Insta360 Ace Pro 2 Xplorer Bundle: Die kleine Kamera für den großen Einsatz

Action-Cams werden meist an Fahrradlenkern, Helmen oder Selfie-Sticks gezeigt. Die Insta360 Ace Pro 2 kann das ebenfalls. Im Xplorer Bundle verfolgt sie jedoch einen anderen Ansatz: Utility Frame, Griff, Handschlaufe und mechanischer Auslöser verwandeln die kompakte Kamera in eine kleine Reportage- und Reisekamera. Genau in dieser Rolle habe ich die schwarze Ace Pro 2 über mehrere Wochen eingesetzt. Beim xTool-Event in Berlin, auf dem der O1 Omni vorgestellt wurde, und auf der Intersolar in München blieb die große Systemkamera zu Hause. Produktfotos, Detailaufnahmen und die redaktionelle Dokumentation der Veranstaltungen entstanden ausschließlich mit der Insta360. Das Ergebnis überzeugt weniger durch absolute Highend Bildqualität als durch den Arbeitsablauf. Die Ace Pro 2 ist schnell zur Hand, nimmt kaum Platz ein und lässt sich sicher an der Handschlaufe tragen. Foto und Video liegen nur wenige Eingaben auseinander. Für Messen und Pressetermine kann dieser praktische Vorteil wichtiger sein als das letzte Quäntchen Sensorleistung.

Foto: Deskmodder

Xplorer Bundle macht aus der Action-Cam eine Fotokamera

Das Xplorer Bundle verändert vor allem die Handhabung. Der zusätzliche Griff gibt der Ace Pro 2 eine Form, die eher an eine kompakte Sucherkamera als an eine klassische Action-Cam erinnert. Der Utility Frame schützt die Seiten und bildet zugleich die Grundlage für den mechanischen Auslöser. Insta360 bezeichnet diesen als Cold Shoe Shutter Button. Er sitzt auf dem Zubehörschuh und überträgt den Druck mechanisch auf den eigentlichen Auslöser der Kamera. Das klingt zunächst simpel, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich gut. Der Auslöser ist sauber erreichbar, besitzt einen klaren Druckpunkt und lässt sich problemlos mit einer Hand bedienen. Zusammen mit der Handschlaufe bleibt die Kamera sicher am Handgelenk, während sich Motive schnell erfassen lassen. Gerade im Gedränge einer Messe ist das angenehmer, als ständig eine größere Kamera aus der Tasche zu holen.

Weniger Gepäck für lange Messetage

Der größte Vorteil zeigt sich nicht beim ersten Testfoto, sondern nach mehreren Stunden. Eine Systemkamera mit Objektiv, Ersatzakku und Zubehör beansprucht deutlich mehr Platz und Gewicht. Die Ace Pro 2 verschwindet dagegen in einer kleinen Tasche oder bleibt direkt am Handgelenk. Beim xTool-Event und auf der Intersolar hat sie meine Systemkamera vollständig ersetzt.

Das war keine Notlösung, sondern eine bewusste Entscheidung. Für Produktfotos, Standaufnahmen und redaktionelle Berichterstattung ist die Bildqualität top, während der kompaktere Aufbau den gesamten Messetag erleichterte. Man bewegt sich schneller zwischen Ständen, muss keine größere Fototasche beaufsichtigen und kann innerhalb weniger Sekunden fotografieren. Besonders bei eng getakteten Terminen ist das ein echter Vorteil. Die beste Kamera ist dort häufig nicht die technisch stärkste, sondern jene, die bereits in der Hand liegt.

50 Megapixel ersetzen keinen großen Sensor

Die Ace Pro 2 nimmt Fotos mit bis zu 50 Megapixeln auf. Diese Zahl sollte man nicht mit der Ausgabe einer großen APS-C- oder Vollformatkamera gleichsetzen. Der 1/1,3-Zoll-Sensor bleibt deutlich kleiner, das Objektiv besitzt eine feste Brennweite und die Bildverarbeitung greift stärker ein. Bei gutem Licht liefert die Kamera dennoch detailreiche Aufnahmen mit kräftigen Farben und ordentlichem Dynamikumfang. Produktbeschriftungen, Displays, Bedienelemente und kleinere Details bleiben sauber erkennbar. Für Online-Artikel, Social Media und klassische redaktionelle Bebilderung reicht das problemlos aus. Die Grenzen zeigen sich vor allem beim starken Zuschneiden, bei sehr dunklen Motiven und bei der Freistellung. Eine Systemkamera mit lichtstarkem Objektiv liefert mehr Reserven, ein natürlicheres Bokeh und eine flexiblere Perspektive. Die Ace Pro 2 gewinnt diesen Vergleich nicht über die reine Bildqualität, sondern über ihre Mobilität.

