Öffentlich-rechtliche Sender einigen sich auf gemeinsamen KI-Kodex

In den Häusern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist Künstliche Intelligenz längst Teil der Praxis. Sie taucht in Redaktionen auf, in der Produktion, ebenso in administrativen Bereichen. Manches davon läuft bereits, anderes befindet sich noch im Testbetrieb. ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle haben darauf reagiert und sich auf gemeinsame Leitlinien verständigt. Sie sollen Orientierung geben, wo bislang vor allem experimentiert wurde.

Symbolfoto: unsplash

Der KI-Kodex: Mensch bleibt verantwortlich

Kern des nun verabschiedeten KI-Kodex ist ein klarer Grundsatz: Die publizistische Verantwortung liegt weiterhin beim Menschen. KI darf unterstützen, etwa bei Recherche, Strukturierung oder internen Abläufen, sie soll jedoch keine redaktionellen Entscheidungen treffen. Redaktionelle Kontrolle, journalistische Sorgfalt und Transparenz gelten damit uneingeschränkt – auch dann, wenn algorithmische Systeme an der Erstellung oder Aufbereitung von Inhalten beteiligt sind.

KI soll Arbeit erleichtern, nicht ersetzen

Die Sender stellen ausdrücklich klar, dass KI kein Selbstzweck ist. Ihr Einsatz ist nur dann vorgesehen, wenn er einen konkreten Nutzen bringt. Dazu zählt etwa die Entlastung von Redaktionen bei Routinetätigkeiten oder die effizientere Organisation technischer und administrativer Prozesse. Automatisierung soll Zeit schaffen – nicht Verantwortung verschieben. Redaktionelle Entscheidungen bleiben Aufgabe der Redaktion.

Personalisierung ja – aber ohne Filterblasen

Ein weiterer Schwerpunkt des Kodex ist der Umgang mit personalisierten Inhalten. KI-basierte Ausspielmechanismen dürfen nach Auffassung der Sender nicht dazu führen, dass Nutzer nur noch einseitige oder vorgefilterte Inhalte sehen. Personalisierung soll Orientierung bieten und Vielfalt sichtbar machen, nicht zur Abschottung führen. Bekannte Risiken wie verzerrte Trainingsdaten, stereotype Muster oder diskriminierende Effekte werden ausdrücklich benannt. Die Verantwortung für Kontrolle und Korrektur liegt beim Menschen.

Transparenz als Grundvoraussetzung

Besonders deutlich positionieren sich die Sender beim Thema Transparenz. Inhalte, bei deren Entstehung KI eine Rolle gespielt hat, sollen klar gekennzeichnet werden. Das Vertrauen des Publikums gilt als zentrale Grundlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und soll nicht durch intransparente Automatisierung beschädigt werden. Der Kodex hält deshalb fest: KI-Systeme tragen keine publizistische Verantwortung. Entscheidungen über Veröffentlichung, Gewichtung und Darstellung bleiben redaktionell.

Daten, Schulung und Nachhaltigkeit

Neben inhaltlichen Fragen regelt der Kodex auch technische und organisatorische Punkte. Die Sender verpflichten sich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Daten, insbesondere bei der Entwicklung und Anpassung eigener KI-Modelle. Die Sender setzen bevorzugt auf Systeme mit transparent dokumentierten Trainingsgrundlagen. Parallel dazu bauen sie gezielt Kompetenz auf und schulen ihre Mitarbeiter sowohl im praktischen Einsatz von KI als auch im kritischen Umgang mit ihren Grenzen. Zusätzlich berücksichtigen sie ökologische Aspekte und achten beim Training und beim Betrieb von KI-Systemen auf Energieeffizienz.

Zusammenarbeit statt Alleingänge

Die beteiligten Häuser wollen KI-Anwendungen nicht isoliert entwickeln, sondern gemeinsam bewerten und nutzen. Der Kodex setzt auf Kooperation zwischen ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle sowie auf den Austausch mit Wissenschaft, Forschung und externen Partnern.

Signal nach innen und außen

Mit dem gemeinsamen KI-Kodex ziehen die öffentlich-rechtlichen Sender eine klare Linie: KI ist erlaubt, gewollt und vorgesehen – aber nicht unbegrenzt und nicht unkontrolliert. Ob der Kodex im Alltag mehr ist als eine Selbstverpflichtung, wird sich erst in der Praxis zeigen. Er legt jedoch erstmals einen gemeinsamen Maßstab fest, an dem sich der KI-Einsatz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk messen lassen muss.

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