Elegoo Neptune 4 Max im Test: Wenn Größe wichtiger ist als Geschwindigkeit

Großformat-3D-Drucker bewegen sich grundsätzlich außerhalb des klassischen Einsteigersegments. Sie versprechen maximale Freiheit beim Bauraum, bringen aber zwangsläufig technische Kompromisse mit sich. Der Elegoo Neptune 4 Max folgt genau diesem Prinzip. Statt auf moderne Core-XY-Mechanik oder eine geschlossene Bauweise zu setzen, konzentriert sich Elegoo auf das, was den Drucker klar von vielen Alternativen abhebt: einen außergewöhnlich großen Bauraum. Mit 420 × 420 × 480 Millimetern richtet sich der Neptune 4 Max an Anwender, die große Bauteile in einem Stück drucken wollen – nicht an Nutzer, die primär Wert auf Geschwindigkeit, kompakte Bauform oder Hochtemperaturmaterialien legen.

Einordnung und Konzept

Der Neptune 4 Max ist kein technisches Statement, sondern ein Werkzeug. Elegoo bleibt bei einer klassischen kartesischen Bauweise mit bewegtem Druckbett und verzichtet bewusst auf komplexere Kinematiken. Damit positioniert sich der Drucker klar abseits moderner Core-XY-Modelle wie dem Anycubic Kobra S1, dem Creality K2 Pro oder dem hauseigenen Centauri Carbon, die auf geschlossene Systeme, höhere Beschleunigungen und App-Integration setzen.

Statt Vielfältigkeit an Materialen ist Größe die Stärke des Neptune 4 Max. Foto: Deskmodder

Der Fokus liegt stattdessen auf Volumen. Wer große Gehäuse, Vorrichtungen, Halterungen oder Dekorationen drucken möchte, findet hier einen Bauraum, der in dieser Preisklasse selten ist. Gleichzeitig muss man akzeptieren, dass große Druckflächen andere Anforderungen an Kalibrierung, Geduld und Fehlertoleranz stellen.

Aufbau, Verarbeitung und erster Eindruck

Schon beim Auspacken wird klar, dass es sich hier nicht um ein kompaktes Gerät handelt. Der Drucker kommt in einem entsprechend großen Karton, der logistisch bereits eine Herausforderung darstellen kann. Trotz eines offensichtlich teils nicht ganz so sanften Transports zeigte sich das Testgerät unbeschädigt, was für eine stabile Verpackung spricht – auch wenn viel Verpackungsmaterial anfällt.

Die kartesische Bauweise des Neptune 4 Max sorgt leider für eine zumindest optisch nicht ganz optimale Kabelführung. Foto: Deskmodder

Der Aufbau ist weitgehend vormontiert und in überschaubarer Zeit erledigt. Mechanisch wirkt der Neptune 4 Max solide, ohne übermäßig massiv zu sein. Das ist kein Kritikpunkt, sondern Teil der Ausrichtung: Elegoo zielt auf ein bezahlbares Großformat, nicht auf industrielle Steifigkeit. Alle relevanten Komponenten sind sauber montiert, Kabel ordentlich geführt, grobe Verarbeitungsmängel traten im Test nicht auf.

Mechanik und Druckbett: Größe hat ihren Preis

Die größte Stärke des Neptune 4 Max ist zugleich seine größte technische Herausforderung. Ein Druckbett dieser Größe lässt sich konstruktionsbedingt nur schwer absolut plan halten. Im Test zeigte sich, dass die Platte nicht vollständig eben ist – ein Umstand, der bei Großformat-Druckern keine Ausnahme darstellt. In der Praxis bedeutet das: sorgfältiges Leveling ist Pflicht. Kleinere Unebenheiten lassen sich durch angepasste erste Layer, erhöhten Flow oder den Einsatz eines Rafts ausgleichen. Wer jedoch erwartet, dass ein Druckbett dieser Größe ohne Nacharbeit perfekt funktioniert, wird enttäuscht. Im Vergleich dazu haben Core-XY-Drucker wie dem Kobra S1, dem K2 Pro oder eben auch dem Centauri Carbon mit feststehender Bauplattform konstruktionsbedingt Vorteile bei Präzision und Wiederholgenauigkeit. Diese Systeme bewegen allerdings deutlich weniger Bauraum und spielen preislich in einer anderen Klasse –meist bezogen auf das Verhältnis von Größe zu Kosten.

