ELEGOO Centauri 2 Combo im Test: CoreXY zum günstigen Einstieg

Mit dem Centauri 2 erweitert ELEGOO seine aktuelle CoreXY-Baureihe um ein Modell, bei dem der Rotstift auf den ersten Blick kaum zu übersehen ist. Scheiben fehlen ebenso wie Kamera und integrierte Beleuchtung. Unter der deutlich reduzierten Hülle steckt allerdings weiterhin ein großer Teil der Technik, die wir bereits vom Centauri Carbon 2 kennen. In unserem Fall stand die Combo-Version mit CANVAS-System für den Mehrfarbdruck auf dem Prüfstand. Das Konzept kommt einem dabei durchaus bekannt vor: Eine leistungsfähige CoreXY-Plattform bildet die Grundlage, während der Hersteller zwei deutlich unterschiedliche Ausstattungsstufen daraus macht. Wer den geschlossenen Bauraum und sämtliche Komfortfunktionen möchte, greift zum höher positionierten Modell. Wer darauf verzichten kann, bekommt die wesentliche Drucktechnik deutlich günstiger. Beim Centauri 2 geht ELEGOO sogar noch einen Schritt weiter, denn einige der gestrichenen Komponenten sind zur späteren Nachrüstung vorgesehen.

Centauri 2 – Foto: ELEGOO

Bekannte Basis, niedrigerer Einstiegspreis

Technisch bleibt der Centauri 2 erstaunlich nah am größeren Modell. Der Bauraum misst 256 × 256 × 256 Millimeter, die maximale Druckgeschwindigkeit gibt ELEGOO mit 500 mm/s an. Das sind keine Werte, die lediglich auf einen besonders günstigen Drucker zugeschnitten wurden. Vielmehr übernimmt ELEGOO wesentliche Teile der bestehenden Plattform und spart vor allem an der Ausstattung rund um die eigentliche Mechanik.

CoreXY statt bewegtem Druckbett

Das CoreXY-System gehört zu den wichtigsten Argumenten für den Centauri 2. Während klassische Bedslinger das Druckbett samt Modell permanent auf einer horizontalen Achse bewegen, übernimmt hier der Druckkopf die schnellen Bewegungen in X- und Y-Richtung. Das Druckbett bewegt sich während des Drucks lediglich entlang der Z-Achse.

Gerade bei höheren Geschwindigkeiten und Beschleunigungen hat dieses Prinzip Vorteile. Mit zunehmender Höhe des Modells muss keine immer größere Masse auf dem Druckbett beschleunigt und wieder abgebremst werden. Die Konstruktion eignet sich deshalb wesentlich besser für die hohen Geschwindigkeiten, die aktuelle FDM-Drucker inzwischen erreichen.

Stabiler Aluminiumrahmen

Damit die hohen Beschleunigungen nicht durch einen nachgiebigen Aufbau zunichtegemacht werden, setzt ELEGOO auf einen starren Druckgussrahmen aus Aluminium. Metall-Linearführungen übernehmen die Führung der bewegten Komponenten.

Das macht sich bereits beim grundsätzlichen Eindruck bemerkbar. Trotz des niedrigeren Preises wirkt der Centauri 2 nicht wie eine möglichst billig konstruierte Variante. ELEGOO spart sichtbar, aber eben nicht zuerst an der mechanischen Grundlage.

350 Grad am Hotend

Das Filament gelangt über einen Dual-Gear-Direct-Extruder zur 0,4-Millimeter-Düse aus gehärtetem Messingstahl. Das Hotend erreicht maximal 350 Grad Celsius. Das Druckbett schafft bei 25 Grad Umgebungstemperatur bis zu 110 Grad Celsius. Die flexible Federstahlplatte ist beidseitig nutzbar. Eine Seite besitzt eine strukturierte PEI-Oberfläche, während die zweite speziell für PLA vorgesehen ist. Die Z-Achse arbeitet mit drei Gewindespindeln und drei Linearführungen.

