Das Internet ist für uns alle Neuland: Weniger Online-Zeit, mehr Interesse an KI

Die Deutschen verbringen weiterhin sehr viel Zeit im Internet. Ganz so stark wie im vergangenen Jahr fällt die Nutzung aber nicht mehr aus. Nach der aktuellen Postbank Digitalstudie 2026 liegt die durchschnittliche Online-Zeit bei 67,4 Stunden pro Woche. Im Vorjahr waren es noch 71,8 Stunden.

Symbolfoto: pexels

Kleiner, aber messbarer Rückgang

Der Rückgang fällt nicht dramatisch aus, ist aber bemerkenswert. Denn über Jahre kannte die Entwicklung fast nur eine Richtung. Mehr Geräte, mehr Dienste, mehr Bildschirmzeit. Nun zeigt sich zumindest eine gewisse Korrektur. Ein Teil der Nutzer will private Online-Zeit bewusster einsetzen. Gleichzeitig sorgt Künstliche Intelligenz dafür, dass digitale Angebote für viele wieder interessanter werden.

Für die Postbank Digitalstudie 2026 wurden bundesweit 3.050 Personen befragt. Weil die Untersuchung bereits seit 2015 läuft, lassen sich die aktuellen Ergebnisse auch mit früheren Jahren vergleichen.

Das Smartphone bleibt vorn

Beim Zugang zum Internet führt am Smartphone weiter kaum ein Weg vorbei. 86 Prozent der Befragten nutzen ihr Mobiltelefon regelmäßig, um online zu gehen. Notebooks und Laptops folgen mit 66 Prozent. Der Desktop-PC kommt noch auf 46 Prozent. Tablets und Smart-TVs liegen jeweils bei 44 Prozent.

Große Verschiebungen gibt es bei den Geräten kaum noch. Seit etwa zwei Jahren bleiben die Werte weitgehend stabil. Das ist auch deshalb interessant, weil neue Gerätekategorien in den vergangenen Jahren immer wieder als nächste große Plattform gehandelt wurden. In der Breite hat sich das bisher nicht erfüllt. Sprachassistenten und Wearables werden zwar genutzt, prägen den Alltag aber deutlich weniger als Smartphone, Notebook oder klassischer PC.

Unter 40-Jährige bleiben besonders lange online

Besonders hoch ist die Internetnutzung weiterhin bei den unter 40-Jährigen. Sie kommen auf mehr als 80 Stunden pro Woche. Gleichzeitig ist in dieser Gruppe der Wunsch am größten, die private Nutzung wieder stärker einzuschränken. Insgesamt wollen 17 Prozent der Befragten ihre private Internetzeit reduzieren. Bei den unter 40-Jährigen sind es 31 Prozent. Genannt werden vor allem der Wunsch nach mehr Zeit für andere Dinge, weniger Ablenkung und geringere gesundheitliche Belastung. Auch Konzentration, Produktivität und persönliche Treffen spielen eine Rolle.

Das klingt nicht nach digitalem Rückzug. Eher nach Ernüchterung. Das Internet bleibt selbstverständlich, aber es soll weniger beiläufig laufen. Viele Nutzer wollen offenbar wieder stärker selbst bestimmen, wann sie online sind und welche Dienste ihre Aufmerksamkeit bekommen.

KI treibt neue Nutzung an

Parallel dazu bleibt das Interesse an neuen digitalen Angeboten hoch. Der stärkste Treiber ist inzwischen Künstliche Intelligenz. Wer das Internet künftig intensiver nutzen möchte, nennt vor allem KI-Angebote wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity. 51 Prozent dieser Gruppe wollen solche Dienste stärker verwenden. Damit liegt KI vor Streaming, klassischer Informationssuche, YouTube und sozialen Netzwerken. Das zeigt, wie schnell sich der Schwerpunkt verschoben hat. Vor wenigen Jahren waren KI-Dienste noch ein Spezialthema. Heute gehören sie für viele bereits zur normalen Internetnutzung.

Auch bei der Suche nach Informationen ist der Wandel sichtbar. 38 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig KI-gestützte Suche. Messenger-Dienste und klassische Suchmaschinen bleiben zwar die meistgenutzten Angebote. Der Abstand wird aber kleiner, zumindest bei der Art, wie Nutzer Informationen erwarten.

Suchmaschinen geraten unter Druck

Für klassische Suchmaschinen ist diese Entwicklung relevant. Wer seine Fragen direkt an ein KI-System stellt, arbeitet sich nicht mehr zwangsläufig durch Trefferlisten. Die Antwort steht sofort im Vordergrund. Das verändert nicht nur die Nutzung, sondern auch die Erwartung an digitale Informationsdienste. Problematisch bleibt die Zuverlässigkeit. KI-Systeme können schnell formulieren, aber sie können auch überzeugend falsch liegen. Gerade bei Finanz-, Gesundheits- oder Rechtsthemen ist das keine Kleinigkeit. Dort braucht es weiterhin belastbare Quellen und eine saubere Prüfung der Angaben.

Die Postbank Digitalstudie 2026 beschreibt damit keinen Abschied vom Netz. Sie zeigt eher eine neue Sortierung. Die Online-Zeit sinkt etwas, das Smartphone bleibt die wichtigste Plattform und Künstliche Intelligenz wird zum stärksten Grund, digitale Angebote künftig häufiger zu nutzen. Für Anbieter digitaler Dienste ist das eine klare Botschaft: Aufmerksamkeit bleibt wertvoller denn je.

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