Sony hat die FX5 vorgestellt, und wer die Gerüchteküche der letzten Monate verfolgt hat, wird überrascht sein: Es ist keine FX3 II geworden. Stattdessen schiebt Sony ein komplett neues Modell zwischen FX3 und FX6 – kompakt wie die FX3, aber mit Workflow-Bausteinen aus der VENICE-Welt. Open Gate, internes RAW, ein neuer Sensor. Für eine Kamera, die als reines FX3-Update gehandelt wurde, ist das eine ziemliche Ansage.

Neuer Sensor, drei Basis-ISOs, Dual Gain
Herzstück ist ein neu entwickelter, rückseitig belichteter Vollformat-Sensor mit 16,6 Megapixel im Stacked-Verfahren. Das ist ein ordentlicher Sprung gegenüber den 12 Megapixel von FX3 und FX6. Laut Sony soll die FX5 zusammen mit dem BIONZ-XR2-Prozessor und dessen KI-Recheneinheit einen Dynamikumfang von mehr als 15 Blendenstufen in S-Log3 erreichen. Neu in der FX-Reihe: drei Basis-ISOs (800, 4.000 und 12.800) sowie eine Dual-Gain-Shooting-Funktion, die zwischen den Empfindlichkeiten sauberer vermittelt. Für alle, die viel bei wechselndem Licht drehen, ist das praktisch relevanter als die Megapixelzahl.
Open Gate und internes RAW – die eigentliche Neuerung
Der Punkt, der Kameranerds tatsächlich aufhorchen lassen sollte: Erstmals in der noch jungen FX-Serie gibt es Open-Gate-Aufnahme, also die volle 3:2-Sensorfläche, plus internes X-OCN-RAW. Kein externer Recorder nötig wie noch beim kleineren Bruder. Sony bringt dafür gleich drei X-OCN-Varianten mit: das bekannte X-OCN LT sowie die neuen, stärker komprimierten C1- und C2-Formate für schlankere Post-Production. Ein Haken bleibt: Open Gate funktioniert laut Sony nur in Kombination mit X-OCN, nicht in den Standard-Codecs. Wer nur XAVC dreht, bekommt die volle Sensorfläche also nicht. Neben Open Gate stehen 17:9, 16:9 und Super-35-Scan-Modi bereit. Bei der Framerate geht es bis 5K/60p, 4K/120p und Full-HD/240p – solide Werte für eine Kamera dieser Größe.
Einziger Wermutstropfen: OpenGate mit XAVC wird erst mit einem für 2027 angekündigtem Update eingeführt. Dasselbe gilt auch für die Möglichkeit, 4K in 240 FPS aufzunehmen.
Bedienung: BIG6-Menü und größerer Screen
Auch beim Interface nähert sich die FX5 den großen Cine-Modellen an. Das neue BIG6-Homescreen-Menü bündelt Framerate, Belichtung und LUTs übersichtlich – ein System, das bislang den größeren Cinema-Kameras vorbehalten war. Der Touchscreen wächst auf 3,5 Zoll mit rund 2,76 Millionen Bildpunkten und sitzt auf einem Vierachs-Gelenkarm, der seitlich ausklappt und Informationen neben statt über dem Bild anzeigt. Das Gehäuse selbst ist flach, mit zahlreichen Gewindebohrungen für Zubehör ohne Käfig, einem separaten Kühlluftkanal mit Lüfter, zwei USB-C-Anschlüssen, LAN-Port und Unterstützung für Sonys Monitor-&-Control-App. Auch das Bildstabilisierungssystem wurde überarbeitet: optische 5-Achsen-Stabilisierung mit verdoppeltem Rotationsbereich.
Neues altes Zubehör: Sucher und XLR-Griff
Parallel zur Kamera bringt Sony zwei Zubehörteile: den abnehmbaren OLED-Sucher DVF-EL1 mit 0,58 Zoll, 7,07 Millionen Bildpunkten, HDR-Darstellung, DCI-P3-Farbraum und 10-Bit-Abstufung, kippbar von 0 bis 90 Grad. Dazu den XLR-H2-Griff (ähnlich, wie wir ihn von der FX3 bereits kennen) mit zwei XLR/TRS-Combo-Eingängen, vierkanaliger Aufnahme und internem Recording bis 96 kHz/32-Bit-Float.
Der von der FX3 bekannte XLR-Griff ist bauartbedingt nicht mit der FX5 kompatibel.
Kein eingebauter ND-Filter, kein Global Shutter
Im Vorfeld wurde auf mehreren Gerüchteseiten über einen integrierten ND-Filter und einen Global-Shutter-Sensor spekuliert. Beides bietet die FX5 jedoch nicht. Der fehlende ND-Filter dürfte auch der Abgrenzung zur höher positionierten FX6 dienen. Sony hebt stattdessen die schnelle Sensorauslesung hervor. Wie stark Rolling-Shutter-Verzerrungen in der Praxis ausfallen, müssen unabhängige Tests zeigen.
Preis und Verfügbarkeit
Die FX5 wird aktuell für 5.399 Euro im Vorverkauf angeboten. Im Kit mit dem XLR-H2-Griff werden 5.999 Euro aufgerufen. Der Sucher DVF-EL1 kommt separat für 750 Euro, der XLR-H2-Griff einzeln für 900 Euro. Verkaufsstart ist Mitte August 2026, vorbestellbar ist sie bereits.
Fazit
Für Solo-Shooter und kleine Teams, die bislang zwischen FX3-Kompaktheit und FX6-Workflow abwägen mussten, schließt Sony damit eine echte Lücke im eigenen Lineup. Der Preis liegt spürbar über der FX3, aber klar unter den großen Cinema-Bodies – und genau in dieser Nische dürfte die FX5 ihre Käufer finden.