Automatische Kalibrierung gehört dazu

Auch bei der Kalibrierung wurde nicht wesentlich gestrichen. Der Centauri 2 arbeitet mit einem 121-Punkt-Auto-Leveling und kann bei Bedarf lediglich den tatsächlich benötigten Bereich des Druckbetts vermessen. Der automatische Z-Offset nimmt dem Nutzer zusätzlich einen Arbeitsschritt ab. Dazu kommen Vibrationskompensation und die Kalibrierung des Druckvorlaufs.

Gerade bei einem schnellen CoreXY-Drucker sind diese Funktionen wichtiger als zusätzliche optische Spielereien. Hohe Beschleunigungen bringen schließlich wenig, wenn sie anschließend als Ghosting oder andere Artefakte auf der Oberfläche sichtbar werden.

Sensoren überwachen den Druck

ELEGOO stattet den Centauri 2 mit einer Reihe weiterer Überwachungsfunktionen aus. Dazu gehören eine Filament-Ende-Erkennung und eine Verstopfungserkennung. Auch die Lüfter werden überwacht. Nach einem Stromausfall kann ein unterbrochener Druck zudem fortgesetzt werden. Der Hersteller spricht insgesamt von 15 Sensoren beziehungsweise Überwachungsfunktionen. Im Alltag soll der Nutzer dadurch möglichst wenig in den laufenden Druck eingreifen müssen. Das passt zum grundsätzlichen Konzept moderner FDM-Drucker: weniger justieren und kontrollieren, mehr tatsächlich drucken.

Die Combo bringt CANVAS mit

Wir hatten nicht das Basismodell, sondern den ELEGOO Centauri 2 Combo im Test. Der entscheidende Unterschied ist das CANVAS-System, das den Mehrfarbdruck mit bis zu vier Farben ermöglicht. CANVAS übernimmt den Filamentwechsel automatisch und unterstützt bei geeigneten ELEGOO-Spulen eine RFID-Erkennung.

Automatisches Nachladen sowie eine Erkennung von Problemen beim Filamenttransport gehören ebenfalls zum Funktionsumfang. Damit wird aus dem ansonsten recht schnörkellosen CoreXY-Drucker ein deutlich vielseitigeres System. Logos, Schriftzüge, Figuren und andere Modelle können direkt mehrfarbig aus dem Drucker kommen, ohne dass das Filament bei jedem Wechsel von Hand getauscht werden muss.

Mehr Farben kosten Zeit und Material

Die grundsätzlichen Nachteile des Mehrfarbdrucks verschwinden allerdings auch beim Centauri 2 Combo nicht. Das System arbeitet mit einer einzelnen Düse. Bei einem Farbwechsel muss das bisherige Filament zurückgezogen, das neue Material geladen und die Düse gespült werden. Je mehr Farbwechsel ein Modell verlangt, desto länger dauert der Druck und desto mehr Material landet außerhalb des eigentlichen Bauteils. Dieses Verhalten hatten wir bereits beim Centauri Carbon 2 Combo beobachtet. Mehrfarbdruck ist komfortabel, aber nicht kostenlos und erst recht nicht frei von zusätzlichem Materialverbrauch.

Hier hat ELEGOO sichtbar gespart

Der große Unterschied zum Centauri Carbon 2 beginnt beim Gehäuse. Der Centauri 2 besitzt weder Seitenscheiben noch eine Fronttür. Der Bauraum liegt vollständig offen. Genau hier zeigt sich das bekannte Prinzip einer gemeinsamen technischen Plattform mit unterschiedlich umfangreicher Ausstattung. Statt für das günstigere Modell eine völlig neue Mechanik zu entwickeln, lässt ELEGOO Komponenten weg, die nicht jeder Nutzer benötigt. Das senkt den Einstiegspreis, ohne CoreXY, Bauraum oder die grundlegende Kalibrierung anzutasten.

