Apple hat seine diesjährigen großen Betriebssystem-Updates freigegeben. iOS 27 und iPadOS 27 stehen ebenso zum Download bereit wie macOS 27 Golden Gate, watchOS 27, tvOS 27 und visionOS 27. Die neuen Versionen können ab sofort über die jeweilige Softwareaktualisierung installiert werden. Hinter den Systemen liegen gut drei Monate Entwicklung seit der WWDC 2026 im Juni. Anders als im vergangenen Jahr ging es Apple diesmal nicht darum, die Oberfläche erneut auf links zu drehen. Die Richtung war schon lange vor der Entwicklerkonferenz klar: weniger Baustellen aufmachen, vorhandene beseitigen. Entsprechend viel Arbeit steckt in Bereichen, von denen auf Screenshots wenig zu sehen ist. Apple hat unter anderem Speicherverbrauch, CPU-Auslastung, Suche und Netzwerkzugriffe angefasst. Dazu kommen Verbesserungen an Liquid Glass und natürlich Apple Intelligence. Siri AI ist ebenfalls Teil der neuen Generation – in Deutschland allerdings vorerst nur eingeschränkt.

iOS 27: Apple kümmert sich um den Unterbau
Wer von iOS 27 einen ähnlich großen optischen Sprung wie bei iOS 26 erwartet, wird ihn nicht bekommen. Liquid Glass bleibt und sieht weiterhin nach Liquid Glass aus. Apple hat die Oberfläche aber an einigen Stellen nachgebessert. Kontraste und Lesbarkeit wurden überarbeitet, App-Symbole sollen schärfer dargestellt werden. Außerdem lässt sich nun einstellen, wie transparent oder durchgefärbt Liquid Glass dargestellt werden soll. Das dürfte vor allem diejenigen freuen, denen Apples ursprüngliche Umsetzung schlicht zu viel Glas war.
Spannender ist diesmal ohnehin, was unter der Oberfläche passiert. Apple verspricht eine geringere CPU- und Speicherauslastung und hat sich einige alltägliche Vorgänge vorgenommen. Apps sollen bis zu 30 Prozent schneller starten, neue Bilder bis zu 70 Prozent schneller in der Fotomediathek auftauchen. Für AirDrop nennt Apple bis zu 80 Prozent schnellere Übertragungen. Das sind natürlich Werte unter Apples Testbedingungen und keine Garantie dafür, dass ein älteres iPhone plötzlich 30 Prozent schneller wirkt. Trotzdem passt es zur Marschrichtung von iOS 27. Apple versucht nicht, jede Änderung mit einer neuen Schaltfläche sichtbar zu machen. Auch bei der Geräteunterstützung gibt es eine gute Nachricht. iOS 27 läuft weiterhin auf dem iPhone 11 und neuer. Selbst das iPhone SE der zweiten Generation bleibt dabei. Geräte aus dem Jahr 2019 bekommen damit noch einmal die aktuelle Hauptversion. Bei Apple Intelligence sieht die Sache erwartungsgemäß anders aus. Hier bleibt mindestens ein iPhone 15 Pro oder iPhone 15 Pro Max beziehungsweise ein neueres Modell notwendig. Alle Geräte mit iOS 27 unterstützen dagegen die neue iPhone Handoff-Funktion. In Deutschland ist sie zum Start allerdings zunächst exklusiv bei der Telekom verfügbar.
