Apples Speicher-Hebel gegen Samsung und SK Hynix greift offenbar nicht

Apple sucht weiter nach Wegen, die hohen Speicherpreise abzufedern. Als möglicher Hebel galt zuletzt ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT. Der chinesische DRAM-Hersteller sollte Apple mehr Spielraum in Verhandlungen mit Samsung, SK Hynix und Micron verschaffen. Genau dieser Plan scheint aber schwieriger zu werden als gedacht. Laut Berichten aus der asiatischen Fachpresse kann CXMT Apple offenbar nicht deutlich günstiger beliefern. Damit fällt ausgerechnet der Anbieter als Preisdruckmittel aus, der den etablierten Speicherherstellern Konkurrenz machen sollte.

Symbolfoto: unsplash

CXMT produziert, aber nicht automatisch billiger

CXMT ist längst kein reiner Nachzügler mehr. Das Unternehmen fertigt inzwischen moderne DRAM-Produkte und hat LPDDR5X bereits in die Massenproduktion gebracht. Genau dieser Speicher ist für Smartphones, Tablets und Notebooks relevant. Der Haken liegt aber in der Fertigung. CXMT kann nicht auf dieselbe moderne EUV-Ausrüstung zurückgreifen wie die führenden Anbieter aus Südkorea und den USA. Das zwingt den Hersteller zu aufwendigeren Produktionsschritten mit älterer Technik. Damit verschiebt sich die Rechnung. Chinesischer Speicher muss nicht automatisch günstiger sein, wenn die Herstellung mehr Aufwand verursacht oder die Ausbeute niedriger liegt. Für Apple ist das ein Problem, weil CXMT nur dann als echter Hebel taugt, wenn der Anbieter preislich klar unter Samsung und SK Hynix liegt.

Apple wollte offenbar mehr Druck im Einkauf

Berichten zufolge wollte Apple CXMT nicht nur als zusätzlichen Lieferanten prüfen, sondern auch als Signal an die bisherigen Speicherpartner nutzen. Mehr Anbieter bedeuten normalerweise mehr Verhandlungsmacht. Im aktuellen Markt funktioniert diese Logik aber nur begrenzt. Die Nachfrage nach Speicher ist durch KI-Rechenzentren hoch. Samsung, SK Hynix und Micron verlagern Kapazitäten in Richtung High Bandwidth Memory, weil dort höhere Margen winken. Für klassischen Mobil- und PC-Speicher bleibt dadurch weniger Entlastung. Wenn CXMT dann nicht deutlich günstiger anbieten kann, steigt Apples Druck auf die etablierten Lieferanten kaum.

Huawei und Xiaomi binden Kapazitäten

Ein weiterer Punkt kommt hinzu: CXMT ist im eigenen Markt gefragt. Huawei, Xiaomi und andere chinesische Hersteller haben ein starkes Interesse daran, heimische Speicherlieferanten langfristig abzusichern. Wenn große Teile der Kapazität bereits über solche Kunden gebunden sind, muss CXMT Apple nicht um jeden Preis gewinnen. Das ist für Apple ungewöhnlich. Normalerweise kann der Konzern durch seine Größe und seine Abnahmemengen erheblichen Druck auf Zulieferer ausüben. Bei Speicher scheint diese Macht derzeit begrenzter zu sein. Ein Anbieter, dessen Produktion ohnehin ausgelastet ist, hat weniger Anlass, Apple Rabatte einzuräumen.

Politischer Druck bleibt ein Risiko

Hinzu kommt die politische Ebene. CXMT ist in den USA umstritten. Apple müsste bei einem stärkeren Einsatz chinesischer Speicherchips nicht nur technische und preisliche Fragen klären, sondern auch den politischen Widerstand in Washington einkalkulieren. Das macht CXMT für Apple zu einem komplizierten Lieferanten. Einerseits könnte ein zusätzlicher Anbieter die Abhängigkeit von Samsung, SK Hynix und Micron reduzieren. Andererseits entstehen neue Risiken bei Exportkontrollen, Lieferfreigaben und öffentlicher Wahrnehmung. Für globale Produkte wäre das besonders heikel. Wahrscheinlicher wäre daher zunächst ein begrenzter Einsatz, etwa für bestimmte Geräte oder Märkte.

Speicherpreise bleiben Apples Problem

Für Kunden ist die Entwicklung wenig erfreulich. Wenn Apple keinen glaubwürdigen günstigeren Speicherlieferanten aufbauen kann, fehlt ein wichtiger Hebel gegen steigende Einkaufspreise. Das betrifft nicht nur Macs und iPads. Auch kommende iPhones könnten unter höheren Speicher- und RAM-Kosten leiden. Ob Apple diese Kosten vollständig selbst trägt oder teilweise an Kunden weitergibt, bleibt offen. Tim Cook hatte zuletzt bereits vorsichtig formuliert, dass zusätzliche Anbieter auf der Angebotsseite helfen können, die Wirkung auf Preise aber unklar bleibt. Genau diese Einschränkung wirkt nun plausibler.

Kein Ende der CXMT-Schiene

Trotzdem dürfte Apple den Kontakt zu CXMT nicht abbrechen. Auch ein Lieferant ohne klaren Preisvorteil kann strategisch wertvoll sein, wenn er die Versorgung breiter aufstellt. Für Apple geht es also nicht nur um billigeren Speicher. Es geht auch darum, nicht vollständig von wenigen großen DRAM-Anbietern abhängig zu bleiben. Kurzfristig dürfte CXMT die Speicherpreise aber kaum drücken. Samsung, SK Hynix und Micron behalten damit vorerst ihre starke Position. Für Apple bleibt die Suche nach Entlastung im Speichermarkt offen.

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