Ab morgen wird der Einkauf bei Plattformen außerhalb der EU in vielen Fällen teurer. Die Europäische Union schafft die bisherige Zollfreiheit für Kleinsendungen unter 150 Euro ab und führt übergangsweise einen pauschalen Zoll von drei Euro ein. Betroffen sind Waren aus Drittstaaten, die direkt an Verbraucher in der EU verschickt werden. Praktisch geht es damit vor allem um Bestellungen über Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress. Wichtig ist dabei ein Detail, das schnell untergeht: Die drei Euro fallen nicht einfach einmal pro Paket an. Maßgeblich ist die jeweilige Warenart im Paket, also die zollrechtliche Einordnung. Enthält eine Sendung mehrere unterschiedliche Produktkategorien, kann die Abgabe entsprechend mehrfach anfallen. Aus einem scheinbar kleinen Zuschlag werden dann schnell sechs, neun oder fünfzehn Euro.

Drei Euro pro Warengruppe statt pro Paket
Die neue Übergangsregel gilt für Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro. Bisher waren solche Kleinsendungen zwar nicht grundsätzlich frei von Einfuhrumsatzsteuer, aber von klassischen Zöllen befreit. Genau diese Freigrenze fällt nun weg. Bis zum Start der neuen EU-Zolldatenplattform soll zunächst ein pauschaler Zoll von drei Euro gelten. Entscheidend ist die Zusammensetzung der Sendung. Enthält ein Paket mehrere Artikel derselben Warenart, fällt der Betrag nur einmal an. Liegen aber unterschiedliche Warenarten im Paket, wird der Pauschalzoll je Kategorie berechnet. Ein Paket mit mehreren identischen T-Shirts wäre damit anders zu behandeln als eine Bestellung aus Kleidung, Schmuck, Elektronikzubehör und Kosmetik.
Der Rat der Europäischen Union nennt selbst ein Beispiel: Liegt in einem Paket eine Bluse aus Seide und zusätzlich zwei Blusen aus Wolle, werden wegen der unterschiedlichen zollrechtlichen Einordnung zwei Positionen gezählt. In diesem Fall wären also sechs Euro Zoll fällig, nicht drei Euro.
Kleine Bestellungen können dadurch spürbar teurer werden
Für einzelne Kleinstbestellungen wirkt der neue Zoll zunächst überschaubar. Drei Euro fallen bei einem günstigen Produkt zwar auf, bleiben aber noch berechenbar. Teurer wird es bei gemischten Warenkörben. Wer in einer Bestellung etwa eine Handyhülle, Kopfhörer, ein Kleidungsstück und ein kleines Deko-Produkt kombiniert, kann schnell mehrere Zollpositionen auslösen.
Dazu kommen weiterhin die Einfuhrumsatzsteuer und je nach Abwicklung mögliche Gebühren des Paketdienstes. Viele große Plattformen ziehen die Einfuhrumsatzsteuer bereits beim Kauf ein. Trotzdem sollten Käufer künftig genauer prüfen, ob der angezeigte Preis tatsächlich alle Abgaben enthält oder ob bei der Zustellung noch Kosten entstehen.
Gerade sehr günstige Einzelartikel verlieren dadurch einen Teil ihres bisherigen Reizes. Wenn ein Produkt nur wenige Euro kostet, kann ein zusätzlicher Pauschalzoll den Endpreis deutlich verändern. Besonders betroffen sind typische Impulskäufe, bei denen verschiedene Kleinteile in einem Paket landen.
EU will Wettbewerbsnachteil für europäische Händler verringern
Die EU begründet die Änderung mit dem starken Wachstum des Onlinehandels aus Drittstaaten. Nach Angaben der Europäischen Kommission gelangten 2024 rund 4,6 Milliarden Kleinsendungen in den EU-Markt. Ein sehr großer Teil davon kam aus China. Für europäische Händler war das schon länger ein Streitpunkt, weil sie im Binnenmarkt andere Steuer-, Zoll- und Nachweispflichten erfüllen müssen.
Mit der neuen Regel will die EU die bisherige Freigrenze schließen und den Wettbewerb etwas angleichen. Gleichzeitig geht es auch um Kontrolle. Die schiere Zahl der Pakete belastet Zollbehörden und macht es schwieriger, falsch deklarierte Waren, unsichere Produkte oder Umgehungskonstruktionen zu erkennen.
