Die Umsetzung des Digital Services Act gewinnt in Deutschland spürbar an Tempo. Mit dem jetzt vorgelegten Tätigkeitsbericht für 2025 gibt der Digital Services Coordinator bei der Bundesnetzagentur einen Einblick in die praktische Arbeit hinter der Plattformregulierung. Auffällig ist vor allem die gestiegene Zahl an Eingaben: Mehr als 2000 Beschwerden sind im vergangenen Jahr über das Portal eingegangen. Das zeigt, dass Nutzer zunehmend bereit sind, Entscheidungen von Plattformen nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv überprüfen zu lassen.
Mehr Beschwerden, mehr Verfahren
Ein Großteil dieser Beschwerden dreht sich um Moderationsentscheidungen. Immer wieder geht es um gesperrte Konten, entfernte Inhalte oder um Fälle, in denen Nutzer genau das Gegenteil kritisieren, nämlich das Ausbleiben einer Löschung. Hinzu kommt ein strukturelles Problem, das sich durch viele Rückmeldungen zieht: Die Meldewege gelten als schwer verständlich oder unnötig kompliziert. Gerade bei mutmaßlich rechtswidrigen Inhalten wird das für Betroffene schnell zum praktischen Hindernis.
Fokus auf große Plattformen
Ein Blick auf die betroffenen Anbieter zeigt, dass sich viele Verfahren auf sehr große Plattformen konzentrieren. Diese haben ihren Sitz oder zumindest ihre zentrale Anlaufstelle häufig in Irland, weshalb ein erheblicher Teil der Beschwerden dorthin weitergereicht wird. Die Praxis verdeutlicht, wie stark die Aufsicht inzwischen europäisch organisiert ist. Nationale Behörden agieren nicht isoliert, sondern als Teil eines abgestimmten Systems.
Parallel dazu bleibt die Bundesnetzagentur auch im eigenen Zuständigkeitsbereich aktiv. Im Laufe des Jahres wurden 26 Verwaltungsverfahren eingeleitet. Im Fokus stehen dabei immer wieder dieselben Schwachstellen: unzureichende Melde- und Abhilfeprozesse, lückenhafte Begründungen für Plattformentscheidungen sowie Defizite im internen Beschwerdemanagement. Bei Online-Marktplätzen kommt zusätzlich die Frage hinzu, ob Händler ausreichend identifizierbar sind.
Zusammenarbeit auf EU-Ebene
Die Arbeit endet jedoch nicht an der Landesgrenze. In mehreren Fällen hat sich der deutsche DSC an Verfahren der EU-Kommission beteiligt und diese unterstützt. Gerade bei global agierenden Plattformen ist eine abgestimmte Vorgehensweise unverzichtbar, weil nationale Maßnahmen allein schnell an ihre Grenzen stoßen würden. Entsprechend wächst die Bedeutung der Kooperation zwischen den Aufsichtsstellen innerhalb der EU.
Gleichzeitig zeigt sich, dass nationale Behörden zunehmend Verantwortung übernehmen und als Schnittstelle zwischen Nutzern, Plattformen und europäischen Institutionen agieren. Der DSC fungiert dabei als zentrale Anlaufstelle für Beschwerden und koordiniert die Zusammenarbeit mit anderen Behörden.
Zertifizierungen und neue Strukturen
Neben der klassischen Aufsicht rückt der Aufbau ergänzender Strukturen stärker in den Vordergrund. So wurden im Berichtszeitraum weitere Stellen zertifiziert, darunter eine zusätzliche Einrichtung für außergerichtliche Streitbeilegung sowie mehrere sogenannte Trusted Flagger. Diese Organisationen übernehmen eine besondere Rolle, weil ihre Hinweise von Plattformen bevorzugt behandelt werden müssen. Damit entsteht eine Art Schnellspur für besonders relevante Meldungen.

Ich sehe es buchstäblich vor meinen Augen:
„Mein Nachbar hat was gepostet, was mir nicht in den Kram passt. Gleich melden, den alten Fakenews-Schwurbler. Oh, und seinen Rasen hat er auch nicht gemäht und sein Auto wäscht der immer auf seinem Grundstück. Das ist verboten! Dem drücke ich mal so richtig einen rein. Das hagelt Anzeigen und Meldungen; der wird seines Lebens nicht mehr froh!“
Dabei weiss doch eigentlich jeder: Der grösste Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant. Und so melden wir uns fleissig alle gegenseitig, weil wir gute, aufmerksame Bürger sind, bis es uns mal selber trifft, weil irgendwem irgendwas nicht passt.
Mich würde ja mal interessieren, was so ein Trusted Flagger tatsächlich macht und wer den bezahlt. Ist das sowas wie ne Politesse für’s Internet? Reicht es dann, wenn ich meinen Avatar durch einen Aufkleber der Polizeigewerkschaft ersetze, damit ich kein Internet-Knöllchen bekomme? Ernsthaft, Struktur und Regeln sind wichtig, ja, aber so wird das nichts. Das führt nur dazu, dass man die Zensurmaschine vorantreibt. Denn wenn die EU-Kommission eines besonders gut kann, dann funktionierende Dinge kaputtregulieren.