Gigaset GS4 im Test: Nachhaltigkeit & austauschbarer Akku

Nachdem wir bereits im August 2020 das Gigaset GS290 unter die Lupe genommen habe, folgt nun der theoretische Nachfolger in Form des Gigaset GS4. Seit 2018 fertigt das Bocholter Unternehmen, welches vor Allem für DECT-Mobilteile bekannt ist, auch Smartphones mit dem Slogan „Made in Germany“. Das GS4 ist ein Upgrade gegenüber des GS290, aber ist es auch so viel besser?

Leider fällt auch bei diesem Smartphone wieder auf, dass es sehr dick ist. Der Akku bei Gigaset-Smartphones ist immer sehr groß. Leider geht das auf die Schwere und Größe des Geräts und somit ist es mit einer Tiefe von 9,8mm schon ein „Brocken“. Auch das Gewicht von 206g ist enorm. Zum Vergleich: Ein iPhone 12 hat eine Dicke/Tiefe von 7,4mm und wiegt dabei nur 162 g, hat allerdings einen deutlich kleineren Akku.

Ich werde den Testbericht, wie gewohnt, in mehrere Kategorien aufteilen. So könnt ihr euch durchklicken, was euch am wichtigsten erscheint. Ich bin für Kritik und Informationen offen, also immer her damit! :-)

Gigaset GS4

Technische Daten

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      • Artikelname: Gigaset GS4
      • Plattform / OS Version: Android™ 10
      • Benutzeroberfläche: Android™ 10
      • Entsperren per Gesichtserkennung: Ja
      • Fingerabdrucksensor: Ja
      • Kameras
      • Hauptkamera (Foto Features): 16 MP Hauptkamera + 5 MP Weitwinkel + 2 MP Makro, Blende: F1.8 / F2.2 / F2.4, LED-Blitz
      • Hauptkamera (Video Features): Full HD 1080p (1920 x 1080 Pixel)
      • Frontkamera: 13 MP
      • Smart Features
      • Wireless Charging (kabelloses Laden)
      • NFC
      • OTG (USB on the go): Anschließen von externen Geräte, wie z.B. USB-Stick, USB-Maus, USB-Tastatur etc., Verwendung des Smartphones als Power Bank zum Laden von externen Geräten (umgekehrter Ladevorgang)
      • Anzeige
      • Bildschirmgröße: 6,3‘/ 16 cm, 14,5 x 6,7 cm
      • Auflösung: 2340 x 1080 Pixel
      • Oberfläche
      • Material: 2,5D Glas mit kratzfester und schmutzabweisender Oberfläche
      • Typ: FHD+ V-Notch Display
      • Anzahl Farben: 16,7 Mio.
      • Kapazitiver Touchscreen
      • Multi-Point (bis zu 5 Touchpoints)
      • Pixeldichte: 410 PPI
      • Kontrast: 1500:1
      • Helligkeit: 430 cd/m² (min.) / 450 cd/m² (typ.)
      • Sensoren
      • Sensortypen: Lagesensor, Näherungssensor, Helligkeitssensor, Geometrischer Sensor (E-Kompass), Gyroskop-Sensor
      • Konnektivität
      • Unterstützte Frequenzbänder: GSM / 2G: 850 / 900 / 1800 / 1900 MHz, UMTS / 3G: 900 / 2100 MHz, FDD / LTE / 4G: 800 / 850 / 900 / 1800 / 2100 / 2600 MHz
      • Voice over LTE (VoLTE)
      • Voice over Wifi (VoWiFi)
      • WLAN
      • IEEE 802.11 a/b/g/n 2,4GHz und 5GHz
      • Bluetooth®
      • Bluetooth® Version 5.0
      • Anschlüsse
      • Dual-SIM: 2 Nano-SIM-Karten oder 1 Nano-SIM und eine Speicherkarte
      • USB-Schnittstelle: Typ C
      • USB-Version: 2.0
      • Kopfhöreranschluss: 3,5 mm
      • Navigation
      • Navigationseigenschaften: A-GPS, GPS, Glonass
      • Akku
      • Batterietyp: Lithium Polymer Akku
      • Kapazität: 4300 mAh (typ.) / 4,4 V
      • Batterieverbrauch (Beispiele): Standby bis zu 350 Std. mit einer SIM-Karte, Standby bis zu 240 Std. mit zwei SIM-Karten, Sprechzeit bis zu 25 Std. (3G/4G)
      • Ladegerät
      • Ausgangsleistung: 5V / 2A (optional 9V / 2A PE+ bis zu 18W Schnellladung)
      • Ladezeiten: ca. 2 Std.
      • Prozessor / Chipset
      • CPU: MediaTek Helio P70 Octa-Core MT6771
      • CPU Geschwindigkeit: Bis zu 2,1 GHz, 4G LTE
      • Speicher
      • Interner Gerätespeicher: 64 GB
      • RAM Arbeitsspeicher: 4 GB
      • Speichererweiterung: ≤ 512 GB
      • Gehäuse
      • Maße: 157 mm (H), 75 mm (B), 9,8 mm (T)
      • Gewicht: 206 g
      • Im Lieferumfang enthalten
      • Ausstattung: 1 Gigaset GS4, 1 Ladegerät (USB 2.0), 1 SIM Karten Nadel, 1 USB Typ-C Kabel, 1 Quick Start Guide