Keine Kamera ab Werk

Eine integrierte Kamera gehört ebenfalls nicht zur Serienausstattung. Gerade bei längeren Druckaufträgen ist das durchaus ein Komfortverlust. Wer sich daran gewöhnt hat, einen Druck aus der Ferne zu kontrollieren, wird die Funktion vermissen. Für das eigentliche Druckergebnis spielt die Kamera natürlich keine Rolle. Sie gehört damit genau zu den Komponenten, bei denen sich Kosten reduzieren lassen, ohne die mechanische Qualität des Druckers zu verändern.

Auch die Beleuchtung fehlt

Gleiches gilt für die Beleuchtung. Der Centauri 2 besitzt ab Werk keine integrierte LED-Beleuchtung des Druckbereichs. Bei einem gut beleuchteten Arbeitsplatz ist das verschmerzbar, bei schlechten Lichtverhältnissen fällt es dagegen schnell auf. In Verbindung mit der fehlenden Kamera wird deutlich, wo ELEGOO die Grenze gezogen hat. Die Technik zum Drucken bleibt, der Komfort rund um den Druck wird reduziert.

Nachrüstung ist bereits vorgesehen

Interessant wird es beim Blick in das Menü. Dort sind bereits Optionen für Komponenten vorhanden, die der Centauri 2 ab Werk überhaupt nicht besitzt. Auch ELEGOO führt Kamera und LED-Beleuchtung in den technischen Daten ausdrücklich als optionale Erweiterungen. Weitere Komponenten wie ein Luftfilter sind ebenfalls vorgesehen.

Der Centauri 2 ist damit nicht zwangsläufig dauerhaft auf die Ausstattung des Basismodells festgelegt. Wer zunächst günstig einsteigt, kann den Drucker später erweitern. Das unterscheidet das Konzept von einer klassischen Sparversion, bei der gestrichene Funktionen endgültig gestrichen bleiben.

Die Zubehörpreise fehlen noch

Wie attraktiv diese Nachrüstung tatsächlich wird, können wir derzeit allerdings noch nicht beurteilen. ELEGOO hat bislang keine Preise für die entsprechenden Bauteile genannt. Damit lässt sich momentan auch nicht ausrechnen, ob beispielsweise Centauri 2 plus Kamera, Beleuchtung und weitere Erweiterungen am Ende preislich noch sinnvoll gegenüber einem höher ausgestatteten Modell dastehen. Die Möglichkeit zur Nachrüstung ist deshalb positiv, eine wirtschaftliche Bewertung wäre derzeit aber reine Spekulation.

Der offene Bauraum setzt Grenzen

Die fehlenden Scheiben sind nicht nur eine optische Frage. Sie beeinflussen unmittelbar, welche Materialien sich sinnvoll verarbeiten lassen. ELEGOO empfiehlt für den Centauri 2 PLA, PETG, PLA-CF und TPU. Von ABS, ASA, PA, PC sowie mehreren faserverstärkten Varianten rät der Hersteller dagegen ausdrücklich ab.

Gerade ABS oder ASA profitieren von einer möglichst konstanten Umgebungstemperatur. Bei einem offenen Drucker kühlen größere Bauteile ungleichmäßiger aus, wodurch Warping oder Spannungsrisse auftreten können.

Für PLA und PETG kaum ein Nachteil

Wer hauptsächlich PLA oder PETG verarbeitet, dürfte den offenen Aufbau dagegen wesentlich entspannter sehen. Beide Materialien gehören ohnehin zu den am häufigsten verwendeten Filamenten und benötigen keinen aktiv beheizten Bauraum. Für Halterungen, Gehäuse, Prototypen, Figuren und zahlreiche andere Alltagsprojekte ist der Centauri 2 damit gut aufgestellt. Die theoretischen 350 Grad Celsius am Hotend sollte man allerdings nicht mit einer uneingeschränkten Materialkompatibilität verwechseln.

Solide Grundlage für saubere Drucke

Beim Druck selbst profitiert der Centauri 2 von seiner mechanischen Basis. Der stabile Rahmen, die Linearführungen und die automatische Kalibrierung schaffen gute Voraussetzungen für reproduzierbare Ergebnisse. Vor allem die erste Schicht wird durch den automatischen Z-Offset und das Bed-Leveling erheblich unkomplizierter. Gleichzeitig soll die Vibrationskompensation verhindern, dass die hohen Beschleunigungen als sichtbare Resonanzen auf den Außenwänden landen.

