Wer während eines Urlaubs im Ausland mit dem Smartphone im Mobilfunknetz online bleiben möchte, muss heutzutage eigentlich keine physische SIM-Karte mehr vor Ort kaufen. Eine eSIM ist bei den modernen Handys schnell eingerichtet und bei verschiedenen Anbietern gibt es Datentarife für zahlreiche Länder.
Ich habe den Anbieter Yesim kürzlich selbst ausprobiert mit einem Datentarif inklusive Einrichtung der eSIM sowie mit einer virtuellen Telefonnummer und möchte dazu mal meine Erfahrungen schildern. Die eigentliche Nutzung der Yesim-eSIM hat dabei problemlos funktioniert. Ein paar Dinge sind mir allerdings trotzdem aufgefallen, bei denen der Anbieter noch nachbessern sollte. Dazu gehört vor allem die App, aber auch bei den virtuellen Telefonnummern sollte man genauer hinschauen.
Yesim-eSIM in der Praxis
Die Einrichtung der eSIM ist grundsätzlich schnell erledigt: Nach dem Kauf wird das eSIM-Profil bereitgestellt und kann auf dem Smartphone installiert werden. Danach lässt sich Yesim als Daten-SIM auswählen.
Wichtig ist dabei eine Einstellung, die zunächst etwas widersinnig klingt: Für die Yesim-eSIM muss je nach Tarif Daten-Roaming aktiviert werden. Das liegt daran, dass die Verbindung zu den lokalen Mobilfunknetzen über Roaming-Partner hergestellt wird. Bei dem auf den Screenshots sichtbaren gebuchten deutschen Tarif erfolgt die Verbindung beispielsweise über Orange aus Frankreich, welches dann das Netz der deutschen Anbieter nutzt.
Bei meinem Test funktionierte die Verbindung grundsätzlich so, wie sie sollte und das auch durchaus schnell. Yesim gibt an, dass man je nach Tarif und Land auf unterschiedliche lokale Netze zugreift (bei meinem Beispiel ist das in Deutschland ursprünglich Vodafone gewesen). Das Ganze soll automatisch das jeweils verfügbare Netz auswählen. Bei Bedarf lässt sich das Mobilfunknetz aber auch manuell wechseln (ich habe dann das Telekom-Netz gewählt).
Interessanter wird es bei der Frage, wo der Datenverkehr anschließend landet. Eine Yesim-eSIM bedeutet nicht automatisch, dass auch die IP-Adresse aus dem Land kommt, in dem man sich gerade befindet. Yesim weist auf Nachfrage darauf hin, dass der Datenverkehr teilweise über eigene Knoten in anderen Ländern geführt wird:
Einige unserer eSIMs erfordern eine andere Verbindungsmethode und können den Internetverkehr über bestimmte Länder leiten, in denen Yesim Knotenpunkte hat. Dadurch kann die angezeigte IP-Adresse manchmal vom tatsächlichen Standort abweichen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf die Datennutzung und die Kosten.
Ich hatte hier zum Beispiel eine polnische IP-Adresse, obwohl ich mich in Deutschland befinde und ein Datenpaket für Deutschland gebucht habe. Bei Geoblocking oder Diensten, die den Standort anhand der IP-Adresse bestimmen, kann das durchaus relevant sein. Und wirklich transparent ist es halt auch nicht.
Auch bei den sogenannten Unlimited-Tarifen sollte man nicht nur auf das Wort „unbegrenzt“ schauen. Yesim weist auf eine Fair-Use-Regelung (FUP) hin. Nach einem bestimmten Verbrauch kann die Geschwindigkeit reduziert werden. Wie hoch die Grenze ist und auf welche Geschwindigkeit gedrosselt wird, hängt laut Yesim vom jeweiligen Netzbetreiber beziehungsweise Tarif ab. Genau hier wäre mir eine etwas klarere Darstellung lieber. Bei einem als „Unlimited“ beworbenen Tarif möchte ich vor dem Kauf sehen, ab welchem Verbrauch welche Geschwindigkeit übrig bleibt. Der Hinweis auf eine FUP allein ist dafür etwas wenig.
Preislich bewegt sich Yesim durchaus im Bereich der bekannten Reise-eSIM-Anbieter – plus/minus ein paar Euro. Die Preise können sich in Einzelfällen je nach Land aber auch deutlicher unterscheiden. Für eine einzelne Reise sollte man deshalb nicht einfach den Anbieter wählen, den man schon kennt und lieber nochmal einen Preisvergleich machen.
App, virtuelle Nummern und „Swiss Made“
Die App funktioniert, wirkt auf mich aber stellenweise etwas zu sehr auf Verkauf optimiert. Während des Bestellvorgangs werden in der Regel immer noch zusätzliche Optionen präsentiert (siehe auf den Screenshots die „20 Gesprächsminuten“). Das erinnert ein wenig an die bekannten Praktiken von Billigfliegern: Der eigentliche Tarif ist schnell gefunden, danach wird einem aber noch dieses und jenes angedreht. Technisch ist das alles kein Problem und man braucht es lediglich zu ignorieren. Ich finde nur, dass Yesim deutlich seriöser wirken würde, wenn der eigentliche Kauf etwas ruhiger und übersichtlicher ablaufen würde.