Aussehen und Verpackung

Das GS4 kam in einer umweltfreundlichen Verpackung, welche allerdings nicht mehr die „Freundlichkeit“ des GS290 aufweist. Der Karton ist farbig, hat aber ein „Climate neutral“-Logo auf der Rückseite. Das wirkte auf den ersten Blick sehr durchdacht und hat mich auch sehr gefreut, dass ein Hersteller auf so etwas achtet. Auch in der Verpackung wurde so gut wie kein Plastik verwendet. Außer das Ladekabel und Netzteil ist alles aus Papier/Pappe. Sehr erfreulich. Unterschied zum GS290: Es gibt keine Schutzhülle mehr.

Gigaset selbst schreibt auf der Webseite: „Das Gigaset GS4 zum Beispiel liefern wir in einer Verpackung aus recyclingfähigen und kompostierbaren Grasfasern. Dieser schnell nachwachsende Rohstoff wird aus lokalen Quellen bezogen und kommt mit deutlich geringeren CO2-Emissionen und auch deutlich reduziertem Wasser- und Energieverbrauch bei der Herstellung aus. Zusätzlich verzichten wir im Verpackungsinnern bis auf die Adhäsionsfolie zum Schutz des Displays vollständig auf Plastik.“

Das Smartphone selbst ist bereits auf der Verpackung abgezeichnet und entspricht (fast) der Originalgröße. Vorne sieht man die Displayform und die Kameras auf der Rückseite, hinten werden die LTE-Bänder dargestellt und mehrere Klima-Zertifizierungen. Obwohl Gigaset ein deutscher Hersteller ist, werden die „Highlights“ des Geräts auf englisch gedruckt.

Das Smartphone ist in zwei Farben erhältlich. Einmal in schwarz und in weiß, wie oben auf dem Coverbild zu sehen ist. Ich habe das Gerät in schwarz erhalten. Das Gerät ist relativ schwer und wirkt auch klobig. Klar ist der Akku durchaus ein Highlight des Geräts, allerdings ist so ein Klopper nicht für jeden was. Es wirkt ein wenig so, als wäre es schon ein paar Jahre länger auf dem Markt.

Die Rückseite kann man entfernen und so den Akku tauschen. Das ist gut, kommt allerdings heute selten vor. Wenn die Software irgendwann nicht mehr mitspielt, wird man das Handy nicht mit einem neuen Akku ausstatten. Gigaset muss lernen: Software hat auch was mit Nachhaltigkeit zu tun – siehe Apple, Samsung oder Google.