JPEG und RAW für Lightroom Classic

Ich fotografiere mit der Ace Pro 2 parallel in JPEG und RAW. Die JPEG-Dateien eignen sich für eine schnelle Sichtung oder Motive, die ohne größere Korrektur direkt weiterverarbeitet werden können. Für redaktionell relevante Bilder greife ich bevorzugt auf die RAW-Dateien zurück. Die Bearbeitung erfolgt in Lightroom Classic.

Dort lassen sich Weißabgleich, Lichter, Schatten und Perspektive deutlich gezielter korrigieren als bei bereits entwickelten JPEGs. Gerade Messehallen sind mit Mischlicht, hellen Displays und dunklen Gehäusen keine einfache Umgebung. RAW bietet hier die nötige Reserve. Wunder sollte man dennoch nicht erwarten. Wird eine Aufnahme stark unterbelichtet, kommt auch der kleine Sensor irgendwann an seine Grenzen. Bei vernünftiger Belichtung lassen sich die Dateien aber gut bearbeiten und problemlos in einen bestehenden Adobe-Workflow integrieren.

Weitwinkel als Stärke und Schwäche

Die Leica-Optik deckt ein deutliches Weitwinkel ab. Auf Messen ist das häufig hilfreich, weil sich größere Geräte, Messestände oder komplette Aufbauten auch aus kurzer Distanz erfassen lassen. In engen Gängen ist das ein echter Vorteil. Bei einzelnen Produkten muss man die Perspektive dagegen im Blick behalten. Fotografiert man zu nah oder zu stark aus einem Winkel, wirken Gehäusekanten schnell verzerrt. Für sachliche Produktfotos lohnt es sich, etwas Abstand zu halten und den Ausschnitt später in Lightroom zu korrigieren. Ein optischer Zoom fehlt. Detailaufnahmen entstehen deshalb entweder durch geringeren Abstand oder durch nachträglichen Beschnitt. Solange das Licht stimmt und der Ausschnitt nicht zu stark verkleinert wird, bleiben genügend Reserven für eine Veröffentlichung im Web.

Klappdisplay erleichtert ungewöhnliche Perspektiven

Das 2,5 Zoll große Display lässt sich nach oben klappen. Bei Selfie- oder Vlog-Aufnahmen ist das offensichtlich praktisch, doch auch bei der Produktfotografie hat die Konstruktion Vorteile. Auf Messen stehen Geräte häufig zu tief, zu hoch oder hinter Absperrungen. Mit dem klappbaren Bildschirm lässt sich die Kamera über Kopf oder auf niedriger Höhe einsetzen, ohne das Motiv blind erfassen zu müssen.

Foto: Deskmodder

Das spart Zeit und verhindert unnötige Verrenkungen. Die Anzeige ist ausreichend groß, um Bildausschnitt, Schärfeeindruck und Belichtung zu kontrollieren. Eine detaillierte Prüfung ersetzt sie nicht, für die Aufnahme vor Ort reicht sie jedoch gut aus.

Bedienung bleibt auch unter Zeitdruck übersichtlich

Die Benutzeroberfläche der Ace Pro 2 gehört zu ihren stärkeren Eigenschaften. Das Menü läuft flüssig, reagiert direkt und ist logisch aufgebaut. Wichtige Einstellungen sind schnell erreichbar, ohne dass man sich durch verschachtelte Untermenüs kämpfen muss. Gerade im beruflichen Einsatz ist das wichtiger als eine möglichst lange Funktionsliste. Zwischen zwei Terminen bleibt keine Zeit, nach dem richtigen Aufnahmemodus zu suchen. Die Kamera startet zügig, lässt sich einhändig bedienen und ist nach wenigen Eingaben bereit. Auch der Wechsel zwischen Foto und Video gelingt schnell. Bei meinen beiden Messeeinsätzen stand die Fotografie im Vordergrund. Bei Bedarf lassen sich dennoch ohne Umbau kurze Clips, Rundgänge oder ergänzende B-Roll aufnehmen.

