20 Jahre Windows 2000 – ein paar Erinnerungen

Dies ist ein Gastbeitrag von Kevin Puschak (kepuexe). Vielen Dank dafür!

Die Erstveröffentlichung des Betriebssystems „Windows 2000“ war am 15. Dezember 1999 – also schon 20 Jahre her. Was gibt es so zu schreiben über das wahre Millenium-Windows? Einiges.

Entwickelt wurde die Version ab 1997, ungefähr ein Jahr nach dem Release von „Windows NT 4.0“. Auch der Name während der Entwicklung war logischerweise „Windows NT 5.0“, doch letzten Endes entschied man sich für eine Jahreszahl, wie es bei der DOS-Linie (95, 98) der Fall war. Wegweisend im professionellen Bereich war die Einführung des Verzeichnisdienstes „Active Directory“. In diesem Beitrag beschränken wir uns größtenteils auf die Edition, die sogar gerne im Heimbereich verwendet wurde: Professional.

Gerade durch den Zusatz „Professional“ würde man meinen, es gäbe da wie später bei „Windows XP“ noch eine „Home Edition“. Unter dem Codenamen „Neptune“ war 1999 tatsächlich auch ein solches Windows in der Entwicklung, die Ideen flossen allerdings in das 2001 veröffentlichte „Windows XP“ ein, was letzten Endes auch die NT- und die DOS-Linie zu einer NT-Linie sowohl für Heim- als auch Büroanwender vereinen sollte. „Windows Me“ bzw. „Windows Millenium Edition“ war da eher eine Notlösung, die man nicht gerade gutmütig wahrgenommen hat.

Auch mit „Windows 2000“ portierte Microsoft einige komfortable Tools aus den Consumer-Systemen, damit die professionellen Anwender davon ebenfalls profitieren konnte. So war es beim Vorgänger ein großer Fortschritt, dass dort die Windows-95-Oberfläche Einzug gehalten hat, hier waren es Dinge wie der Geräte-Manager, ein Tool zur Defragmentierung der Festplatte(n) und bessere Anpassungsmöglichkeiten der Menüs. „Windows 2000“ ist zudem das erste NT, welches von Haus aus mit USB-, DVD- und Firewire-Geräten kommunizieren kann. Dank Plug & Play könnte man es sogar wagen, „Windows 2000“ auf einem Notebook auszuführen.

Wer „Windows 2000“ sein Eigen nennen wollte, brauchte mindestens einen Pentium 133, 64 MB RAM, 650 MB freien Festplattenspeicher und ein CD- oder DVD-Laufwerk. VGA-Monitor, Maus und Tastatur sind da selbstredend. Nicht zu vergessen sind die u.U. anfallenden Gebühren, möchte man die Internetfunktionen nutzen. Dieses böse Internet der frühen 2000er, das wird sich nie durchsetzen…glaube ich. :)

Der Desktop von Windows 2000 Professional mit geöffnetem Startmenü.

Optisch sieht es vom Grundaufbau noch aus wie Windows eben aussieht, aber im Detail gibt es dennoch Unterschiede. Einerseits sind alle Elemente nun hell- statt dunkelgrau, die Standard-Schriftart ist „Tahoma“, die Farbübergänge in den Fensterleisten wurden von „Windows 98 SE“ übernommen und es gibt einen Schatten unter dem Cursor. Außerdem wird man beim Startmenü einen Fade-Effekt bemerken und die am wenigsten genutzten Menüeinträge werden versteckt und erst bei Bedarf angezeigt. Man war allerdings vom fast schon quietschbunten Luna-Theme von „Windows XP“ weit entfernt.

Bis auf einige weitere Sachen wie eine neue komfortablere Computerverwaltung gibt es sonst die üblichen Tools, die man mit einer Windows-Version bekommen kann: Editor, Rechner, WordPad, Solitär, Freecell, Pinball, Paint und so weiter. Doch da draußen wartet sehr viel Software, die darunter installiert werden kann. Und für „Windows 2000“ gab es im Supportzeitraum nicht gerade wenig. Mit ein wenig Glück hat die Software für „Windows XP“ auch funktioniert, gerade einige Sachen ähneln sich sehr mit dem von „Windows XP“.