Die Drei-Euro-Pauschale ist allerdings nur eine Übergangslösung. Sie soll vom 1. Juli 2026 bis zum 1. Juli 2028 gelten und kann bei Bedarf verlängert werden. Sobald die geplante EU-Zolldatenplattform einsatzbereit ist, sollen reguläre Zollsätze greifen. Dann wird die Übergangsregel durch das normale Zollsystem ersetzt.
Nicht mit möglicher Bearbeitungsgebühr verwechseln
Der neue Pauschalzoll ist nicht dasselbe wie die ebenfalls diskutierte Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen. Diese wird im Rahmen der größeren EU-Zollreform separat behandelt. Für Verbraucher ist die Unterscheidung wichtig, weil am Ende mehrere Kostenbestandteile zusammenkommen können: Warenpreis, Versand, Einfuhrumsatzsteuer, Zoll und mögliche Abwicklungsgebühren.
Noch offen bleibt, wie die Plattformen den neuen Pauschalzoll im Alltag konkret einziehen und darstellen werden. Denkbar ist, dass große Anbieter die Abgabe direkt im Bestellprozess ausweisen. Ebenso möglich ist, dass es je nach Versandweg und Händler zunächst zu unterschiedlichen Abläufen kommt.
Käufer sollten deshalb ab morgen genauer in den Warenkorb schauen. Wer mehrere unterschiedliche Artikel aus einem Drittstaat bestellt, sollte nicht nur den angezeigten Produktpreis vergleichen, sondern den möglichen Zoll je Warenart mitrechnen. Besonders bei sehr günstigen Mischbestellungen kann ein Händler innerhalb der EU am Ende günstiger sein, obwohl der Ausgangspreis zunächst höher aussieht.
Zollfreies Mini-Shopping geht zu Ende
Die Änderung markiert einen klaren Kurswechsel im europäischen Onlinehandel. Kleinsendungen aus Drittstaaten sollen nicht länger über die bisherige 150-Euro-Grenze faktisch bevorzugt werden. Für Plattformen aus China und anderen Nicht-EU-Ländern bedeutet das mehr Aufwand. Für Verbraucher bedeutet es vor allem: Der Endpreis wird unübersichtlicher und in vielen Fällen höher. Wer weiter bei Temu, Shein, AliExpress oder ähnlichen Plattformen bestellt, sollte Bestellungen künftig bewusster bündeln. Mehrere gleiche oder sehr ähnliche Artikel in einer Sendung können günstiger sein als ein bunt gemischter Warenkorb. Gleichzeitig lohnt sich der Blick auf Versandort und Händlerangaben. Ein deutschsprachiger Shop bedeutet nicht automatisch, dass die Ware aus der EU verschickt wird.
Ab morgen gilt damit eine einfache Faustregel: Nicht der Paketwert allein entscheidet, sondern der Inhalt. Je mehr unterschiedliche Warenarten in einer Sendung stecken, desto schneller steigt der neue Pauschalzoll.
So sieht also der Bürokratieabbau aus. Es werden zig-tausende Kleinbeträge erhoben und die Kunden mit hohen Bearbeitungsgebühren bestraft. Wenn die europäischen oder deutschen Lieferanten nicht in der Lage sind am Weltmarkt zu konurrieren, dann müssen sie das Geschäft anderen überlassen. Protektionismus ist definitiv der falsche Weg. Ich habe noch nie bei den Erwähnten Versendern bestellt, aber leider sind viele Dinge nur aus fernost zu haben, weil europäische Händler die Dinge gar nicht anbieten. Bei bestimmten Geräten z. B. Ladegeräten würde ich die Finger davon lassen, außer Du willst gerne mal mit dem Störungsdienst der BNetzA plaudern.
Irgendwie müssen die Händler in der EU ihr Zeug um das 3-5fache teurer verkaufen/loswerden. 👍🏼
Selbst 100%ig identische Artikel, bevor jemand auf die Idee kommt, es ginge dabei nur um Produkte, die sich nicht optisch, aber in der Qualität unterscheiden.
