Neun Jahre nach dem ersten Ender-3 erweitert Creality die Baureihe um zwei weitere Geräte. Der Ender-3 V3 Mega fällt mit seinem 420 Millimeter großen Bauraum deutlich größer aus als die bisherigen Standardmodelle und soll sich auch für kleinere Serien eignen. Daneben erscheint der Ender-3 V3 Neo, der mit einem Bauraum von 220 × 220 × 220 Millimetern und einer einfacheren Bedienung vor allem Einsteiger ansprechen soll. Beide Drucker sind ab heute erhältlich. In Europa kostet der Mega Combo 699 Euro, für den Neo Combo werden 329 Euro veranschlagt. Das neue CFS Nano für den vierfarbigen Druck ist bei beiden Angeboten bereits enthalten.
420 Millimeter Bauraum und zwei Y-Motoren
Der Ender-3 V3 Mega bietet ein Druckvolumen von 420 × 420 × 420 Millimetern. Damit lassen sich beispielsweise größere Gehäuse, Cosplay-Requisiten oder andere Bauteile herstellen, die bei kleineren Geräten aufgeteilt und anschließend zusammengesetzt werden müssten. Ebenso können mehrere kleinere Modelle gemeinsam auf dem Druckbett platziert werden. Gerade letzteres dürfte für kleinere Druckfarmen interessant sein. Werden zahlreiche identische Teile benötigt, muss nicht nach jedem einzelnen Druck das Bett geleert und ein neuer Auftrag gestartet werden. Allerdings wächst mit der Anzahl der Bauteile auch das Risiko, dass ein einzelner Fehldruck weitere Objekte beeinträchtigt.
Beim Aufbau bleibt Creality dem klassischen Prinzip eines Druckers mit bewegtem Druckbett treu. Der Metallrahmen soll für die nötige Steifigkeit sorgen, während zwei Y-Motoren die große Druckplatte antreiben. Hinzu kommen zwei Z-Motoren und eine Vibrationskompensation, die unter anderem Ringing reduzieren soll. Creality nennt eine maximale Geschwindigkeit von 500 mm/s. Wie viel davon bei großen Bauteilen tatsächlich sinnvoll nutzbar ist, hängt unter anderem von der Beschleunigung, dem Material und der Geometrie des Modells ab. Bei einem Druckbett dieser Größe dürfte insbesondere die bewegte Masse eine Rolle spielen.
Sprite 2 für TPU bis Shore 85A
Eine weitere Besonderheit ist der Sprite-2-Extruder. Creality hat dessen Materialführung auf die Verarbeitung flexibler Filamente abgestimmt und nennt ausdrücklich TPU mit Härtegraden zwischen 85A und 95A. Das weichere 85A-Material lässt sich nicht mit jedem Extruder zuverlässig verarbeiten. Unter anderem kann es bei ungünstiger Filamentführung zu Stauchungen oder Problemen beim Vorschub kommen. Der Sprite 2 soll solche Schwierigkeiten in Verbindung mit angepassten Druckalgorithmen reduzieren. Damit eignet sich der Mega zumindest auf dem Papier auch für flexible Halterungen, Schutzhüllen und andere elastische Funktionsteile. Wie zuverlässig die Verarbeitung gerade bei 85A funktioniert, bleibt einem praktischen Test vorbehalten. Wer TPU verwenden möchte, muss allerdings auf das CFS Nano verzichten. Creality unterstützt für dieses Material ausschließlich die direkte Zuführung von einer Filamentspule. Das gilt auch für das automatische Filament-Wechselmodul.
CFS Nano übernimmt den Filamentwechsel
Mit dem CFS Nano erhalten beide neuen Ender-3-Modelle eine Möglichkeit zum vierfarbigen Druck. Das System verarbeitet bis zu vier Filamente und erkennt bei kompatiblen Creality-Spulen über RFID sowohl den Materialtyp als auch die Farbe. Außerdem kann das System den verbleibenden Filamentvorrat überwachen und bei niedrigem Füllstand eine entsprechende Meldung ausgeben. Unabhängig vom eigentlichen Mehrfarbendruck unterstützen Mega und Neo einen automatischen Wechsel auf eine Ersatzspule. Geht das verwendete Filament zur Neige, kann der Druck mit Reservematerial fortgesetzt werden.
Bei langen Druckaufträgen ist das durchaus nützlich, sofern das Ersatzmaterial die erforderlichen Eigenschaften besitzt. Zum Zeitbedarf einzelner Farbwechsel oder zur dabei entstehenden Abfallmenge macht Creality bislang keine Angaben. Gerade bei Modellen mit zahlreichen Farbwechseln können beide Faktoren die Gesamtdruckzeit und den Materialverbrauch erheblich beeinflussen.
Ender-3 V3 Neo mit automatischer Nivellierung
Der Ender-3 V3 Neo ist mit seinen 220 × 220 × 220 Millimetern wesentlich kompakter. Creality richtet sich damit insbesondere an Käufer, die ihren ersten 3D-Drucker suchen und keinen übermäßig großen Arbeitsplatz dafür einplanen möchten. Zu den Ausstattungsmerkmalen gehören eine vollständig automatische Bettnivellierung und ein Schnellwechselsystem für die Düse. Beides vereinfacht Arbeiten, die bei den frühen Ender-3-Generationen noch deutlich mehr Handarbeit erforderten. Auch beim Neo ist der vierfarbige Druck mit dem CFS Nano möglich.
Die automatische Umschaltung auf eine Ersatzspule wird ebenfalls unterstützt. Weitere technische Daten zum Neo sind in der Ankündigung noch recht knapp gehalten. Angaben zur maximalen Druckgeschwindigkeit oder zur erreichbaren Düsentemperatur fehlen beispielsweise. Ein direkter Vergleich mit anderen Druckern dieser Preisklasse ist deshalb vorerst nur eingeschränkt möglich.
Marktstart mit zusätzlichem Filament
In Deutschland werden beide Geräte zunächst als Combo angeboten. Der Ender-3 V3 Mega Combo kostet 699 Euro. Bestellungen vom 15. Oktober bis einschließlich 30. November erhalten vier zusätzliche Filamentrollen. Beim Ender-3 V3 Neo Combo liegt der Preis bei 329 Euro. Hier legt Creality im gleichen Zeitraum zwei Filamentrollen bei. Für den US-Markt nennt der Hersteller Einführungspreise von 669 US-Dollar für den Mega Combo und 329 US-Dollar für den Neo Combo. Die amerikanische Aktion endet bereits am 10. November. Beide Modelle können über den europäischen Creality-Shop bestellt werden. Separate Preise für die Drucker ohne CFS Nano hat der Hersteller bislang nicht mitgeteilt. Mit dem Mega deckt die Ender-3-Serie künftig auch größere Druckaufträge ab, für die bislang andere Geräteklassen infrage kamen. Der Neo bleibt dagegen beim ursprünglichen Ansatz der Baureihe: ein vergleichsweise günstiger FDM-Drucker, der inzwischen allerdings zahlreiche Arbeitsschritte selbst übernimmt.