Als ich dieses Betriebssystem so richtig kennenlernen durfte, war es noch nicht sehr lange auf dem Markt. Genauer gesagt durfte ich es ungefähr 2002 kennenlernen, als die Grundschule in meiner Heimatstadt mit einem Computerkabinett ausgestattet wurde. Man kannte mich in der Zeit schon als Computerbegeisterten, weshalb es für mich definitiv was tolles war. An die Ausstattung kann ich mich absolut nicht mehr erinnern, aber die Rechner wurden mit „Windows 2000 Professional“ ausgestattet. Neben dem vorinstallierten Kram durften wir uns entweder mit „Microsoft Office XP“ beschäftigen oder im Internet surfen. In einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt quasi unvorstellbar. Natürlich nicht mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, aber was schnelleres kannte man nicht.

Entsprechend eingerichtet kann man noch ins Internet gehen. Viel geht aber nicht. Immerhin Google geht.

Ins Internet ging es mit dem vorinstallierten Internet Explorer 5.0. Ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob die 128-bit-Verschlüsselung installiert wurde, die der Originalverpackung des Betriebssystems als 3,5“-Diskette beilag. Ich weiß nur so viel: unsere meistbesuchte Seite war die des Kinderprogramms von Super RTL: toggo.de. Da diese voller Flash-Elemente war, sieht man im Web-Archiv davon entsprechend wenig. Unsere Suchmaschine war selbstverständlich Google.

Irgendwann hatte ich auf meinem heimischen Rechner dieses Betriebssystem auf meiner Festplatte und lief hervorragend. Ganz im Gegensatz zum frühen „Windows XP“, welches absolut nicht fehlerfrei laufen wollte, weshalb wir uns dafür entschieden, bis zu einem Rechnerwechsel bei „Windows 2000“ zu bleiben. Seit dem Wechsel habe ich dann nie wieder einen PC besessen mit dem Betriebssystem oder kam jemals auf die Idee, es auf einem echten Rechner zu installieren.

Bis zum 9. November 2019. Da habe ich Tage zuvor bei ebay Kleinanzeigen mein Glück probiert, für ca. 20€ ein Exemplar zu ergattern. Originalverpackt und sogar die Vollversion. Und da lag es vor mir. Gestaltungstechnisch ein wenig unspektakulärer als die bisher erschienenen Windows-Verisonen ab 95. In der Verpackung gibt es den üblichen Papierkram: Registrierungszettel, Supportkarten, ein Einsteigerhandbuch und natürlich die CD mit dem Betriebssystem. Wie es zu der Zeit üblich war, waren die CDs von Microsoft komplett übersäht mit einem Hologramm, was nicht nur der Sicherheit diente, sondern meiner Meinung nach sogar richtig hübsch aussah.

Der Inhalt der Originalverpackung.

Die Installation verläuft dagegen recht unspektakulär. In meinem Exemplar lagen keinerlei Boot-Disketten bei, die dem Rechner den Ruck geben, von CD zu booten, was aber auch ohne Disketten funktioniert. Und ich hätte nicht gedacht, ein älteres Windows zu bekommen, welches mir seine Funktionen in übertriebener positiver Form präsentieren möchte, man muss recht wenig selber was einstellen, es geht fast von alleine durch.

In meiner PC-Sammlung existiert ein Hyrican-Komplettrechner, der zum Zeitpunkt dieses Artikels mit einem AMD Athlon 1000 (Slot-Bautform), 384 MB SDRAM (3x 128 MB), einer 3dfx Voodoo5 5500 AGP, einer 40 GB Festplatte von Maxtor, einem Shuttle-Mainboard und einer Creative SoundBlaster Live! Soundkarte ausgestattet ist. Dieser Rechner ist wie gemacht für „Windows 2000“, auch wenn es eine Unterstützung für Hyperthreading und für Arbeitsspeicher bis 4 GB mitbringt. 4 GB RAM im Jahr 2000 klang noch unbezahlbar. Selbst ein Dualboot mit „Windows Me“ ist möglich, auch wenn man zuerst dieses installieren muss, bevor man sich an „Windows 2000“ ranmacht.

