praxishandbuch zum Targa Traveller 812 MT30 (320 Seiten)
- AOL-Flyer (u. a. Werbung für DSL-Tarife und Angebot für einen 650-stündigen Gratis-Test)
- drei Hinweiszettel für die Ferritkerne
- Zettel für den Pick-and-Return-Service
- Zettel mit wichtigen Garantiehinweisen (36 Monate Garantie ab Kaufdatum)
- Quittung von Lidl
- zwei Rechnungen für das RAM-Upgrade
- 65-Watt-Netzteil (Modellnummer KSAFI1900342T1M2)
- zwei RJ-11-Kabel (eins grau, eins schwarz)
- TAE-Stecker
- 4400-Milliamperestunden-Akku (Targa BTY-S26)
- Eurostecker-Netzkabel
- Chicony MSU0718T Computermaus mit USB
- Targa SM-460 Headset mit Mikrofon
Und dennoch: schaut man sich die Checkliste an oder etwa einen Testbericht zu diesem Notebook, wird man bemerken, dass doch die ein oder andere Kleinigkeit fehlt. Etwa sollte ein CompactFlash-Adapter, ein Breakout-Kabel für den AV-Anschluss, ein SPDIF-Adapter und angeblich auch eine Tasche mit dabei gewesen sein.
Inzwischen ist so eine gigantische Menge an Extras undenkbar geworden. Allein die Anleitungen und die Software lassen sich heutzutage bequem über das Internet abrufen. Fernseh- und Radioempfang? Ebenfalls über Internet möglich. Man merkt mehr und mehr, was für ein Zeitdokument man vor sich hat. Zumindest die Garantie des Geräts ist seit 1. Juni 2009 abgelaufen.
Was lässt sich 20 Jahre später machen?
Damals nervig, heutzutage interessant: der Werkszustand des Betriebssystems mit all seinen Extrawürsten. Um das Targa-Notebook komplett in den Auslieferungszustand zurückzuversetzen, dauert es mehrere Stunden. Dafür bekommt man ein frisch eingerichtetes Windows XP mit der vom Hersteller beigelegten Software und allen notwendigen Treibern. Sogar die Aktivierung wurde bereits erledigt.
Doch was wird alles installiert? Die Software-Übersicht aus der Systemsteuerung gibt folgendes an:
- Adobe Reader 7.0 – Deutsch (72,75MB)
- Agere Systems AC’97 Modem v2147DC
- AOL Coach Version 1.0(Build:20040229.1 de) (2,46MB)
- AOL Deutschland
- AOL Meine Fotos Bildschirmschoner (0,58MB)
- AOL Optimized Dial-In (15,48MB)
- Athlon 64 Processor Driver (0,13MB)
- ATI – Dienstprogramm zur Deinstallation der Software (0,11MB)
- ATI Control Panel (1,09MB)
- ATI Display Driver
- CA eTrust Antivirus (11,72MB)
- Das Telefonbuch für Deutschland (1,09MB)
- DivX Codec (0,12MB)
- eTrust Registration (1,27MB)
- HighMAT-Erweiterung für den Microsoft Windows XP-Assistenten zum Schreiben von CDs (2,14MB)
- Learn2 Player (Uninstall Only) (0,68MB)
- LetsTrade Komponenten (9,59MB)
- Microsoft .NET Framework 1.1
- Microsoft .NET Framework 1.1 German Language Pack (3,02MB)
- Microsoft .NET Framework 1.1 Hotfix (KB886903)
- Microsoft Windows Journal-Viewer (3,47MB)
- Microsoft Works (289MB)
- Nero Suite (2,20MB)
- O2Micro Flash Memory Card Windows Driver (1,62MB)
- PhotoNow! 1.0 (1,09MB)
- PowerCinema (1,09MB)
- PowerDirector
- PowerProducer Express (1,09MB)
- QuickTime (2,35MB)
- Ralink Wireless LAN Card (77,55MB)
- RealPlayer Basic (9,24MB)
- Realtek AC’97 Audio
- REALTEK Gigabit and Fast Ethernet NIC Driver (1,09MB)
- SIPPS (35,62MB)
- Synaptics Pointing Device Driver (25,26MB)
- System Control Manager (6,93MB)
- Viewpoint Media Player (7,30MB)
- Windows Installer 3.1 (KB893803)
- Windows Media Connect (0,00MB)
- WISO Mein Geld 2006 Professional (170,00MB)
Wer das eTrust Antivirus nicht haben möchte, bekommt es nur über die Recovery-Disk zurück. Sonst wurden die Programme der PC Suite 2006 Special Edition nicht mit installiert.
Während mit Nero ein exzellentes Brennprogramm eingerichtet wurde, können die Fernseh-, DVD- und Radiogeschichten mit CyberLink PowerCinema erledigen. Zumindest das Fernsehen geht seit 2019 mit der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 nicht mehr. UKW-Sender lassen sich im Jahr 2026 immer noch problemlos empfangen, auch wenn das mit der Wurfantenne nicht die eleganteste Lösung ist. Und DVD-Filme können bequem vom DVD-Laufwerk abgespielt werden.
