HP Stream 7 mit Windows 8.1 im Test: Hardware gut, Software schlecht

hp stream 7 gplusAuf der IFA 2013 in Berlin hat HP das preiswerte Stream 7 Tablet mit einem vollwertigem Windows 8.1 vorgestellt. Mit offiziell 129 Euro ist es das wohl derzeit günstigste Windows-Tablet eines westlichen Herstellers.

Im Winter-Sale hat Microsoft das Gerät zusammen mit einer Office-365-Jahreslizenz für 99 Euro angeboten, sodass ich nicht ‚Nein‘ sagen konnte und das Stream 7 zum Ausprobieren und für unterwegs einfach kaufen musste. Normalerweise bin ich glücklicher Nutzer eines iPad Air der ersten Generation – vor allem Windows als Betriebssystem muss sich also in meinem kleinen Test mit iOS messen.

 

Allgemeines

Großartige Konfigurationsmöglichkeiten bietet der Microsoft nicht: Lediglich die im nächsten Abschnitt beschriebene Konfiguration ist erhältlich. Optional gibt es noch eine Art Smart-Case für rund 30 Euro.

Mit dem Stream 7 wage ich mich auch zum ersten Mal in das Reich der kleineren Tablets. Ich bin mir bewusst, dass man das doch sehr preisgünstige HP-Tablet nicht in allen Bereichen mit dem fast fünfmal teureren Apple-Produkt vergleichen kann und beide Produkte völlig andere Käufer ansprechen. Trotzdem bin ich durchaus positiv überrascht von dem Gerät.

 

Lieferumfang, Ausstattung und Spezifikationen

Das Tablet ist preislich im unteren Segment angesiedelt und war auch entsprechend eingepackt: Die eigentliche Verpackung wurde in einem etwas größeren Karton ohne Polsterung ausgeliefert. Auf dem Weg zu mir musste das HP Stream 7 also schon einige Erschütterungen aushalten und kam trotzdem heil an.

In der eigentlichen Verpackung gibt es keine größeren Überraschungen – lediglich die Product-Key-Karte für Office 365 hatte ich zunächst vermisst. Diese ist aber in digitaler Form auf dem Gerät hinterlegt. Ansonsten enthält der Karton nur das Tablet mit Netzteil und USB-Kabel. Kurios und peinlich zugleich war allerdings noch der beigelegte Zettel mit den wichtigsten Tastenkombinationen von Windows – bei einem Tablet ohne Tastatur wohlgemerkt. Kopfhörer sucht man hier vergeblich.

Das Gerät selbst kommt mit einem 7-Zoll-Display (1280 x 800 Pixel), einem Intel Atom Quad-Core-Prozessor (Z3735G) mit 1,33 Gigahertz Takt, 32 Gigabyte internem Speicher und nur einem Gigabyte Arbeitsspeicher daher. Der Prozessor unterstützt zwar theoretisch 64-Bit-Systeme, aufgrund des geringen Arbeitsspeichers macht das aber nur bedingt Sinn. Daher kommt als Betriebssystem ein 32-Bit Windows 8.1 Signature Edition zum Einsatz.

Unter der abnehmbaren Rückseite versteckt sich ein Micro-SD-Kartenslot für eigentlich jede Speichergröße (offiziell nur bis zu 32 GB – praktisch jedoch mehr). An der Oberseite sind zudem ein Klinkenanschluss und der USB-OTG-Anschluss zu finden. Unten hat der Lautsprecher eine Öffnung. Vorne und hinten finden sich sogenannte Kameras mit angeblich 2 und 0,3 Megapixeln. Einen Helligkeitssensor hat das HP Stream 7 nicht. Die Windowstaste auf der Frontseite aus Glas ist wie bei den meisten Windows Phone kapazitiv.

Mit seinen 350 Gramm ist das Tablet bei eine Dicke von 9,9 Millimetern relativ dick und schwer. Im Gehäuse versteckt sich ein Lithium-Ionen-Akku mit 3.000 mAh und 11,1 Wattstunden, der laut Microsoft bis zu acht Stunden halten soll.

hp stream 7 verpackung

 

Design und Verarbeitung

Das Design ist sehr schlicht gehalten und erinnert etwas an ein vergrößertes Smartphone. Durch die kleinen Displayabmessungen und die schmalen Ränder können selbst Personen mit kleinen Händen das Gerät Problemlos mit einer Hand halten. Leider ist die Gehäusewand in die Tiefe etwas abgeschrägt, sodass ab und an das Greifen vom Tisch etwas schwer fällt. Auch der Lautsprecher ist etwas ungünstig platziert und kann leicht verdeckt werden.