Tatsächlich haben einige mit „Windows 2000“ sogar Spiele gespielt, wo NT-Systeme nicht gerade die perfekten Betriebssysteme für Spiele waren. Ich habe mir spaßeshalber vier bzw. fünf Spiele rausgepickt, um zu schauen, ob man von der Performance her irgendwelche Unterschiede merkt, wenn man Spiel XYZ sowohl unter „Windows Me“ als auch unter „Windows 2000“ ausführt.

  • „Autobahn Raser III“ (2000) erreichte unter beiden Systemen Frameraten zwischen 45 und 60 Bilder die Sekunde. Wohl gemerkt mit dem vorinstallierten DirectX 7.0.
  • „Monopoly Tycoon“ (2001) verlangte DirectX 8.0 und lief ebenfalls auf beiden Systemen mit 30 bis 55 Bildern die Sekunde.
  • „Diablo II“ (2000) zeigte zwar keine Framerate an, lief aber auf beiden Systemen überwiegend flüssig, nur unter „Windows 2000“ stockte es, wenn auch selten.
  • „GTA3“ (2002) verlangte DirectX 8.1 und lief ohne Unschärfe-FX mit 10 bis 20 Bildern die Sekunde. Da muss wohl jemand den PC aufrüsten. :)
‘System Shock 2‘ mag Windows NT offenbar nicht.

Ich schrieb aber was von fünf Spielen. Ich wollte auch „System Shock 2“ (1999) ausprobieren, aber das verweigerte die Installation unter „Windows 2000“, weil es ein NT-System erkannt hat. Aber wie man sehen kann, war „Windows 2000“ um den Erscheinungszeitraum durchaus spieletauglich, wenn man auf den ein oder anderen Spieletitel verzichten konnte. Bis ungefähr 2008 unterstützten die Spieletitel „Windows 2000“, bis man dazu überging, eher „Windows XP“ zu verlangen.

Wohl gemerkt, ich schreibe die ganze Zeit über das reine „Windows 2000“. Im Laufe der Zeit kamen insgesamt vier Service Packs raus, die dem System zahlreiche Verbesserungen verpassten. Eventuell hätte man mit dem Service Pack 2 das vorhin erwähnte Spiel ausführen können, weil dort ein Kompatibilitätsmodus veröffentlicht wurde. Mit dem Service Pack 3 gab es die automatischen Updates und eine Unterstützung für Festplatten, die größer sind als 137 GB. 2002 kam es schon mal vor, dass man sich eine gigantisch große Festplatte holen wollte. Und mit dem letzten Service Pack 4 kamen sogar Unterstützungen für USB 2.0 und WLAN. Da es kein fünftes Service Pack gab, schob man 2005 ein Update-Rollup nach.

Der Support wurde am 13. Juli 2010 nach fast 11 Jahren eingestellt. Wenn man bedenkt, dass zu der Zeit die Systeme „Windows XP“, „Windows Vista“ und sogar „Windows 7“ aktuell waren. Ich habe leider keinen aus meinem Bekanntenkreis, der im Jahr 2010 noch auf „Windows 2000“ gesetzt hat, weil ihm entweder die Produktaktivierung von „Windows XP“ zu doof war oder sich allgemein vor neuer Technik gefürchtet hat.

Der Bootscreen.

Es hängen schon gute, wenn auch nicht unbedingt viele, Erinnerungen an „Windows 2000“. Es war ein guter Übergang zu „Windows XP“. Aber nicht nur das, mit dem Betriebssystem bin ich im zarten Alter von 8 Jahren erstmals im Internet unterwegs gewesen, was auch schon eine nette Erfahrung war.

Wie habt ihr „Windows 2000“ in Erinnerung behalten? Habt ihr es lange benutzt oder mochtet ihr es gar nicht?

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