Die 6,3 Zoll Bildschirm werden relativ gut genutzt. Ein etwas größerer Rand ist an der Unterseite des Displays vorhanden, aber grundsätzlich wird die Vorderseite vom Display (mit Notch) ausgeleuchtet. Auf der rechten Seite befinden sich Lautstärkewippe und On/Off-Knopf, mit sehr gutem Druckpunkt. An der Unterseite ist der Mono-Lautsprecher, die USB-C-Ladebuchse, ein Mikrofon und der AUX-Ausgang vorhanden. Die Oberseite hat nichts zu bieten, an der linken ist der Hybrid-Slot zu finden.

Die Rückseite ist aus Glas und damit zwar sehr glatt, wenn man keine Schutzhülle verwendet, aber scheint relativ robust zu sein. Was sehr erfreulich ist: Die Kamera(s) sind bündig mit der Rückseite und stehen somit nicht hervor. Ebenso kann man bei Gigaset diesmal nicht nur eine eigene Gravur auf das Smartphone setzen, sondern sofort auch ein individuelles Foto – für 15€ Aufpreis.

Einrichtung & Software

Das Smartphone wurde in meinem Fall mit Android 10 ausgeliefert. Ein Update auf Android 11 wäre natürlich wünschenswert, vor allem weil der Hersteller von Langelebigkeit und Nachhaltigkeit spricht, allerdings ist die Antwort der Pressestelle enttäuschend:

"Das GS4 wird Sicherheitsupdates im Zeitraum von 2 Jahren garantiert bekommen."

Der Vorgänger, das GS290 hat ebenfalls nur ein Update auf Android 10 erhalten und somit nur ein großes Major-Update. Das ist heutzutage überhaupt nicht mehr konkurrenzfähig, vor allem weil Hersteller wie Samsung und Xiaomi immer mehr auf Software setzen und sich in der Hinsicht mehr als verbessert haben.

Was allerdings krass ist: Das Smartphone ist zwar grundsätzlich nicht teuer und auch nicht teurer als das GS290, aber das man exakt 1:1 die gleiche Hardware verbaut, bis auf ein paar Änderungen bei Akku und Kamera finde ich schon krass. Ich sehe überhaupt kein Alleinstellungsmerkmal (bis auf den wechselbaren Akku, dank Rückseite) und verstehe darüber hinaus erst recht nicht, wieso das GS290 dann kein Update auf Android 11 erhält, wenn es das GS4 auch bekommen sollte.

Die Einrichtung des Smartphones ging relativ problemlos vonstatten. Heutzutage sind das ja nur noch wenige, selbsterklärende Schritte zum Startbildschirm. Das Google-Konto wird abgefragt und auch Funktionen wie Fingerabdruck, Gesichtsentsperrung und SIM-Zuweisung gehören zur Erstinstallation dazu. Hier gibt es soweit keine besonderen Features.

Die Funktion „adaptiver Akku“ von Google scheint nicht im vollen Umfang vorhanden zu sein oder konkurriert mit „DuraSpeed“, der Eigenlösung von Gigaset in den Einstellungen. Zwar sind auch ganz nette Features dabei, sodass man die Navigationsleiste anpassen kann, sowohl farblich als auch funktionell.

Auch gibt es hier ein Feature, welches Applenutzer von früher bestens kennen dürften, dass man einen Punkt im Display hat um dort alle Funktionen aufzurufen. Das wurde bei iPhones gerne genutzt, wenn der Knopf zum Entsperren defekt war. Das ganze schimpft sich bei Gigaset „Smart Touch“. Ob das ein sinnvolles oder überflüssiges Feature ist, wo heute sowieso alles „indisplay“ ist, muss jeder selbst beantworten. Ich habe es nicht genutzt.

Hardware (Kamera, Ton etc.)

