In den vergangenen Monaten haben wir immer im Blog verschiedene digitale Bilderrahmen mit E-Ink-Display vorgestellt. Sie verfügen über eine papierähnliche Darstellung, fügen sich dadurch unauffällig in die Wohnung ein und haben eine herausragende Akkulaufzeit von vielen Monaten.
Mit dem Paperlesspaper OpenPaper gibt seit einiger Zeit einen weiteren Vertreter dieser noch recht jungen Produktkategorie. Nach einigen Monaten im Alltag folgen hier meine Eindrücke vom 7-Zoll-Modell (das 13-Zoll-Modell soll in den nächsten Monaten ausgeliefert werden und ist dem hier getesteten Modell relativ ähnlich).
Technische Daten, Optik und Verarbeitung
Der Paperlesspaper OpenPaper 7 setzt ebenso wie die Konkurrenz ein 7 Zoll großes „Spectra 6“ Farb-E-Ink-Display. Der eigentliche Rahmen besteht dabei aus Esche (Echtholz) mit weißem Passepartout, echtem Glas (UV70 Museumsglas) und kann komplett auseinander genommen werden. Die hier getestete Farbvariante Natur hatte nach dem Auspacken noch eine Zeit lang den angenehmen Duft von frisch verarbeitetem Holz. Der komplette Rahmen ist hochwertig und ohne Mängel verarbeitet gewesen gewesen und die Kombination aus Echtholz und Glas macht wirklich was her. Es ist auch erstaunlich, was für einen optischen Unterschied das Glas im positiven Sinne im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten macht. Das Passepartout wird dadurch weder schmutzig (Staub), noch wellt es sich bei größeren Schwankungen der Luftfeuchtigkeit. Der Paperlesspaper OpenPaper 7 macht von den von mir bisher getesteten E-Ink-Bilderrahmen eindeutig optisch den besten Eindruck.
Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle auch noch die Stromversorgung: Im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten ist der Akku nicht fest verbaut. Im Lieferumfang enthalten waren 4 AAA-Batterien, die man aber natürlich (später) auch durch Akkus ersetzen kann. Auf der Rückseite befinden sich ansonsten noch ein Taster, eine Status-LED und ein USB-C-Anschluss. Ein Ständer ist nicht verbaut.
Die wichtigsten Spezifikationen laut Hersteller hier noch einmal im Überblick:
Display
- Spectra 6 eInk-Display
- 7.3 Zoll
- 800 x 480px (127 ppi)
Netzwerk
- WiFi 6 und Bluetooth Low Energy
Stromversorgung & Batterie
- 4 x AAA-Batterien (Alternativ NiMH-Akkus)
- Batterielaufzeit ca. 6 Monate bei täglicher Aktualisierung
- Alternativ Betrieb über USB-C
Unterstützte Systeme
- Android ab Version 15
- iOS ab Version 18
- Verschiedene Webbrowser: Chrome, Safari oder Firefox (Onboarding nur in Chrome)
Abmessungen & Gewicht
- Bilderrahmen aus Esche Echtholz mit weißem Passepartout
- UV70 Museumsglas für weniger Reflektionen
- Abmessungen: Höhe: 26 cm; Breite: 20 cm; Tiefe: 3 cm (7.3 Zoll)
Farben:
- weiß, holz natur, schwarz
Einrichtung & Bedienung
Die Einrichtung funktionierte im Test unkompliziert. Der Bilderrahmen wird per Smartphone ins WLAN eingebunden und anschließend über die zugehörige App oder Web-Oberfläche verwaltet – Voraussetzung ist allerdings ein kostenloser Account.
