Der automatische Fahrzeugnotruf wird in Deutschland technisch umgestellt. In den Mobilfunknetzen von Telefónica Germany, Deutsche Telekom und Vodafone Deutschland ist ab sofort das neue Verfahren Next Generation Emergency Call (NG eCall) aktiv. Damit endet die ausschließliche Abhängigkeit des Auto-Notrufs von der alten GSM-Technik.

Abschied von GSM als Grundlage
Bislang lief der verpflichtende Fahrzeugnotruf d ausschließlich über das 2G-Netz. Diese Technik ist zwar robust, gilt jedoch als überholt und steht bei den Netzbetreibern vor dem Auslauf. NG eCall nutzt stattdessen moderne Mobilfunkstandards. Die Verbindung wird über LTE aufgebaut, perspektivisch auch über 5G. Das bisherige eCall-System bleibt parallel weiter nutzbar. Fahrzeuge, die NG eCall noch nicht unterstützen, setzen weiterhin einen klassischen Notruf ab. Erst wenn Fahrzeug und Leitstelle das neue Verfahren beherrschen, kommt die neue Technik zum Einsatz.
Schnellere Verbindung, erweiterte Daten
Der neue Notrufstandard beschleunigt vor allem den Verbindungsaufbau. Sprachverbindungen zur Leitstelle kommen schneller zustande, Standort- und Fahrzeugdaten werden zügiger übertragen. Technische Einschränkungen des alten Systems entfallen. Langfristig eröffnet NG eCall zusätzliche Möglichkeiten. Über die leistungsfähigeren Netze könnten – sofern rechtlich zulässig und vom Fahrer freigegeben – weitere Informationen übermittelt werden. Dazu zählen etwa Fahrzeugzustand oder medizinische Basisdaten der Insassen. Auch visuelle Informationen wären technisch denkbar.
Netzübergreifender Start
Der Start erfolgt abgestimmt über alle großen Mobilfunknetze hinweg. 1&1 beteiligt sich derzeit nicht, da aktuell keine entsprechenden Vereinbarungen mit Fahrzeugherstellern bestehen. Eine spätere Umsetzung gilt jedoch als möglich.
Gesetzliche Vorgaben ab 2026
NG eCall ist seit Januar 2026 für neue Fahrzeugmodelle Voraussetzung für die EU-Zulassung. Ab dem kommenden Jahr muss das System in allen neu zugelassenen Fahrzeugen verbaut sein. Der Netzstart ist damit eine notwendige Grundlage für die Umsetzung der neuen Vorgaben. Der Zeitpunkt ist auch mit Blick auf den Netzausbau relevant. Die 3G-Netze sind in Deutschland bereits abgeschaltet. Die 2G-Abschaltung ist bei den Netzbetreibern terminiert: Vodafone plant sie für 2028, hält GSM für kritische Anwendungen wie eCall jedoch bis mindestens 2030 offen. Die Telekom will ihr 2G-Netz im Juni 2028 abschalten. Telefónica hat bislang keinen konkreten Zeitplan veröffentlicht.