Wenn ich nun einen Vergleich ziehen muss und das tue ich auch, bin ich wieder etwas enttäuscht von dem ganzen Gerät. Die Hauptkamera, welche mit 16 MP auflöst macht zwar relativ gute Bilder, aber ein Top-Bild sieht anders aus. Da können Smartphones im ähnlichen Preisbereich oft mehr. Vor allem werden Videos nur in Full-HD gespeichert, was grundsätzlich ausreicht, aber nicht mehr zeitgemäß ist. Die Videostabilisation ist allerdings mehr schlecht als recht.

Auch hier gibt es wieder einen Modus für extra scharfe Bilder: Ja, der Modus macht bessere Bilder. Ja, der Unterschied ist gering. Ja, das Handy muss wieder einige Sekunden nachladen, damit Fotos gespeichert werden. Leider ist auch hier das Zusammenspiel von Software und Hardware miserabel. Wenn man sowas anbietet, sollte es auch zügig vonstatten gehen und nicht mit sekundenlangen Wartezeiten.

Nachtaufnahmen sind auch im Jahr 2021 noch schwierig, aber es gibt einige Modelle, die das schon sehr gut können. Ein Pixel 5 oder iPhone 12 ist natürlich nicht vergleichbar, aber die Leistung des Blitz und generell die Nachtaufnahmen sind eher wenig zu gebrauchen. Da würde ich das Handy in der Tasche lassen und es auch nicht unbedingt versuchen.

Neben der Hauptkamera gibt es beim Gigaset GS4 noch eine Weitwinkelkamera mit 5 MP und eine Makrolinse mit 2 MP.

Positiv: Es gibt alle wichtigen Standards. NFC, Bluetooth 5.0, WLAN AC und auch eine Klinkenbuchse ist noch an Board. Das Smartphone lässt sich sogar kabellos Laden, was nicht selbstverständlich ist. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite reagiert zügig, lässt sich aber anfangs schwierig ertasten. Man gewöhnt sich dran.

Der Mono-Lautsprecher hat eine gute Lautstärke wenn man zum Beispiel YouTube schaut oder Spotify hört. Er besitzt zwar nur wenig Bass, jedoch ist das bei vielen Smartphones sowieso nicht der Fall. Klar, mit meinem Pixel 5 bin ich etwas verwöhnt, aber das Gigaset GS4 macht die Arbeit tontechnisch solide.

Was das Smartphone etwas besser macht im Gegensatz zum GS290: Die Lautstärke der Ohrmuschel und des Lautsprechers während eines Telefonats sind gut. Ich hatte zwar beim Test keinen aktuellen Vergleich, aber ich fand es angenehm.

Ein nettes Feature für den Akku: Man kann eine Ladegrenze einstellen. Das ist löblich und bei so einem großen Akku auch nicht essenziell wichtig. Ich habe mich für 80% entschieden, um den Akku zu schonen. Ob er allerdings dadurch mehr geschont wird, ist fraglich…

Vergleich mit anderen Herstellern / Fazit

Das Gigaset GS4 ist ein gutes Mittelklasse-Smartphone für den gewöhnlichen Gebrauch. Für rund 230€ UVP gibt es aber schon ganz andere Kandidaten mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Hauptkamera kann gute Fotos schießen, allerdings mit einer langen Speicherdauer.

Der Prozessor des Geräts kommt öfter an seine Grenzen. Sei es bei Android Auto, bei der Kamera oder bei mehreren leistungshungrigen Apps. Im Normalfall starten alle Apps auch normal.

Der Akku ist ein Highlight. Wenn man das Handy gut nutzt, kommt man bestimmt auf 2 Tage Laufzeit oder mehr. Da hat Gigaset deutlich die Nase vorn. Jedoch macht der Akku alleine kein gutes Smartphone aus.

Ich persönlich würde das Gerät teilweise weiterempfehlen. Mir fehlt manchmal die Klarheit in der Software und auch die Performance und Qualität der wichtigsten Dinge ist meiner Meinung nach überschaubar und manchmal auch gar nicht gegeben.

Gigaset GS4 im Test: Nachhaltigkeit & austauschbarer Akku
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