Ohne große Vorlaufzeit zieht Sony die Reißleine. Seit dem 27. März nimmt das Unternehmen keine Bestellungen für eine ganze Reihe eigener Speicherkarten mehr an. Betroffen sind sowohl CFexpress-Modelle als auch klassische SD-Karten, also genau die Produkte, auf die viele Fotografen und Videografen im Alltag angewiesen sind. Die Begründung fällt knapp aus, ist aber wenig überraschend. Die Nachfrage liegt deutlich über dem, was aktuell produziert werden kann. Hintergrund ist einmal mehr die angespannte Versorgung mit Speicherchips. Das Thema begleitet die Branche seit Jahren, taucht nun aber wieder sehr konkret im Endkundensegment auf.

Händler und Kunden gleichermaßen betroffen
Der Schritt greift ungewöhnlich breit. Nicht nur Endkunden im Sony Store gehen leer aus, sondern auch Händler können aktuell keine neue Ware ordern. Damit wird der Markt praktisch eingefroren, zumindest was die offizielle Versorgung angeht. Das ist deshalb relevant, weil Sony gerade im Bereich CFexpress eine feste Größe ist. Wenn ein Hersteller dieser Größenordnung kurzfristig ausfällt, verschiebt sich das Gleichgewicht spürbar. Andere Anbieter werden die Lücke nicht sofort schließen können, zumal auch dort die gleichen Zulieferprobleme bestehen.
Diese Modelle stehen auf der Liste
Sony nennt konkret mehrere Serien, die vom Bestellstopp betroffen sind. Darunter finden sich sowohl High-End-Karten als auch Modelle aus dem gehobenen Mainstream. Bei CFexpress Type A betrifft es die Reihen CEA-G1920T, CEA-G960T, CEA-G480T und CEA-G240T. Im Type-B-Segment sind unter anderem CEB-G480T und CEB-G240T genannt. Zusätzlich fallen zahlreiche SD-Karten aus den Serien SF-G, SF-M und SF-E unter die Maßnahme. Gerade die Kombination aus Profi- und Allround-Produkten zeigt, dass es sich nicht um ein Randproblem handelt. Der Engpass zieht sich durch das gesamte Portfolio.
Was das in der Praxis bedeutet
Für viele Nutzer wird sich die Situation zunächst schleichend bemerkbar machen. Lagerbestände im Handel sind noch vorhanden, allerdings erfahrungsgemäß nicht lange. Sobald Nachschub ausbleibt, reagieren Preise meist schnell. Vor allem im professionellen Bereich könnte das spürbar werden. CFexpress-Karten sind inzwischen Standard bei hochauflösenden Videoformaten oder schnellen Serienaufnahmen. Wer hier Ersatz oder zusätzliche Kapazität benötigt, hat kurzfristig weniger Auswahl. Im Consumer-Bereich ist die Lage etwas entspannter, weil SD-Karten breiter verfügbar sind. Dennoch gilt auch hier: Wenn ein großer Anbieter wegfällt, wird es enger – und meist auch teurer.
Chipmangel bleibt ungelöstes Problem
Der eigentliche Kern liegt tiefer. Speicherchips gehören weiterhin zu den Komponenten, bei denen Angebot und Nachfrage nicht sauber zusammenfinden. Selbst wenn sich die Lage phasenweise entspannt, reichen kleine Verschiebungen aus, um die Kette wieder ins Wanken zu bringen. Bei Speicherkarten kommt hinzu, dass Controller und NAND-Speicher exakt aufeinander abgestimmt sein müssen. Das erschwert kurzfristige Produktionsanpassungen. Entsprechend reagieren Hersteller eher mit Verkaufsstopps als mit halbgaren Lösungen.
Wann es weitergeht, ist offen
Sony hält sich beim Zeitplan bedeckt. Eine Wiederaufnahme der Bestellungen ist zwar vorgesehen, hängt aber ausdrücklich von der weiteren Entwicklung der Lieferlage ab. Konkrete Termine nennt das Unternehmen nicht. Für Käufer bedeutet das vor allem Unsicherheit. Wer aktuell plant, in neue Speicherkarten zu investieren, muss entweder auf vorhandene Bestände zurückgreifen oder sich nach Alternativen umsehen.