Apple Intelligence wächst weiter – Siri AI bleibt das große Fragezeichen
Apple Intelligence zieht mit iOS 27 tiefer in bestehende Apps ein. Fotos, Nachrichten und Safari gehören zu den Bereichen, in denen Apple seine KI-Funktionen erweitert. Auch Visual Intelligence bekommt mehr Möglichkeiten und kann Inhalte auf dem Bildschirm erkennen und weiterverarbeiten. Der wesentlich wichtigere Punkt ist allerdings Siri AI. Apple will seinen Sprachassistenten endlich aus der Ecke holen, in der Siri in den vergangenen Jahren zunehmend festhing. Die neue Version soll Gespräche besser verstehen, komplexere Anfragen verarbeiten und den persönlichen beziehungsweise gerade sichtbaren Kontext stärker einbeziehen. Das klingt nach genau dem Umbau, den Siri seit Jahren benötigt. Nach den Verzögerungen der vergangenen Jahre reicht die Ankündigung allein allerdings nicht mehr. Apple muss diesmal liefern. Für Deutschland gilt das zunächst nur bedingt. Siri AI startet in der Europäischen Union nicht auf iPhone, iPad und Apple Watch. Apple hatte bereits im Juni erklärt, dass die tiefe Integration des Assistenten mit den Vorgaben des Digital Markets Act kollidiert. Eine Lösung gibt es bislang nicht. Wichtig dabei: Apple Intelligence als Ganzes wird in der EU nicht abgeschaltet. Die Einschränkung betrifft Siri AI. Auf dem Mac und der Vision Pro greift sie in dieser Form ebenfalls nicht. Damit entsteht zum Start eine etwas kuriose Situation. Apple macht Siri AI zu einem der wichtigsten Bestandteile der neuen Softwaregeneration, kann den Assistenten aber ausgerechnet auf seinen meistgenutzten Geräten nicht überall anbieten.
iPadOS 27 bekommt die gleiche Frischzellenkur
Beim iPad übernimmt Apple erwartungsgemäß viele Änderungen von iOS 27. Die Anpassungen an Liquid Glass sind ebenso dabei wie die Arbeiten an Speicherverbrauch, CPU-Auslastung und Rendering. Apple Intelligence wird auch hier stärker in die vorhandenen Apps eingebaut. Dazu kommen neue beziehungsweise ausgebaute Schutzfunktionen für Kinderaccounts. Interessanter ist fast, wie weit Apple die Geräteunterstützung zieht. Das iPad der neunten Generation bekommt iPadOS 27 ebenso wie das iPad mini 6 und das iPad Air der vierten Generation. Bei Apple Intelligence gelten wieder andere Regeln: Dafür wird mindestens ein M1 beziehungsweise beim iPad mini der A17 Pro benötigt. Siri AI bleibt auf dem iPad in der EU zunächst außen vor.
macOS 27 Golden Gate: Schluss mit Intel
Beim Mac gibt es diesmal einen klaren Schnitt. macOS 27 Golden Gate läuft ausschließlich auf Apple Silicon. Die letzten noch von macOS 26 unterstützten Intel-Macs sind raus. Überraschend kommt das nicht. Apple hat den Wechsel auf die eigenen Prozessoren 2020 begonnen und die Hardwareseite längst abgeschlossen. Mit Golden Gate zieht der Konzern nun auch beim Betriebssystem den Schlussstrich unter die Intel-Ära. Abseits davon folgt macOS 27 dem gleichen Grundgedanken wie iOS. Apple hat Liquid Glass nachgeschärft und sich um Performance und alltägliche Systemfunktionen gekümmert.
Mail soll relevante Suchergebnisse besser nach oben sortieren, Spotlight liefert überarbeitete Vorschläge. Auch AirDrop, Zugriffe auf Dateien im Netzwerk und das Laden von Webseiten in Safari sollen schneller geworden sein. Visual Intelligence darf nun ebenfalls stärker auf dem Mac mitspielen. Bildschirminhalte können analysiert und anschließend für weitere Aktionen verwendet werden. Gerade diese eher kleinen Änderungen dürften am Ende wichtiger sein als irgendeine neue Animation. Wer täglich mehrere Stunden vor einem Mac sitzt, merkt eine bessere Suche oder schnellere Netzwerkzugriffe schließlich häufiger als ein neues Menü.
watchOS 27 sortiert ältere Uhren aus
Bei der Apple Watch fällt der Schnitt deutlich härter aus als beim iPhone. watchOS 27 unterstützt die Series 9, Series 10 und Series 11, dazu kommen SE 3, Ultra 2 und Ultra 3. Um die Series 9 gab es direkt nach der WWDC zunächst etwas Verwirrung. Sie fehlte in Apples erster Übersicht, konnte die Entwickler-Beta aber problemlos installieren. Inzwischen ist auch offiziell klar: Die Series 9 bekommt watchOS 27. Series 8 und die erste Ultra bleiben dagegen bei der vorherigen Hauptversion.