Wenn man die Funktionsweise des OpenPaper verstanden hat, dann geht die Bedienung auch sehr gut von der Hand. Denn ähnlich wie beim TRMNL-Display werden die Inhalte in der Cloud gespeichert und der Rahmen wacht aus Stromspargründen nur im gewünschten Intervall auf, lädt sich das dann jeweils aktuelle Bild herunter und zeigt es an. Das hat Vor- und Nachteile. Die Nachteile liegen dabei klar auf der Hand: Man braucht eine aktive Internetverbindung und die Inhalte liegen nicht lokal. Gleichwohl lassen sich durch diese Vorgehensweise auch andere Szenarien umsetzen und man ist nicht nur an Fotos gebunden: Aktuell gibt es beispielsweise Anwendungen für Kalender, Google Kalender, Wetter, RSS-Feed, Wikipedia, Webseiten, Geburt & Baby, Filme, Verbleibende Tage, Tage seit, Sonnenaufgang & Sonnenuntergang und Apotheken-Notdienst. Auch hier läuft die eigentliche Anwendung in der Cloud und der Rahmen lädt sich quasi nur einen Schnappschuss mit den jeweils aktuellen Inhalten herunter. Eine zahlenmäßige Beschränkung an hochgeladenen Bildern gibt es übrigens nicht.
Positiv: Der Hersteller hat im Austausch mit mir angedeutet, dass auf dem OpenPaper 7 Speicherplatz für bis etwa 30 Bilder vorhanden ist. Diesen Speicher wolle man „bald“ zugänglich machen und dann soll es „sowohl ein Feature in der App als auch ein Offline-Upload-Feature geben“. Wenn diese Offline-Funktionalität nachgereicht wird, werde ich mir das auf jeden Fall nochmal genauer anschauen. Nicht jeder möchte seine privaten Bilder in der Cloud haben und ich finde es gut, dass man hier auch an diese Personengruppe denkt.
In der App können die darzustellenden Inhalte konfiguriert werden. Bei Fotos lassen sich auch noch die üblichen Einstellungen wie Helligkeit, Sättigung und Kontrast anpassen. Ebenso gibt’s eine Vorschau-Funktion, die dann auch direkt das Dithering berücksichtigt (hier will man demnächst übrigens noch Optimierungen vornehmen).
Die erstellten Inhalte (also Fotos oder Anwendungen) lassen sich in Stapeln zusammenfassen und rotieren im eingestellten Intervall dann entweder chronologisch oder zufällig durch. Eine zeitgesteuerte Anzeige bestimmter Inhalte (z.B. morgens Kalender oder Wetter und den Rest des Tages Fotos) ist derzeit noch nicht möglich. Diese Funktion, so erklärte man mir auf Nachfrage, soll aber möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt noch umgesetzt werden.
Wenn man den Bilderrahmen dann aufhängt oder hinstellt, erkennt er übrigens eigenständig die Ausrichtung und sorgt dafür, dass die Inhalte nie auf dem Kopf stehen.
Bildqualität
Beim E-Ink Spectra 6 Panel werden alle Bilder aus den Farben gelb, blau, rot und einer Art creme-weiß zusammengesetzt. Übergänge werden mittels Dithering dargestellt. Das führt bei einer Betrachtung aus der Nähe auf jeden Fall zu einem sehr pixeligen Erscheinungsbild. Im Alltag an der Wand und mit genügend Betrachtungsabstand stört es tatsächlich überhaupt gar nicht, da sieht es gut aus. Es sieht wie ein gedrucktes Bild aus und die Farben sind bei schwachen Lichtverhältnissen etwas gedämpft.
Am Ende hängt es auch einfach stark von den dargestellten Inhalten ab – deswegen unten einmal ganz links ein Bild aus dem schönen Menton und rechts daneben die Wetter-Anwendung in dunkel (entspricht schwarz) und hell (entspricht weiß). Die 13-Zoll-Variante des Bilderrahmens hat übrigens eine etwas höhere Pixeldichte. Die Darstellung verändert sich bei dem verbauten Panel übrigens nicht bei unterschiedlichen Betrachtungswinkeln.
Nachfolgend habe ich nochmal den KI Art Frame von Switchbot (ebenfalls das 7-Zoll-Modell) zum Vergleich herausgeholt und daneben gestellt. Die Displays an sich unterscheiden sich für mich nicht – die Unterschiede kommen allein durch die unterschiedliche Bildverarbeitung zustande und sind am Ende Geschmacksache. Was im unmittelbaren Vergleich auffällt: Die sichtbare Fläche beim OpenPaper ist etwas größer als beim Switchbot-Modell.
Akkulaufzeit
Der große Vorteil von E-Ink-Displays ist und bleibt weiterhin der extrem niedrige Stromverbrauch. Der Rahmen benötigt praktisch nur beim Aktualisieren Energie. Dadurch sind – abhängig vom Wechselintervall – sehr lange Laufzeiten möglich.