Ein weiterer Punkt sind die virtuellen Telefonnummern: Yesim wirbt damit, dass sich damit beispielsweise SMS-Codes für verschiedene Dienste empfangen lassen (Social-Media-Apps, Dating-Apps etc.). In meinem Test wurden mir allerdings nur Nummern mit den Vorwahlen von Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Kanada angeboten. Eine deutsche +49-Nummer war nicht verfügbar. Für jemanden, der in Deutschland sitzt und eine virtuelle Nummer als Ersatz für die eigene deutsche Mobilfunknummer verwenden möchte, ist das dann natürlich nur eingeschränkt interessant.
Bei mir gab es dabei auch ein konkretes Problem: Ich habe die virtuelle Nummer testweise zum Login bei einem der beworbenen Dienste verwendet. Der dortige Account wurde innerhalb eines Tages vorübergehend gesperrt. Als Ursache lag zumindest nahe, dass die verwendete US-Nummer nicht zum tatsächlichen deutschen Standort bzw. deutschen Account passte und ein Sicherheitsmechanismus angesprungen ist. Darauf sollte man sich also durchaus einstellen. Hierzu teilte mir Yesim folgendes mit:
Verschiedene Dienste haben ihre eigenen Sicherheitssysteme, über die wir keine genauen Informationen haben und auf die wir keinen Einfluss haben. Der Kunde kann sich an den Support des jeweiligen Dienstes wenden, damit dieser eine Wiederherstellung einleitet, falls die Sperrung ungerechtfertigt war.
Deutsche +49-Nummern sind derzeit nicht verfügbar. Nur die Nummern, die aktuell zum Verkauf stehen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, das Angebot zu erweitern.
Etwas genauer hingeschaut habe ich später auch beim Label „Swiss Made“, mit dem Yesim auf der eigenen Website und in der App recht offensiv wirbt. Yesim bzw. die dahinterstehende Genesis Group AG sitzt tatsächlich in der Schweiz. Viele weitere Infos finden sich dazu aber nicht wirklich im Internet. Ich habe deswegen nachgefragt und wollte konkret wissen, was darunter zu verstehen sei. Die Antwort beschränkte sich im Wesentlichen darauf, dass Yesim in der Schweiz registriert sei und der Dienst über internationale Partnernetze funktioniere:
„Swiss Made“ spiegelt die Schweizer Herkunft von Yesim als Dienstanbieter wider — das Unternehmen ist in der Schweiz registriert und hat dort seinen Hauptsitz. Die mobile Konnektivität wird über ein internationales Netzwerk von Partnerbetreibern bereitgestellt.
Ob also die App, die technische Plattform oder das eigentliche Entwicklungsteam in der Schweiz sitzen, blieb offen. Gerade bei einer konkreten Nachfrage wäre eine klare Antwort darauf eigentlich zu erwarten gewesen. „Swiss Made“ würde ich bei Yesim daher eher als Hinweis auf den Sitz des Unternehmens verstehen. Dass die komplette Technik oder das Team aus der Schweiz kommt, ist dagegen zweifelhaft.
Mein Eindruck
Die Yesim-eSIM hat bei meinem Test das gemacht, was sie soll: eSIM kaufen, installieren, als Daten-SIM auswählen und online gehen. Das ist letztlich der wichtigste Teil und hier gab es bei mir nichts auszusetzen.
Weniger gut gefällt mir die App. Der Bestellvorgang könnte deutlich aufgeräumter sein und müsste nicht bei jeder Gelegenheit noch ein weiteres Angebot präsentieren.
Bei den virtuellen Telefonnummern wäre ich ebenfalls vorsichtig. Die Funktion kann interessant sein, eine US-Nummer ist für einen Nutzer in Deutschland aber nicht immer ein brauchbarer Ersatz für eine deutsche Telefonnummer. Mein eigener Test mit einem anderen Dienst hat zumindest gezeigt, dass eine abweichende Nummernregion durchaus zu Problemen führen kann. Anderseits gibt es Fälle, in denen man mal eine Nummer aus Amerika gebrauchen kann.
Für eine Reise-eSIM ist das am Ende auch nicht entscheidend. Wer einen passenden Tarif für seinen Urlaub findet und mit den jeweiligen Netz- und FUP-Bedingungen leben kann, bekommt mit Yesim einen funktionierenden Dienst.
Vor dem Kauf würde ich trotzdem kurz die Preise mit Anbietern wie Airalo, Saily oder Nomad vergleichen und bei Unlimited-Tarifen einen Blick auf die konkreten Bedingungen werfen.









Etwas Offtopic:
Letzten Monat in einem abgelegenen Hotel in Ägypten an der Soma Bay. Hotel WLAN ständig Abbruch. Einer aus Mannheim hatte eine E-Sim von diesem Anbieter. Hat auch nicht viel genutzt, weil der Funkturm wahrscheinlich weit entfernt war.
Aber das sind Sondersituationen wegen der Lage