Sonderlich aufwendige Office-Arbeiten lassen sich mit der damaligen kostengünstigen Alternative zu Microsoft Office – Microsoft Works 8.5 – nicht unbedingt erledigen, aber für Heimanwender reicht das Featureset vollkommen. Auch wenn die Tastatur groß genug ausfällt, einige Tippversuche resultieren in verweigerte Eingaben im Textverarbeitungsprogramm.
Spiele spielen ginge nur bedingt. Die interne ATI Mobility Radeon Xpress X200 kommt mit aufwendigen 3D-Titeln bis zum Erscheinungsjahr 2002 noch einigermaßen klar, doch wohler fühlt sich die Gerätschaft mit anspruchsloseren Gelegenheitsspielchen. Wie etwa das bei Windows XP mitinstallierte 3D Pinball Space Cadet.
Und der sonstige Eindruck?
Der optische Zustand des Exemplars ist nahezu exzellent. Dass das Notebook dennoch verwendet wurde, macht sich spätestens an leichten Abrieben an den Tasten bemerkbar. Sonst bemerkt man so gut wie keine Gebrauchsspuren. Einige Kabel waren noch zugeschnürt, manche der CD/DVD-Hüllen nicht einmal geöffnet. Und selbst der in den damaligen Tests hochgelobte Lüfter, der seine Arbeiten leise verrichtete, machte sich im Betrieb nur dezent bemerkbar. Lauter waren dagegen nur die Lesevorgänge des DVD-Brennerlaufwerks.
Zwar sind die Farben des spiegelnden Displays für 2006er-Verhältnisse ganz ordentlich, dennoch ist mir selbst die höchste Helligkeitsstufe ein bisschen zu niedrig. Und da ich von den Lautsprechern meines Apple MacBook Air M1 zu sehr verwöhnt bin, empfinde ich die Lautsprecher des Targa Traveller 812 MT30 als zu dünn. Immerhin sind sie laut.
Die mitgelieferte Maus hilft, die Hürden des mickrigen Touchpads zu überwinden, dennoch ist es keine originale. Wenn unten schon „Made in China by Chicony for Medion“ steht, glaube ich nicht, dass Targa aus Versehen Produkte für ihre Konkurrenz beilegt, die ihre Produkte wiederum bei Aldi anbietet.
Während die TV-Karte, die Antennen und der USB-Stick nette Dreingaben sind, kann das billig anmutende Headset absolut nicht überzeugen. Es passte nicht mal richtig auf meinem Kopf. Die Mikrofonqualität erweckt dieselben Eindrücke.
Für 2006 finde ich die Software-Beigaben gar nicht so schlecht. Klar, ein bisschen zu viel des Guten, aber Profis hätten schließlich eigenhändig ein Windows auf die kleine Festplatte geknallt und die Software über die beigelegten CDs/DVDs installiert, die sie brauchen. Gerade Nero, CyberLink PowerCinema und Microsoft Works kann man gut gebrauchen.
Fazit: Ein ordentlicher Fund
Was ich im November 2024 für zirka 45 Euro bei Ebay erbeutet habe, ist eines der größten positiven Überraschungen, seit ich angefangen habe, ältere Notebooks zu kaufen. Denn originalverpackte Notebooks können spannende Geschichten mitteilen. Und gerade dieses Targa Traveller 812 MT30 kann das sehr gut.
Was war bei einem Discounter-Notebook von vor 20 Jahren alles dabei? Was bekamen Kunden regelrecht zugeschmissen? Zumindest für die offenkundig kurze Nutzungszeit nichts schrottiges. Aber wer weiß, ob es im selben exzellenten technischen Zustand wäre, hätte der Vorbesitzer es jahrelang wie ein normaler Computernutzer verwendet.
Klar, vieles von dem Zubehör braucht man im Jahr 2026 keineswegs mehr. Ein paar Extras vermisst man dennoch irgendwie. Doch diese wurden mehr durch Internetdienste, Streaming oder durch Abos ersetzt. Man könnte da glatt mit anderen Finanzierungsmethoden argumentieren.
Und gerade für kompakte Notebooks habe ich durchaus eine Schwäche. Ein 12,1“-Subnotebook mit DVD-Brennerlaufwerk wäre mir damals wahrscheinlich positiv aufgefallen, denn im Jahr 2006 war so was noch mehr oder weniger unverzichtbar. Zum Arbeiten, Surfen und ab und an Multimedia hätte es zu der Zeit mehr als gereicht.
Im Jahr 2026 reicht es allenfalls für einen Windows-XP-Nostalgietrip, um etwa die CD-Sammlung zu erforschen. Oder mit kräftig leichtgewichtigen Linux-Distributionen wie Damn Small Linux zu experimentieren. Womöglich könnte es allerdings aufgrund des Zustandes aber auch wieder im Regal verschwinden. Natürlich samt dem Originalkarton.
Für die Interessierten: die Computer Bild hat in ihrer Ausgabe 6/2006 auf Seite 46/47 dieses Targa-Notebook getestet und mit der Note 2,45 bewertet, was knapp einem „gut“ entspricht.























Cool, so eine kleine Zeitreise ist immer wieder schön. Man vergisst im Laufe der Zeit einiges was die damals verwendete Hardware betrifft. Aus der Zeit dürfte damals auch mein Fujitsu Siemens gewesen sin, der eine ähnliche Hardware aufzuweisen hatte.