Bambu Lab S1: Erster 3D-Scanner kommt im November – bleiben wenigstens die Scans frei?

Bambu Lab erweitert sein Produktportfolio und steigt nun auch in den Markt für 3D-Scanner ein. Der Hersteller hat den S1 offiziell für November 2026 angekündigt. Unter dem Motto „Create from your world. Start with a scan.“ soll das Gerät künftig reale Gegenstände digitalisieren und damit den Weg vom physischen Objekt zum 3D-Druck erleichtern. Was zunächst nach einer konsequenten Erweiterung des eigenen Ökosystems klingt, wirft allerdings einige interessante Fragen auf. Insbesondere, wie offen Bambu Lab künftig mit den erfassten 3D-Daten umgehen wird.

Vom 3D-Drucker zum 3D-Scanner

Völlig überraschend kommt die Ankündigung nicht. Bereits im September tauchte der S1 in der Datenbank der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FCC auf. Unter der Kennung 2A6J8-DS001 wurde ein tragbarer 3D-Scanner mit einer angegebenen Leistungsaufnahme von 60 Watt registriert. Die Unterlagen nennen außerdem WLAN im 5-GHz-Bereich und deuten auf ein handgeführtes Gerät hin. Technische Einzelheiten zur eigentlichen Scanleistung fehlen bislang.

Weder zur verwendeten Erfassungstechnologie noch zur Genauigkeit, Auflösung oder Scangeschwindigkeit liegen bestätigte Angaben vor. Auch den Verkaufspreis hat Bambu Lab noch nicht genannt. Mit dem S1 könnte der Hersteller künftig einen größeren Teil des digitalen Fertigungsprozesses aus einer Hand anbieten. Ein Objekt erfassen, digital bearbeiten und anschließend auf einem Bambu-Drucker reproduzieren: Genau diese Verbindung dürfte für viele Anwender interessant sein.

3D-Scanning ist kein Knopfdruck

Allerdings könnte ausgerechnet die Erwartungshaltung vieler Anwender zur größten Herausforderung werden. Bambu Lab hat sich mit seinen 3D-Druckern einen Namen gemacht, weil zahlreiche zuvor manuelle Arbeitsschritte automatisiert wurden. Was beim FDM-Druck bereits recht gut funktioniert, lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres auf das 3D-Scanning übertragen. Reflektierende, transparente oder sehr dunkle Oberflächen können die Erfassung erschweren. Hinzu kommen Trackingprobleme, fehlende Geometrien und die anschließende Nachbearbeitung der Scandaten. Auch ein erfolgreich erfasstes Objekt ist nicht automatisch ein maßhaltiges, druckfertiges CAD-Modell. Gerade beim Reverse Engineering beginnt die eigentliche Arbeit häufig erst nach dem Scan. Wer ein beschädigtes Kunststoffteil digitalisieren und anschließend als funktionalen Ersatz reproduzieren möchte, benötigt weiterhin Kenntnisse über Geometrie, Toleranzen und Konstruktion. Bambu Lab kann die Bedienung vereinfachen und zahlreiche Verarbeitungsschritte automatisieren. Die physikalischen Grenzen optischer Messverfahren lassen sich damit allerdings nicht vollständig beseitigen. Wer beim 3D-Scanning denselben Automatisierungsgrad wie beim Herunterladen eines fertigen MakerWorld-Modells erwartet, könnte eine unangenehme Überraschung erleben.

Bleiben die Scandaten Eigentum des Anwenders?

Noch interessanter dürfte allerdings die Software werden. Bambu Lab setzt bei seinen 3D-Druckern auf ein eng verzahntes Ökosystem aus Hardware, Bambu Studio, Cloud-Diensten und MakerWorld. Dieses Konzept erleichtert zahlreiche Arbeitsabläufe, bringt aber auch eine stärkere Bindung an die Plattform des Herstellers mit sich. Beim S1 stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Können Anwender ihre Scans uneingeschränkt in offenen beziehungsweise verbreiteten Formaten wie STL, OBJ oder PLY exportieren und anschließend mit beliebiger Software weiterverarbeiten? Oder versucht Bambu Lab, auch die Digitalisierung realer Gegenstände möglichst eng an die eigene Plattform zu koppeln? Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Bambu Lab einen solchen Export tatsächlich einschränken möchte. Ebenso wenig liegen allerdings bestätigte Informationen über die unterstützten Dateiformate, mögliche Cloud-Abhängigkeiten oder die Offline-Nutzung vor. Gerade für professionelle Anwender wäre eine Beschränkung problematisch. Scandaten werden häufig in unterschiedlichen Anwendungen weiterverarbeitet, etwa in Blender, Fusion oder spezialisierter Reverse-Engineering-Software. Ein Scanner, dessen Ergebnisse nur innerhalb eines bestimmten Herstellerökosystems sinnvoll nutzbar wären, hätte damit einen erheblichen Nachteil. Es wäre jedenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung, wenn man künftig nicht nur bei Druckern über geschlossene Systeme diskutieren müsste, sondern auch noch darüber, ob sich die selbst erfassten Geometriedaten frei verwenden lassen.

Konkurrenz für Creality, Revopoint und Co.

Mit dem S1 betritt Bambu Lab einen Markt, in dem sich bereits mehrere Hersteller etabliert haben. Creality bietet unter anderem den Pika sowie die Raptor-Serie an, während Revopoint mit unterschiedlichen Scannern sowohl Einsteiger als auch anspruchsvollere Anwender adressiert. Welche Geräteklasse Bambu Lab mit dem S1 tatsächlich angreifen möchte, bleibt vorerst offen. Ohne Angaben zu Messgenauigkeit, Erfassungstechnologie und Preis wäre eine direkte Einordnung verfrüht. Entscheidend wird ohnehin nicht allein die Hardware sein. Gerade beim 3D-Scanning können zuverlässiges Tracking, eine leistungsfähige Registrierung mehrerer Aufnahmen und eine gute Mesh-Verarbeitung wichtiger sein als beeindruckende Zahlen auf dem Datenblatt. Mit dem angekündigten Marktstart im November dürfte sich zeigen, ob Bambu Lab auch beim 3D-Scanning die Einstiegshürde deutlich senken kann. Und ob der Hersteller verstanden hat, dass ein möglichst einfacher Workflow nicht zwangsläufig ein möglichst geschlossenes Ökosystem voraussetzt.

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