Zum Abschluss einer Woche voller Produktankündigungen hat Apple gestern das neue MacBook Neo als Einstieg in die Apple-Welt präsentiert (wir berichteten). Mit einem Einstiegspreis von 599 Euro für Schüler und Studenten (699 Euro Normalpreis) will man vor allem im Bildungsbereich wieder mehr Fuß fassen. Anders als in Deutschland mit den iPads hat man im Heimatmarkt USA einen Großteil des Nachwuchses an die günstigeren Chromebooks verloren.
Vergleicht man die unverbindlichen Preisempfehlungen von Apple, dann liegen zwischen dem MacBook Neo und dem günstigsten MacBook Air satte 500 Euro Differenz. Aber was muss man dafür wirklich für Kompromisse eingehen?

Maximal 8 GB Arbeitsspeicher möglich
Normalerweise kann man bei Apple den Arbeitsspeicher immer gegen eine „geringe Gebühr“ aufstocken – nicht so beim MacBook Neo: Es gibt nur zwei Konfigurationen und beide kommen mit 8 GB Arbeitsspeicher. Man wird aktuell irgendwie damit hinkommen, denn sonst würde Apple das Gerät so nicht auf den Markt bringen. Ob man in 5 bis 6 Jahren mit einem Gerät mit 8 GB RAM allerdings noch glücklich sein wird, ist durchaus fraglich. Ich sehe beim Arbeitsspeicher den potentiell größten Flaschenhals und Apple dürfte genau das auch zum Upselling nutzen.
Anschlüsse
Für große Aufregung hat das Thema Anschlüsse gesorgt: Nur 2x USB-C und davon 1x USB 3 mit maximal 4k 60 Hz und 1x USB 2. Aber hier sehe ich das Problem in der Praxis bei der Zielgruppe des MacBook Neo absolut nicht. Meistens wird das Ding im Akku-Modus betrieben werden und ansonsten nimmt man den langsamen Port zum Laden und den anderen, wenn man doch mal ein paar Daten bewegen will oder eben einen externen Monitor anschließt. Ich gehe nicht davon aus, dass aktuell Schüler und Studenten in den USA mit ihren Chromebooks zuhause Multi-Monitor-Setups bauen. Im Prinzip hätte dem MacBook Neo wahrscheinlich auch ein Port zum Laden gereicht. Beim konkurrierenden iPad A16 ist übrigens auch nur ein USB-C-Port mit USB 2 verbaut und es ist kein Drama.
Tastatur bleibt dunkel
Die Tastenbeleuchtung gehört seit Jahren bei den MacBooks eigentlich dazu und fällt dem Sparkurs ebenfalls zum Opfer. Das ist eine nette Komfortfunktion und ich selbst möchte sie auch nicht mehr missen, aber vielen Nutzern dürfte das wahrscheinlich gar nicht auffallen. Die fehlende Beleuchtung sehe insgesamt eher als einen nachrangigen Grund gegen das MacBook Neo an.
Gleiches gilt für TouchID (Fingerabdrucksensor), welches es nur gegen 100 Euro Aufpreis zusammen mit einer Verdopplung des Speichers von 256 GB auf 512 GB gibt. Nett zu haben, aber es geht auch irgendwie ohne.
Trackpad von vor 10 Jahren
Was sich noch im Alltag dagegen noch bewähren muss, ist das neue Trackpad. Apple setzt hier wieder auf ein mechanisches Trackpad, was man so auch schon aus manchen externen Tastaturen von den iPads kennt. Man kann es zwar wohl auch überall relativ gleichmäßig klicken, aber an die vor über 10 Jahren eingeführten ForceTouch-Trackpads dürfte es vermutlich nicht ganz rankommen. Muss man mal schauen, wie groß die Unterschiede dann im Vergleich sind.
Weitere Unterschiede
Einige Spezifikationen sind aber auch einfach nur auf dem Papier schlechter als bei den teureren MacBooks: Einen Unterschied zwischen dem verbauten WLAN 6E und neueren Standards bemerkt kein Mensch im Alltag.
Auch den kleineren Farbraum des Displays (sRGB statt P3) dürfte man nicht ohne weiteres wahrnehmen. Und True Tone vermisst man nur, wenn man es kennt und mag.
Die Akkulaufzeit und die neuen Lautsprecher sind ebenfalls nicht aus dem obersten Regal, aber trotzdem für den Zweck ausreichend. Apple gibt die Surf-Dauer beim MacBook Neo mit 11 Stunden an und beim kleinen MacBook Air mit 15 Stunden. Der Unterschied ist also durchaus deutlich, aber 11 Stunden sind ja eben auch nicht schlecht.
Ob der A18 Pro als SoC in einem MacBook schlechter ist als ein Chip der M-Reihe, ist sicherlich auch eine Glaubensfrage. Der A18 Pro ist auf jeden Fall auch sehr leistungsstark und vielleicht noch eine Ecke mehr auf Effizienz getrimmt als die M-Serie. Hätte Apple ihn M4 Neo genannt, würde jetzt keiner drüber sprechen.
Lieber älteres MacBook Air
Das MacBook Air M4 mit 16 GB RAM wird aktuell bei seriösen Anbietern für 870 Euro gehandelt. Für 170 Euro mehr bekommt man derzeit also ein fast aktuelles MacBook Air ohne all die aufgeführten Kompromisse – für mich wäre das die sinnvollere Wahl.
Eure Meinung?
Wie sieht eure Meinung zum MacBook Neo aus? Was ist der größte Haken an dem Teil oder wagt ihr vielleicht aufgrund des attraktiven Preises mal einen Ausflug in die Mac-Welt? Einen Überblick über die MacBook-Modelle findet ihr hier bei Apple.
Die Batterielaufzeit beträgt nicht 11 h sondern 16.
Surfen ist mit 11 Stunden von Apple angegeben.