Die Rückseite ist abnehmbar – so steht es jedenfalls in der Beschreibung. Mich hat es aber einiges an Mut und Überzeugung gekostet, diese auch wirklich abzunehmen. Das Öffnen erfordert nämlich erheblich mehr Kraft als der Biege-Test beim iPhone. Man könnte das HP Stream 7 durchaus als sehr robust bezeichnen. Die Rückseite selbst ist aus sehr leicht gummiertem Kunststoff mit kleinen Metallpartikeln. Ein iPhone 5c fühlt sich billiger an und zieht mehr Fingerabdrücke an.

Auch die Tasten sind aus Kunstsoff (Einschalter und Lautstärkeregler) und haben einen wirklich guten Druckpunkt. Im Gegensatz zum deutlich teureren iPad Air wackeln diese gar nicht.

Durch die Abmessungen und das hohe Gewicht wirkt das Tablet sehr stabil, wenngleich auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Aber was will man für 99 Euro erwarten? Immerhin wurde das Tablet ohne Kratzer geliefert und auch die Spaltmaße sind in Ordnung.

 

Display

Ich selber lege eigentlich immer Wert auf eine gute Auflösung beziehungsweise hohe Pixeldichte. Full HD bei einem 24-Zoll-Bildschirm empfinde ich beispielsweise schon als sehr unangenehm. Ein 4k-Display bei einem 5-Zoll-Smartphone brauche ich aber auch nicht.

Insgesamt finde ich das Display vom HP Stream 7 trotz der relativ geringen Pixeldichte für den Preis richtig gut. HP verbaut ein IPS-Panel, welches auch nach ein paar Einstellungen am Grafiktreiber richtig gute Farben zeigt und Blickwinkelstabil ist. Man muss allerdings Backlight Bleeding und eine insgesamt nicht ganz so gute / gleichmäßige Ausleuchtung in Kauf nehmen.

Am Display scheiden sich bei mir die Geister. Über die Schärfe und Farbwiedergabe lässt sich nicht diskutieren. Auch bei der Blickwinkelabhängigkeit und den Weißwerten zählt es zu den besseren. Allerdings machen im Netz immer wieder Bilder von Geräten mit Gelbstich die Runde. Ich selbst konnte ein solches Phänomen allerdings nicht beobachten.

Was mich allerdings etwas stört, ist die Kalibrierung des 5-Finger-Touchscreens im Auslieferungszustand. Teilweise konnte man keine präziseren Eingaben tätigen. Gerade im Desktop-Modus ist das wichtig. Windows bietet glücklicherweise eine Möglichkeit zur manuellen Kalibrierung an.

 

Performance, Stabilität, Kamera, Sound und Sonstiges

Die Performance des Gerätes ist wirklich erste Sahne. Es gibt keinerlei Ruckler oder Verzögerungen. Die Oberfläche reagiert zügig und selbst unter Last ist das Stream 7 noch problemlos bedienbar. Sogar die ganzen Registrierkarten im Internet Explorer müssen – trotz 1 GB RAM – nicht ständig neu geladen werden. Windows 8.1 ist wie am Desktop-PC auch auf dem kleinen Tablet nicht zum Abstürzen zu bringen.

Lediglich die Spieleleistung kommt nicht ganz an die Top-Geräte aus dem Android- und iOS-Lager heran. Asphalt 8 ist mit etwas geringerer Bildrate zwar flüssig spielbar – Spaß macht es aber trotzdem nicht mehr. GTA San Andreas (Desktop) läuft auch nur mit niedrigsten Grafikeinstellungen halbwegs rund.

Die beiden Kameras hätte HP jedoch gleich weglassen können und den Preis des Tablets noch weiter senken können. Die Bilder der 2-Megapixel-Hauptkamera sind trist, grau und unscharf. Auch bei eigentlich guten Lichtbedingungen rauschen die Aufnahmen. Ich habe unten mal ein Testbild mitsamt Referenz angehängt. Gleiches gilt in verstärkter Form für die andere Kamera.

Auch der Lautsprecher gehört nicht zu den besten. Der Sound wird gerade bei höheren Lautstärken nicht besonders klar wiedergegeben. Ton über den Klinkenanschluss wird mit einem nicht zu überhörenden Fiepen unterlegt.

Für manche ein sehr wichtiger Punkt ist sicherlich der fehlende Helligkeitssensor. Mich stört das bis auf eine Ausnahme nicht, regele ich doch die Hintergrundbeleuchtung bei allen meinen Geräten immer manuell. Ich werde daran aber noch ein bisschen basteln und schauen, ob man eventuell auf die Kamera(s) ausweichen kann.

