Die Sperre von Anthropics KI-Modellen Mythos und Fable 5 bekommt eine neue Wendung. Nach einem Bericht sollen die Exportbeschränkungen der US-Regierung nicht nur mit einem möglichen Jailbreak von Fable 5 zusammenhängen. Demnach soll es auch Hinweise oder Befürchtungen gegeben haben, dass eine mit China verbundene Gruppe Zugriff auf das leistungsstarke Mythos-Modell erhalten haben könnte. Anthropic hatte zuvor erklärt, die US-Regierung habe den Zugriff auf Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Staatsangehörige untersagt. Betroffen wären damit auch ausländische Mitarbeiter des Unternehmens gewesen. Anthropic entschied sich daraufhin, beide Modelle vollständig vom Markt zu nehmen. Andere Modelle des Unternehmens sollen nicht betroffen sein.
Mythos war nur für ausgewählte Kunden gedacht
Mythos gilt als besonders leistungsfähiges Modell für sicherheitsrelevante Aufgaben, vor allem im Bereich Softwareanalyse und Schwachstellensuche. Genau deshalb war der Zugriff nach bisheriger Darstellung streng begrenzt. Das Modell sollte ausgewählten Unternehmen helfen, Sicherheitslücken zu finden und zu schließen, ohne die Fähigkeiten breit verfügbar zu machen.
Ein möglicher Zugriff durch eine China-nahe Gruppe wäre aus Sicht der USA daher sicherheitspolitisch brisant. Neben der direkten Nutzung solcher Fähigkeiten steht auch ein anderes Risiko im Raum: Ein fremder Akteur könnte versuchen, das Verhalten des Modells nachzubilden oder Teile seiner Fähigkeiten durch sogenannte Distillation auf eigene Systeme zu übertragen.
Anthropic verweist auf Jailbreak-Debatte
Offiziell hatte Anthropic den Vorgang vor allem mit einem angeblich engen, nicht universellen Jailbreak beschrieben. Nach Darstellung des Unternehmens ging es nicht um eine Methode, mit der sich die Schutzmechanismen des Modells breit umgehen lassen. Vielmehr sei eine bestimmte Technik vorgeführt worden, mit der kleinere, bereits bekannte Schwachstellen gefunden werden konnten.
Anthropic hält die Sperre deshalb für unverhältnismäßig. Das Unternehmen verweist darauf, dass vergleichbare Fähigkeiten auch bei anderen öffentlich verfügbaren Modellen zu finden seien. Zudem habe man Fable 5 vor dem Start umfangreich getestet und keine universelle Jailbreak-Methode festgestellt.
US-Regierung sieht Sicherheitsrisiko
Aus dem Umfeld der US-Regierung wird die Lage offenbar anders bewertet. Neben dem Jailbreak soll auch der mögliche Zugriff auf Mythos eine Rolle gespielt haben. Unklar bleibt allerdings, wie die Regierung davon erfahren haben soll, welche Organisation Zugriff gehabt haben könnte und ob tatsächlich Daten, Modellfunktionen oder nur Nutzungszugänge betroffen waren. Ein Berater der US-Regierung hatte öffentlich erklärt, die Behörden seien vor einem möglichen Jailbreak gewarnt worden. Anthropic habe das Risiko aus seiner Sicht nicht ausreichend behoben. Daraufhin seien Exportkontrollen verhängt worden, die den Zugriff nur noch US-Bürgern erlaubt hätten. Für Anthropic war das offenbar praktisch nicht umsetzbar, weshalb der Zugang für alle Nutzer beendet wurde.
Streit über Kontrolle von Frontier-Modellen
Der Fall zeigt, wie schnell sich KI-Sicherheit, Exportkontrolle und geopolitische Interessen überschneiden. Bei normalen Chatbots geht es oft um Missbrauch, Datenschutz oder Urheberrecht. Bei Modellen mit starken Fähigkeiten zur Codeanalyse und Schwachstellensuche kommt eine andere Ebene hinzu. Solche Systeme können Verteidiger unterstützen, aber auch Angreifern helfen, wenn Schutzmechanismen umgangen oder Zugriffsbeschränkungen versagen.
Für Anthropic ist der Vorgang heikel. Das Unternehmen betont seit Jahren den eigenen Sicherheitsanspruch und fordert selbst strengere Regeln für besonders leistungsfähige KI-Systeme. Nun steht ausgerechnet ein eigenes Modell im Zentrum eines staatlichen Eingriffs. Ob die Sperre nur ein kurzfristiger Konflikt bleibt oder zum Präzedenzfall für weitere Exportkontrollen wird, hängt nun auch davon ab, welche Belege die US-Regierung und Anthropic in den kommenden Tagen vorlegen.

Der Geist ist nun mal aus der Flasche und lässt sich nicht mehr einfangen.
Eine Sperre/Verbot bringt meiner Meinung nach auf lange Sicht nichts.
Man muss sehen, wie damit umgegangen werden kann bzw. muss.