Paperlesspaper gibt für den OpenOper 7 auf der Webseite zunächst eine Laufzeit „nur“ 6 Monaten an. In der App zeigt man bei der Einstellung der Intervalle meines Erachtens deutlich realistischere Werte an: Wer den Rahmen stündlich aktualisieren lässt, kommt auf besagte 6 Monate. Bei einem Aktualisierungsintervall von 8 Stunden landet man schon bei einem Jahr Laufzeit und bei einem einzigen Bildwechsel pro Tag sind es 1,5 Jahre.
Diese Angaben decken sich mit meinen Beobachtungen der Akkuanzeige – die hat sich nämlich noch gar nicht bewegt. Ich denke daher, dass man den Angaben in der App trauen kann (zumindest wenn man Batterien verwendet, die sich nicht großartig selbst entladen).
Made in Germany & Open Source
Ein wichtiger Punkt beim Paperlesspaper OpenPaper 7 ist übrigens nicht nur die Technik selbst, sondern auch die Herkunft des Projekts. Hinter „Paperlesspaper“ steckt ein kleines deutsches Unternehmen mit Sitz in Leipzig. Dort erfolgt neben der Entwicklung auch der Zusammenbau der Bilderrahmen in Handarbeit. Einige (3D-gedruckte) Teile werden vom Team selbst direkt in Leipzig hergestellt. Die ab Werk verbauten Batterien stammen ebenfalls aus Deutschland, nämlich von Varta.
Die Software wird damit natürlich auch in Deutschland entwickelt, man hält sich an die hierzulande geltenden (Datenschutz-)Regelungen und es gibt deutsche Ansprechpartner. Zudem verfolgt Paperlesspaper einen Open Source-Ansatz, sodass man – entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt – mit dem Bilderrahmen alles anstellen kann, was man will. Dadurch lässt sich der Bilderrahmen beispielsweise auf Wunsch auch ohne die Server des Herstellers betreiben oder bereits jetzt eine Offline-Funktionalität einbauen. Einen eigenen Developer Guide stellt man hier bereit und auf Github legt man zudem die komplette Hard- und Software offen.
Gerade bei digitalen Bilderrahmen ist das inzwischen tatsächlich ein relevanter Punkt. Viele Konkurrenzprodukte hängen vollständig an irgendwelchen anonymen Cloud-Diensten oder Apps fragwürdiger Qualität. Beim Paperlesspaper-Ansatz hat man eher das Gefühl, dass hier ein deutsches Produkt mit langfristiger Plattform-Idee entstehen soll und nicht einfach nur schnell Hardware verkauft wird.
Das alles macht den Bilderrahmen natürlich nicht automatisch perfekt – die Einschränkungen aktueller Farb-E-Ink-Displays bleiben weiterhin sichtbar und auch die bisher noch nicht umgesetzte Offline-Funktion ist schade. Trotzdem hebt sich das Gesamtpaket durch die vielen kleinen Details angenehm von vielen Geräten aus Fernost ab. Sollte man eines Tages auch Inhalte lokal auf dem Bilderrahmen speichern können, dann ist dieses Modell von Paperlesspaper mit Abstand der beste und vor allem zukunftssicherste E-Ink-Bilderrahmen und auf dem Markt. Preislich liegt man mit einer UVP von 190 Euro für das 7-Zoll-Modell (hier geht’s zur Herstellerseite) und derzeit 340 Euro für das kommende 13-Zoll-Modell absolut im Rahmen der Konkurrenz. Bei der angegebenen Lieferzeit muss man derzeit übrigens tatsächlich mit „bis zu 2 Wochen“ rechnen.














Ich finde, es gibt viel zu wenig Hardware mit E-Ink-Display.
Hier habe ein Gerät das super zu lesen ist!
https://www.mi.com/de/product/xiaomi-temperature-and-humidity-monitor-clock/
„E-Ink“ hat in dem Bereich quasi ein Monopol. Dadurch sind die Panels sehr, sehr teuer und in vielen Produkten einfach nicht wirtschaftlich einsetzbar. Deswegen sind diese Bilderrahmen ja auch so teuer.