Positiv anzumerken ist aber noch der integrierte Micro-USB-OTG-Anschluss: Mit einem entsprechenden Adapter können hier normale USB-Geräte wie Speicherstifte sowie Maus und Tastatur angeschlossen werden. Währenddessen kann das Gerät natürlich nicht aufgeladen werden.

testaufnahme hp stream 7
testaufnahme ipad air

 

 

Apps von Microsoft, Einstellungen und Software

Man soll ja immer mit den positiven Dingen anfangen und erst dann Kritik üben. Die mitgelieferten Apps sind auf dem kleinen Gerät wirklich klasse und es ist kein Müll vorinstalliert. Dank vollwertigem Windows konnte ich sogar f.lux – eine Software, die bei Dunkelheit den Bildschirm dimmt und leicht gelblich einfärbt – das erste Mal auf einem Mobilgerät installieren.

Ansonsten ist aber alles eine große Katastrophe und das meiste davon hat Microsoft verbockt – im Folgenden nur ein paar Beispiele. Es kann nicht angehen, dass ich mir den Treiber für den Lagesensor (für die automatische Displayrotation) selbst herunterladen und installieren muss. Es kann nicht sein, dass bestimmte Einstellungen (Suchanbieter) nur im Desktop-IE ändern kann. Dabei will ich doch auf einem Tablet so wenig wie nur möglich auf dem Desktop aktiv sein. Auch andere Einstellungen sind wild verstreut. Soweit aber nicht weiter tragisch, da es sich hierbei um einmalige Sachen handelt.

Windows ist Windows und muss daher ständig mit Updates versorgt werden. Die Folge ist, dass man sein Gerät eigentlich monatlich neu starten darf oder sogar dazu gedrängt wird. Für mich ist das aber nicht normal. Mein Tablet und mein Smartphone laufen teilweise mehrere Monate ohne Neustart. Auch das gesamte Gestenkonzept wirkt nicht sonderlich durchdacht. In der Nachrichten-App oder der Startseite scrollt man beispielsweise horizontal. Wenn man diese Bewegung versehentlich vom Displayrand ausführt, landet man gleich in einer anderen App oder ruft die Charmsbar auf. Das hätte Microsoft definitiv eleganter lösen müssen.

Und dann wäre da noch die Sache mit Office 365: Will man Office auf dem HP Stream 7 installieren, muss man den digitalen Produkt-Key erst aktivieren. Hierfür wird man dann auf eine Webseite geleitet, wo man Land und Sprache auswählen soll. Doof nur, wenn der hauseigene Browser mit der eigenen Webseite nicht klarkommt. Schlussendlich musste ich den Prozess mit dem Chrome-Browser abschließen.

 

Akkulaufzeit

Die Akkulaufzeit ist wie das Gerät selbst – klein. Microsoft gibt ja – wie oben beschrieben – bis zu acht Stunden an. In der Realität schaffte ich eher sechs Stunden bei normaler Nutzung mit dunklerer Helligkeitseinstellung. Wenn man dann die Hintergrundbeleuchtung voll aufdreht, senkt sich dieser Wert nochmal um fast drei Stunden.

Für mich persönlich ist das eigentlich zu wenig. Das HP Stream 7 ist und bleibt trotz vollwertigem Windows ein Tablet muss daher auch durchhalten wie ein Tablet. Bedenkt man allerdings den Kaufpreis von 99 Euro geht das dennoch irgendwie in Ordnung.

 

Fazit

Die Überschrift sagt eigentlich alles. Das Tablet selbst ist für den Preis wirklich gut – HP als Hersteller hat sich hier nichts zu Schulden kommen lassen. Das Display ist in der Preisklasse überdurchschnittlich und auch sonst hinterlässt die Hardware und Verarbeitung auf mich einen guten Eindruck.

Microsoft hingegen hat seinen Job nicht gut gemacht. Es kann nicht sein, dass man als Käufer eines 7-Zoll-Tablets im Desktopmodus rumdoktern muss und durch wenig durchdachte Gesten regelmäßig genervt wird. Da müssen sie nachbessern und sind hoffentlich mit Windows 10 auf dem richtigen Weg. Lediglich in einer Sache hat Microsoft mich positiv überrascht: Windows läuft mittlerweile wieder auf echt schwachen Rechnen mit sehr wenig Arbeitsspeicher wieder super.

Ich selbst habe inzwischen sogar den 7-Zoll-Faktor lieben gelernt und kann ihn absolut nur weiterempfehlen. Die Geräte passen gerade noch so in die Hosentasche und können so auch unterwegs besser genutzt werden. Mein iPad nutze ich ja eigentlich ausschließlich zuhause.

Offene Fragen beantworte ich gerne in den Kommentaren. Ende Januar werde ich nochmal einen separaten Artikel zu Windows 10 auf dem HP Stream 7 veröffentlichen.

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13 Kommentare zu “HP Stream 7 mit Windows 8.1 im Test: Hardware gut, Software schlecht

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