Zubehör über den Cold Shoe

Der Utility Frame bietet neben dem Auslöser einen Zubehörschuh. Darüber lassen sich kompakte Leuchten, Mikrofonempfänger oder anderes Zubehör montieren. Für meinen Einsatz liegt ein SmallRig P96 bereit, das bei dunklen Produktbereichen zusätzliches Licht liefern kann. Ein solches Videolicht ersetzt keine aufwendige Beleuchtung, hilft aber bei schlecht ausgeleuchteten Messeständen oder dunklen Geräteoberflächen.

Foto: Deskmodder

Die Kamera bleibt dabei deutlich kompakter als eine Systemkamera mit Cage, Licht und großem Objektiv. Mit montiertem Zubehör verschiebt sich die Balance etwas nach oben. Der Griff bleibt dennoch sinnvoll nutzbar, solange das Zubehör kompakt bleibt. Das SmallRig P96 passt gut zu diesem Ansatz und überlädt die Konstruktion nicht unnötig.

Gute Leistung bei schwierigem Hallenlicht

Messehallen sind fotografisch anspruchsvoll. Tageslicht, Spots, LED-Wände und unterschiedlich temperierte Leuchten treffen aufeinander. Dazu kommen reflektierende Displays und häufig sehr dunkle Produktgehäuse. Die Ace Pro 2 schlägt sich unter diesen Bedingungen ordentlich. Der vergleichsweise große Sensor für eine Action-Cam und die interne Bildverarbeitung halten Farben und Kontraste brauchbar zusammen. Besonders bei hellen und mittleren Lichtverhältnissen entstehen Aufnahmen, die sich ohne größere Rettungsaktion weiterverarbeiten lassen.

Foto: Deskmodder

Bei wenig Licht steigt das Bildrauschen sichtbar an. Die Kamera gehört in dieser Disziplin zu den besseren Action-Cams, ersetzt aber keine große Kamera mit lichtstarkem Objektiv. Für typische Messehallen reicht die Leistung dennoch aus, zumal RAW-Dateien bei der Nachbearbeitung zusätzliche Möglichkeiten bieten.

Video bleibt eine Kernkompetenz

Auch wenn ich das Xplorer Bundle bei den Veranstaltungen überwiegend für Fotos genutzt habe, bleibt die Ace Pro 2 im Kern eine leistungsfähige Videokamera. Sie nimmt bis zu 8K auf, wobei im Alltag vor allem 4K mit höheren Bildraten die sinnvollere Wahl sein dürfte. Die Stabilisierung, das weite Sichtfeld und die gute Leistung bei wechselndem Licht passen hervorragend zu Rundgängen, Event-Clips oder kurzen Produktvorstellungen. Wer auf einer Messe neben Fotos auch Video benötigt, muss kein zweites Gerät mitführen. Gerade dieser schnelle Wechsel ist ein Argument für die Ace Pro 2. Eine Systemkamera kann bei richtigem Aufbau das bessere Video liefern. Die Insta360 ist dagegen sofort einsatzbereit und verlangt weder Objektivwechsel noch zusätzliche Stabilisierung.

Zwei Akkus reichen für den Eventtag

Zum eingesetzten Setup gehören zwei Akkus und der passende Fast Charger. Die tatsächliche Laufzeit hängt stark davon ab, wie häufig das Display aktiv ist, wie viele Videos aufgenommen werden und welche Auflösung zum Einsatz kommt. Bei meinem überwiegend fotografischen Einsatz reichten die beiden Akkus problemlos über den jeweiligen Veranstaltungstag. Durch das externe Ladegerät kann ein Akku geladen werden, während der andere in der Kamera bleibt. Das ist im beruflichen Alltag deutlich angenehmer als das Laden über die Kamera.

Als Speicher dient eine microSD-Karte mit 128 GB. Für mehrere Tage mit Fotos und kürzeren Videosequenzen ist das ausreichend. Wer häufiger in hohen Videoauflösungen filmt, sollte mehr Kapazität oder eine zweite Karte einplanen.

