Microsoft macht bei den Exchange Web Services ernst. Seit dem 1. Oktober 2026 beginnt das Unternehmen damit, EWS in Exchange Online schrittweise zu deaktivieren. Das kann auch Mac-Nutzer treffen, denn Apples integrierte Apps greifen bei Microsoft-365-Konten derzeit noch auf die alte Schnittstelle zurück. Apple arbeitet bereits an der Umstellung auf Microsoft Graph, das dafür notwendige macOS-Update steht allerdings noch aus. Ein sofortiger Ausfall bei sämtlichen Microsoft-365-Konten ist damit nicht verbunden. Microsoft nimmt die Änderung nach und nach in den einzelnen Exchange-Online-Tenants vor. Zudem können Administratoren EWS während der Übergangszeit weiterhin gezielt freigeben.

EWS wird ab Oktober standardmäßig abgeschaltet
Das Ende der Exchange Web Services ist schon länger beschlossene Sache. Bereits 2018 stellte Microsoft die funktionale Weiterentwicklung ein, 2023 folgte die Ankündigung, EWS ab Oktober 2026 in Exchange Online zu deaktivieren. Jetzt beginnt die praktische Umsetzung. Im Mittelpunkt steht dabei die Einstellung EWSEnabled. Bei Tenants, in denen sie weiterhin auf dem bisherigen Standardwert Null steht, ändert Microsoft den Wert im Zuge des Rollouts auf False. EWS-Verbindungen werden dort anschließend blockiert. Wer die Schnittstelle noch benötigt, kann sie vorerst weiter nutzen. Microsoft hat dafür unter anderem eine AppID Allow List eingeführt, über die Administratoren festlegen können, welche Anwendungen weiterhin über EWS zugreifen dürfen. Wurde EWSEnabled rechtzeitig auf True gesetzt, nimmt Microsoft den betreffenden Tenant nicht in die automatische Umstellung auf False auf. Auch nach einer automatischen Deaktivierung lässt sich EWS während dieser Übergangsphase noch einmal einschalten. Wer erst nach einem Ausfall reagiert, muss allerdings mit einer entsprechenden Unterbrechung rechnen.
Apples System-Apps hängen auf dem Mac noch an EWS
Für Apple kommt die Abschaltung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Unter macOS betrifft die Abhängigkeit nicht nur Mail. Auch Kalender, Kontakte, Notizen und Erinnerungen verwenden bei Exchange Online derzeit noch EWS. Apple ist sich der bevorstehenden Abschaltung bewusst und arbeitet nach eigenen Angaben gemeinsam mit Microsoft an der Migration dieser Apps auf Microsoft Graph. Die Umstellung soll mit einem zukünftigen Update für macOS 27 erfolgen.
Einen konkreten Veröffentlichungstermin nennt Apple bislang nicht. Damit kann es während der nächsten Monate zu einer etwas unschönen Übergangsphase kommen. Wird EWS in einem Unternehmen deaktiviert, bevor die Macs dort über die neue Graph-Unterstützung verfügen, können die integrierten Apple-Apps ihre Exchange-Online-Daten nicht mehr wie bisher synchronisieren. Tauchen bei einem Microsoft 365-Konto auf dem Mac plötzlich Synchronisierungsprobleme auf, muss die Ursache daher nicht bei Mail oder macOS selbst liegen. Gerade bei Firmenkonten dürfte sich ein Blick auf die Exchange-Konfiguration beziehungsweise eine Nachfrage bei der eigenen IT lohnen.
iPhone und iPad betrifft die Umstellung nicht
Auf iPhone und iPad besteht diese EWS-Abhängigkeit nicht. Apple verwendet für die Exchange-Anbindung dort Exchange ActiveSync. Die jetzt begonnene Abschaltung von EWS in Exchange Online hat darauf keinen Einfluss. Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Exchange Online und einem selbst betriebenen Exchange Server. Microsoft stellt EWS nicht generell ein. Die angekündigte Abschaltung betrifft die Cloud-Variante innerhalb von Microsoft 365. Bei lokalen Exchange-Servern bleibt EWS erhalten.
Im April 2027 ist endgültig Schluss
Vorerst können Administratoren bestehende EWS-Abhängigkeiten also noch abfedern. Dauerhaft ist das allerdings keine Lösung. Am 1. April 2027 will Microsoft EWS in Exchange Online vollständig abschalten. Dann verschwindet auch die Möglichkeit, den Dienst über EWSEnabled wieder zu aktivieren. Eine Verlängerung über diesen Termin hinaus schließt Microsoft ausdrücklich aus. Bis dahin bleibt Apple noch etwas Zeit für den angekündigten Wechsel auf Microsoft Graph. Wann das entsprechende Update für macOS 27 erscheint, ist bislang offen. Für Unternehmen mit Macs und Microsoft 365 dürfte es sich deshalb lohnen, die EWS-Nutzung in den kommenden Monaten zumindest im Auge zu behalten.