Für mich ist das einfach nur Abzocke.
Genau so ist es. Habe mal kleine Kreissägeblätter bei TEMU bestellt; Kostenpunkt 2€. Kostet bei Ebay 10€, dasselbe Paket, GENAU derselbe Inhalt, aber fünfacher Preis. Bei Amazon habe ich schon gar nicht mehr nachgesehen.
Solche Verhältnisse kommen mir leider auch sehr oft unter die Nase.
Die Medien und Co. tun ihr Übriges, indem sie die Tatsachen verwaschen oder gar vollständig umkehren.
Trotz deines göttlichen Namens sonderst du hier nur verschwurbelte Floskeln ab.
Danke, dass hier wenigstens einer einen vernünftigen Kommentar angibt.
Wenn wir so weiterleben wollen wie bisher, brauchen wir die höheren Preise. Die Standards bzgl. Löhne, Arbeitszeit und sozialer Absicherung etc. in China sollten kein Maßstab für uns sein. Auch jeder Zwischenhändler innerhalb von Deutschland braucht sein Auskommen und im besten Fall bleibt das Geld was er verdient in Deutschland und wird nicht nach China oder in die USA exportiert, wo es dann keinen mehr von uns zu Gute kommt.
Nicht nur, dass die sozialen Standards nicht im Mindesten ausreichend sind, die Produkte sind sehr oft nicht einmal verkehrsfähig. Aktuelles Beispiel: https://www.cleankids.de/2026/06/30/verbraucher/ultra-fast-fashion-von-shein-deutsche-umwelthilfe-deckt-illegale-schadstoffbelastungen-auf/95775/?cmplz-force-reload=1782824996487
„Wenn wir so weiterleben wollen wie bisher, brauchen wir die höheren Preise.“
Da fehlt leider genau die Hälfte und zwar, auch höhere Löhne bzw. Gehälter. Aber diese einfache kleine Sache, die so viel für die Wirtschaft bringt, versteht wohl keiner.
Vorsicht mit der Wortwahl und Vorurteile.
Du kennst mich nicht und ich Dich nicht und erlaube mir nicht, einfach über Dich zu urteilen, nur weil ich ein „netten“ Satz von Dir gelesen habe.
Dabei belasse ich es jetzt einfach.
Ich bestelle viel Kleinkram (Wiederstände, Dioden usw) bekomm ich meist nur bei Ali oder Ebay meist zuteuer ist. Andere Anbieter wie Conrad oder Reichelt haben Mindestbestellwert da komm ich selten hin wenn ich nur mal 10 Wiederstände brauch. Für mich ist es nur wieder mehr Abzocke was die machen. Es kommt ja eh alles aus der China was soll da die Abzocke am ende.
„Wer weiter bei Temu, Shein, AliExpress oder ähnlichen Plattformen bestellt, sollte Bestellungen künftig bewusster bündeln.“
@Wagener_bjoern
Oder Bewusster handeln und erst gar nicht bei solch dubiosen Plattformen bestellen und dies nicht nur aus ökonomischer sicht.
Gruß,
Fred.
Das Problem lässt sich ganz einfach lösen. Schafft endlich den dummen Mindestlohn ab! Ihr müsst doch das Recht haben, für 0,20 €/Stunde arbeiten zu dürfen! Das ist auch gar nicht so wenig wie es sich auf den ersten Blick anhört, denn wenn ihr auch das Arbeitsrechts abschafft, dann dürft ihr endlich wieder 16 Stunden pro Tag an 7 Tagen pro Woche arbeiten. Das ist sofort der 2,8-fache Arbeitslohn! Um die Rente müsst ihr euch auch keine Sorgen machen, so alt werdet ihr sowieso nicht. Und wenn ihr dann noch den ganzen Sozialstaat abschafft, dann habt ihr endlich nichts mehr, über das ihr euch aufregen müsstet. Ihr könntet das allerdings sowieso nicht, da die Meinungsfreiheit schließlich auch abgeschafft wurde. [/IRONIE=OFF]
Zeit für Internet-Shopping habt ihr dann aber auch keine mehr.
Wenigsten eine Person, die es auf den Punkt bringt.