Speicherkarte, WLAN oder Insta360 Cloud

In meinem Workflow wandern die Daten überwiegend direkt von der Speicherkarte auf eine Workstation oder das GEEKOM X14 Pro bzw. ein Apple MacBook Air M1. Dort erfolgt die weitere Verarbeitung in Adobe Creative Cloud beziehungsweise Lightroom Classic. Das ist bei größeren Fotomengen schneller, übersichtlicher und besser in den redaktionellen Ablauf integriert als eine vollständige Bearbeitung am Smartphone. RAW- und JPEG-Dateien lassen sich wie gewohnt importieren, sortieren und bearbeiten. Optional lässt sich die Insta360 Ace Pro 2 direkt per WLAN verbinden. Dadurch können Aufnahmen mit der Insta360 Cloud synchronisiert und anschließend auf anderen Geräten abgerufen werden. Gerade unterwegs oder bei mehreren Arbeitsgeräten kann dieser zusätzliche Weg praktisch sein. Positiv ist, dass Insta360 beide Workflows offenlässt. Der Nutzer kann klassisch über die Speicherkarte arbeiten oder bei Bedarf die WLAN- und Cloud-Funktionen verwenden. Eine zwingende Abhängigkeit von der Smartphone-App besteht damit nicht.

Das Xplorer Bundle hat auch Nachteile

Das Xplorer Bundle macht die Ace Pro 2 größer und schwerer als im klassischen Action-Cam-Betrieb. Sie bleibt zwar deutlich kompakter als eine Systemkamera, passt mit Utility Frame und Griff aber nicht mehr so unauffällig in jede Tasche. Der Xplorer-Aufbau selbst ist zudem nicht wasserdicht. Für Messen, Reisen und Veranstaltungen spielt das kaum eine Rolle. Bei Einsätzen im Wasser sollte der Griff jedoch entfernt und die Kamera in der dafür vorgesehenen Konfiguration verwendet werden. Wer häufig Porträts, entfernte Details oder stark freigestellte Produktaufnahmen benötigt, stößt jedoch schneller an Grenzen also mit einer Systemkamera. Das Xplorer Bundle verbessert die Bedienung, verändert aber nicht die optischen Eigenschaften der Kamera.

Preis und Verfügbarkeit

Das Insta360 Ace Pro 2 Xplorer Bundle kostet bei Amazon aktuell rund 479 Euro. Damit liegt es klar über einfachen Action-Cams und nähert sich bereits kompakten Kameras oder günstigeren Systemkamera-Gehäusen. Der Preis erklärt sich nicht allein über den Sensor. Man bezahlt auch für die robuste Bauweise, den klappbaren Bildschirm, starke Videofunktionen und den Xplorer-Aufbau mit Utility Frame, Griff, Auslöser und Handschlaufe. Für reine Urlaubsfotos ist das Paket vergleichsweise teuer. Wer Foto und Video kombiniert und eine möglichst kompakte Lösung sucht, erhält dagegen ein vielseitiges Arbeitsgerät.

Fazit: Keine Systemkamera, aber ein überzeugender Ersatz

Die Insta360 Ace Pro 2 im Xplorer Bundle ist keine verkleinerte Systemkamera. Wechselobjektive, optischen Zoom, große Sensorreserven und natürliche Freistellung kann sie nicht ersetzen. Wer ausschließlich maximale Fotoqualität sucht, bleibt bei einer klassischen Kamera besser aufgehoben. Im journalistischen Messealltag liegt die Priorität jedoch anders. Dort zählen Gewicht, Geschwindigkeit, unkomplizierte Bedienung und die Möglichkeit, spontan zwischen Foto und Video zu wechseln. In diesen Punkten spielt die Ace Pro 2 ihre Stärken konsequent aus. Beim xTool-Event in Berlin und auf der Intersolar in München hat sie meine Systemkamera vollständig ersetzt. Die Bildqualität reichte für die redaktionelle Verwendung aus, RAW und JPEG passten in den Lightroom-Workflow, und zwei Akkus brachten die Kamera problemlos durch den Tag. Das Xplorer Bundle ist dabei mehr als eine optische Spielerei. Griff, Handschlaufe und mechanischer Auslöser machen aus der Action-Cam eine kleine Reportagekamera.

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