Apple hat unter anderem das App-Raster überarbeitet. Häufig verwendete Anwendungen sollen dadurch schneller erreichbar sein. Der Smart Stapel bekommt zusätzliche Möglichkeiten und auch beim Lauftracking wurde nachgelegt. Neuigkeiten gibt es außerdem beim Zyklusprotokoll mit Funktionen für Perimenopause und Menopause. Wallet kann aus Mitgliedskarten mit QR- oder Barcode eigene Pässe erstellen, die anschließend auch im Smart Stapel auftauchen können. Siri AI gehört grundsätzlich ebenfalls zu watchOS 27, bleibt innerhalb der EU aber zunächst deaktiviert.
visionOS 27 bekommt mehr als reine Modellpflege
Bei der Vision Pro baut Apple seine noch junge Plattform weiter aus. Panoramen können mit visionOS 27 in räumliche Szenen umgewandelt und als eigene Umgebung verwendet werden. 3D-Modelle lassen sich vom Mac in den Raum holen und dort bearbeiten. Das Kontrollzentrum wurde ebenfalls neu sortiert. Apple trennt Wiedergabe und Mitteilungen, klassische Steuerelemente und Umgebungen deutlicher voneinander. Selbst beim WLAN hat sich etwas getan. Die Vision Pro soll sich nach dem Einschalten bis zu dreimal schneller mit einem bekannten Netzwerk verbinden.
Noch interessanter ist Visual Intelligence. Auf der Vision Pro kann die Funktion neben digitalen Inhalten auch den räumlichen Kontext einbeziehen. Siri kann dadurch Fragen zu Dingen beantworten, die der Nutzer gerade betrachtet. Genau an dieser Stelle ergibt die Kombination aus Kameras, Sensoren und KI deutlich mehr Sinn als manche der eher bemühten Apple-Intelligence-Demos der vergangenen Jahre.
tvOS 27 und HomePod laufen mit
Apple TV und HomePod (mini) bekommen ebenfalls ihre 27er-Versionen. Die Änderungen fallen hier wie üblich deutlich überschaubarer aus. tvOS 27 bringt weitere Anpassungen an Oberfläche und bestehenden Funktionen. Beim HomePod liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf Verbesserungen des vorhandenen Systems. Beide Plattformen laufen damit versionsmäßig wieder mit dem restlichen Apple-Ökosystem mit, ohne dass daraus ein ähnlich großer Sprung wie bei iOS oder macOS wird.
Drei Monate Beta sind vorbei – jetzt wird es interessant
Die ersten Entwickler-Betas hatte Apple unmittelbar nach der WWDC am 8. Juni verteilt. Seitdem wurden die Systeme in mehreren Runden überarbeitet. Je näher der September rückte, desto weniger neue Funktionen kamen hinzu. In den späteren Betas ging es erwartungsgemäß fast nur noch um Fehler, Stabilität und den letzten Feinschliff. Mit der heutigen Veröffentlichung ist die Arbeit trotzdem nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Jetzt landen die Systeme auf Millionen Geräten, mit Apps und Hardwarekombinationen, die keine Beta vollständig abdecken kann. Die ersten kleineren Updates dürften deshalb nicht lange auf sich warten lassen. Gleichzeitig wird Apple bereits an den nächsten größeren Punktversionen arbeiten.
Vor allem bei iOS 27 wird interessant, ob sich Apples diesjähriger Qualitätsfokus tatsächlich bemerkbar macht. Bis zu 30 Prozent schnellere App-Starts und 80 Prozent schnelleres AirDrop lesen sich gut. Wichtiger wäre, wenn das System nach einigen Wochen schlicht weniger nervt. Und dann wäre da noch Siri. Apple versucht mit Siri AI einen Rückstand aufzuholen, der inzwischen nicht mehr kleinzureden ist. Ob das gelingt, können Nutzer in Deutschland auf iPhone, iPad und Apple Watch vorerst allerdings nur aus der Ferne beobachten.