Sehr löblich.
mein paket befindet sich leider noch im transit.
werde ich pech haben und trozdem den zoll zahlen müssen?
oder habe ich glück und es gelten die alten bedingungen?
mein status ist nähmlich schon „zollabwicklung abgeschlossen“
aber es befindet sich noch auf dem chinesischen flughafen…
alles sehr verwirrend,
hab wohl zu knapp bestellt… :S
Das hatte ich auch und ist glaube der Zoll vom exportierenden Land.
In Deutschland kommts dann nochmal unter dem Zoll und darauf werden Sie dann die 3 Euro plus etwa 15 Euro Aufwandsgebühr vom Paketdienstleister zahlen müssen.
wer hat denn eigentlich etwas von den ggf. zusätzlichen anfallenden Zöllen?
75% werden als EU-Eigenmittel an die EU abgeführt
25% darf Deutschland als pauschalen Ausgleich für Erhebungs- und Verwaltungskosten behalten
wir wissen alle, wie mit dem Geld gehaushaltet wird ….
Anderes Thema:
zufällig heute habe ich das erste Mal bei JoyBuy eingekauft.
https://www.joybuy.de
Das soll jetzt keine Werbung sein; nur Information.
Dahinter steckt jd.com. Ist in Asien das, was für uns hier Amazon ist.
Kennt ihr vlt. aus den Medien: die wollen MediaMarkt/Saturn übernehmen.
Die haben schon in Oberhausen ein Auslieferungslager (hochautomatisiert).
Werben mit Lieferung (kostenlos) noch am selben Tag, wenn bis 11:00 Uhr bestellt wird.
Hat bei mir vorauss. nicht geklappt. Habe vor 11 bestellt und soll erst (!) morgen ankommen.
Es gibt da auch viele Lebensmittel zu bestellen.
Die Internetseite und die App sind lange nicht so gut, wie die von Amazon. Etwas unübersichtlich.
Für Neukunden gibt es ein paar gute Angebote (Willkommensangebote) und 5 Euro Gutschein bei 20€ Mindestbestellwert.
Also: es gibt dort viele Artikel, die sonst bei Temu, Shein etc. bestellt werden. Da aber das Auslieferungslager hier in good old Germany ist, dürfte sich das mit dem Zoll erledigt haben. Ist dann schon eingepreist.
JoyBuy wollte ich auch schon probieren, aber Österreich wird (noch?) nicht beliefert.
joybuy hatte mich das angebot noch nicht überzeugt.
vielleicht brauchen die noch ein vissel zeit ihr angebot zu verbessern.
die hätten eine chance als temu ersatz, wenn das mit dem zoll so weiter geht…
naja egl.
Wieder einmal zeigt die EU, wie man mit Bürokratie und Symbolpolitik ein Problem löst, das man selbst geschaffen hat. Statt die eigenen Händler endlich von überzogenen Abgaben, Energiepreisen und Regulierungswahnsinn zu befreien, wird einfach der Bürger zur Kasse gebeten – drei Euro pro Warengruppe, damit es auch garantiert maximal kompliziert wird. Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist Protektionismus im Endstadium. Wenn europäische Händler nur überleben, indem man ausländische Konkurrenz künstlich verteuert, dann liegt das Problem nicht in China, sondern in Brüssel und Berlin. Ein Markt, der nur durch Strafzölle funktioniert, ist kein Markt, sondern ein Pflegefall. Am Ende zahlen wir alle drauf, nämlich für eine Politik, die lieber neue Hürden baut, statt alte abzubauen. Das muss alles zeitnah abgeschafft werden. Darum… (lassen wir das jetzt, es soll nicht politischer werden als es sowieso schon ist und mein Kommentar gelöscht weil er die falsche Färbung hat)
So ist es 1cm vom Medienstream abgewichen und schon hast du die falsche Farbe.
Muss ich jetzt für mein 3 Euro Päckchen jedes Mal extra zum Zollamt fahren und die Sendung abholen? So war das früher mal.
Ich glaube das machen die Paketdienstleister teilweise automatisch bei Zustellung oder es wird gleich vom Shop abgezogen.
Nein, Sie erhalten über ePost eine Zahlungsaufforderung (Überweisung) inklusive um die 15 Euro Aufwandsgebühr des Paketdienstleisters.