Druckpraxis und Materialeinsatz

Ist der Drucker sauber eingerichtet, liefert der Neptune 4 Max ordentliche Ergebnisse. PLA lässt sich problemlos verarbeiten, PETG ebenfalls mit überschaubarem Aufwand. Die offene Bauweise setzt dem Materialeinsatz jedoch klare Grenzen. Für technische ABS oder ASA fehlt ohne Einhausung die thermische Stabilität, was sich in Warping und Haftungsproblemen äußert. Gerade bei sehr großen Drucken ist Geduld gefragt.

 

Wenn der Neptune 4 Max gerade nicht druckt, eignet er sich auch wunderbar als warme Sitzfläche für die Katze des Hauses. ;-) Video: Deskmodder

Druckzeiten von mehreren Tagen sind keine Seltenheit. In dieser Zeit muss das System stabil laufen, und genau hier zeigt sich, ob Setup und Kalibrierung sauber durchgeführt wurden. Der Neptune 4 Max kann das leisten – verlangt dem Nutzer aber Aufmerksamkeit und Erfahrung ab.

Software, Klipper und fehlende Komfortfunktionen

Elegoo setzt beim Neptune 4 Max auf Klipper, was grundsätzlich eine gute Basis darstellt. Die Weboberfläche ist funktional, übersichtlich und erlaubt eine präzise Steuerung des Druckers. Eine dedizierte App fehlt jedoch vollständig. Im Gegensatz dazu bieten andere FDM-Drucker eine eigene App-Anbindung mit Push-Benachrichtigungen, Fernsteuerung und integriertem Monitoring. Dieser Komfort bleibt beim Neptune 4 Max aus. Auch eine integrierte Kamera sucht man ab Werk vergeblich.

Statt einem festen Display setzt Elegoo beim Neptune 4 Max auf eine abgesetzte Bedieneinheit. Foto: Deskmodder

Das ist angesichts der langen Druckzeiten ein Nachteil, lässt sich jedoch relativ einfach kompensieren. Über USB kann problemlos eine Webcam angebunden und in Klipper integriert werden, sodass eine Fernüberwachung möglich ist. Elegant ist das nicht, funktional aber ausreichend.

Klare Abgrenzung zu Core-XY-Druckern

Ein direkter Vergleich mit Core-XY-Druckern ist nur bedingt sinnvoll, verdeutlicht aber die Zielgruppe. Geräte wie der Kobra S1 oder der K2 Pro sind schneller, kompakter, besser für technische Materialien geeignet und bieten mehr Komfortfunktionen. Sie richten sich an Anwender, die Präzision und Geschwindigkeit priorisieren. Der Neptune 4 Max hingegen adressiert Nutzer, für die der Bauraum entscheidend ist. Kein Core-XY-Drucker in diesem Segment bietet vergleichbare Abmessungen, ohne preislich deutlich höher zu liegen oder in semiprofessionelle Bereiche vorzustoßen.

Das kostet der Neptune 4 Max

Preislich bewegt sich der Elegoo Neptune 4 Max im Bereich klassischer Mittelklasse-Großformatdrucker. Im offiziellen Elegoo-Store wird das Gerät aktuell für 439,00 Euro angeboten, während der Preis bei Amazon bei rund 456 Euro liegt. Angesichts des sehr großen Bauraums positioniert sich der Drucker damit vergleichsweise moderat, zumal Modelle mit ähnlichen Abmessungen häufig deutlich teurer ausfallen. Gleichzeitig sollte man einkalkulieren, dass der Fokus klar auf dem Druckvolumen liegt und nicht auf Komfortfunktionen oder einer geschlossenen Bauweise.

Fazit: Spezialist statt Allrounder

Der Elegoo Neptune 4 Max ist kein Drucker für jeden – und will es auch nicht sein. Er verzichtet auf moderne Komfortfunktionen, App-Integration und geschlossene Bauweise. Dafür bietet er einen Bauraum, der in dieser Preisklasse nahezu einzigartig ist. Wer große Bauteile am Stück drucken möchte und bereit ist, Zeit in Kalibrierung und Setup zu investieren, erhält mit dem Neptune 4 Max ein funktionales Werkzeug mit klarem Einsatzzweck. Wer hingegen Geschwindigkeit, maximale Präzision oder problemlose Verarbeitung anspruchsvoller Materialien sucht, ist mit einem modernen Core-XY-System besser beraten. Kurz gesagt: Der Neptune 4 Max ist kein High-End-Drucker, sondern ein ehrlicher Spezialist. Seine größte Stärke ist die Größe – und genau daran muss man ihn messen.

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