Ein bekanntes Konzept neu interpretiert

Das Grundprinzip des Centauri 2 ist nicht neu, funktioniert aber weiterhin. Ein Hersteller entwickelt eine leistungsfähige CoreXY-Plattform und bietet sie anschließend in einer offenen, günstigeren sowie einer geschlossenen und umfangreicher ausgestatteten Variante an. Für Käufer hat das durchaus Vorteile. Wer überwiegend PLA und PETG verarbeitet, muss nicht zwangsläufig ein geschlossenes Gehäuse mitbezahlen. Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit, einzelne Komfortfunktionen später nachzurüsten. ELEGOO trennt damit stärker zwischen der eigentlichen Drucktechnik und der Ausstattung rundherum.

Centauri 2 oder Centauri Carbon 2?

Genau daraus ergibt sich die Kaufentscheidung. Wer regelmäßig anspruchsvollere Filamente verarbeitet und einen geschlossenen Bauraum benötigt, ist beim Centauri Carbon 2 besser aufgehoben. Gleiches gilt für Nutzer, die Kamera, Beleuchtung und die umfangreichere Ausstattung unmittelbar ab Werk haben möchten. Wer dagegen hauptsächlich PLA und PETG druckt, bekommt beim Centauri 2 einen großen Teil derselben Grundidee günstiger. Die von uns getestete Combo-Version ergänzt dazu den Mehrfarbdruck über CANVAS.

Preis und Verfügbarkeit

Der Centauri 2 kostet regulär 299 Euro sowohl bei ELEGOO als auch bei Amazon und angeboten. Für den von uns getesteten Centauri 2 Combo nennt ELEGOO regulär 349 Euro, aktuell werden im ELEGOO-Store jedoch nur 319 Euro aufgerufen. Damit beträgt der derzeitige Aufpreis für die Combo 50 Euro. Wer Mehrfarbdruck nutzen möchte, bekommt CANVAS damit vergleichsweise günstig dazu. Welche Kosten später für Kamera, Beleuchtung und weitere Erweiterungen entstehen, ist bislang nicht bekannt.

Fazit zum ELEGOO Centauri 2 Combo

Der ELEGOO Centauri 2 Combo ist keine vollständige Neuentwicklung, und genau das ist seine Stärke. ELEGOO nimmt eine vorhandene CoreXY-Plattform und entfernt zunächst alles, was für den eigentlichen Druck nicht zwingend notwendig ist. Das Ergebnis ist ein deutlich günstigerer Drucker, bei dem die Einsparungen zwar sichtbar sind, die grundlegende Mechanik aber erhalten bleibt. Verzichten muss man auf Scheiben, Kamera und Beleuchtung. Besonders der offene Bauraum setzt der Materialauswahl Grenzen. Für PLA, PETG, PETG-CF, PLA-CF und TPU spielt das jedoch eine wesentlich kleinere Rolle. Wer regelmäßig ABS, ASA oder andere anspruchsvollere Materialien verarbeitet, sollte dagegen zum geschlossenen Modell greifen.

Die Combo-Version macht den Centauri 2 zusätzlich interessant. CANVAS ermöglicht Mehrfarbdruck mit bis zu vier Farben, ohne dass der Preis übermäßig steigt. Man muss allerdings wie bei allen vergleichbaren Single-Nozzle-Systemen mit längeren Druckzeiten und zusätzlichem Filamentverbrauch leben. Spannend ist zudem die vorgesehene Erweiterbarkeit. Kamera, Beleuchtung und weitere Komponenten sind im System bereits berücksichtigt und sollen nachgerüstet werden können. Ob sich daraus auch preislich ein attraktiver Upgrade-Pfad entwickelt, muss sich noch zeigen. ELEGOO nennt bislang keine Preise für die fehlenden Bauteile.

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