Die europäische EUDI-Wallet steht zwar noch vor ihrem offiziellen Start, dennoch zeigt sich bereits jetzt, wie groß das Interesse ist. Laut einer aktuellen Bitkom-Erhebung will mehr als jeder zweite Deutsche die digitale Brieftasche nutzen, sobald sie Anfang 2027 verfügbar wird. Damit trifft das Konzept einer einheitlichen digitalen Identität offensichtlich einen Nerv. Gleichzeitig bleibt ein erheblicher Teil der Bevölkerung zurückhaltend. Rund vier von zehn Befragten sehen derzeit keinen Bedarf, während einige noch keine klare Einschätzung abgeben. Diese Zurückhaltung überrascht allerdings kaum, denn viele praktische Fragen sind bislang ungeklärt, und zudem fehlt häufig noch die notwendige Grundlage für die Nutzung.

Ohne eID kein Zugang
Der entscheidende Punkt liegt nicht bei der Wallet selbst, sondern beim Personalausweis. Die Nutzung setzt eine aktivierte Online-Funktion voraus, und genau daran scheitert es derzeit in vielen Fällen. Nur eine vergleichsweise kleine Gruppe hat die eID eingerichtet und kann sie im Alltag tatsächlich einsetzen. Ein größerer Anteil hat die Funktion zwar aktiviert, kennt jedoch die zugehörige PIN nicht mehr. Damit bleibt die Technik faktisch ungenutzt. Die Mehrheit wiederum hat die Online-Funktion bislang gar nicht freigeschaltet. Solange sich daran nichts ändert, dürfte der Einstieg in die EUDI-Wallet für viele Nutzer zunächst theoretisch bleiben.
Klare Erwartungen an die Funktionen
Inhaltlich sind die Erwartungen klar umrissen. Viele Nutzer wollen vor allem klassische Dokumente digital mitführen. Der Personalausweis, der Führerschein oder vergleichbare Nachweise sollen künftig direkt auf dem Smartphone verfügbar sein, sodass sie im Alltag schnell vorgezeigt werden können. Darüber hinaus spielt die digitale Identifikation eine zentrale Rolle. Wer sich online ausweisen oder Verträge unterschreiben kann, spart Zeit und vermeidet Medienbrüche. Auch vereinfachte Login-Verfahren für Behördenportale oder andere Dienste stoßen auf Zustimmung, weil sie bestehende Prozesse deutlich verschlanken könnten.
Vertrauen bleibt ein zentrales Thema
Neben der Technik entscheidet auch die Frage nach dem Anbieter über die Akzeptanz. Ein Großteil der Befragten bevorzugt eine staatliche Lösung, während ein kleinerer Teil offen für private Anbieter ist. Diese Verteilung zeigt, dass Vertrauen weiterhin eine Schlüsselrolle spielt. Gleichzeitig plant die EU, mehrere Wallet-Apps zuzulassen, die ab 2028 von unterschiedlichen Anbietern kommen könnten. Dadurch entsteht Wettbewerb, der sowohl die Entwicklung neuer Funktionen als auch die Nutzerfreundlichkeit vorantreiben dürfte. Dennoch wird sich erst in der Praxis zeigen, welche Modelle sich durchsetzen.
Starttermin steht, Umsetzung bleibt offen
Der Zeitplan ist klar definiert: Anfang 2027 soll die EUDI-Wallet verfügbar sein. Bis dahin bleibt allerdings noch einiges zu tun. Vor allem die Aktivierung der eID dürfte in den kommenden Monaten stärker in den Fokus rücken, denn ohne diese Grundlage bleibt die Wallet für viele unerreichbar. Parallel dazu müssen Behörden, Unternehmen und Plattformbetreiber ihre Systeme anpassen, damit die digitale Identität auch tatsächlich genutzt werden kann. Erst wenn diese Infrastruktur steht, wird sich zeigen, ob die Wallet im Alltag ankommt oder zunächst nur ein theoretisches Angebot bleibt.
Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die ersten digitalen fake Identitäten kommen. Eines ist gewiss, sie werden kommen.
Witzig, jetzt werden schon gefakte Umfragen als Fakten hingestellt, 99,9% haben doch noch nicht mal eine Ahnung von der EUDI-Wallet, wie sollen dann 50% davon „begeistert“ sein?
Das ist Mathematik. Von deinen 0.1%, die EUDI-Wallet kennen, sind 50% begeistert. Also 0,05% von den 100%.
Das geht jetzt aber nicht auf. 0.05% von den 1004 Befragten wäre eine gute halbe Person…
Im Ernst: Ich kann mir auch nur schwer vorstellen, wie die Umfrage repräsentativ stattgefunden haben soll. Woher hat man z.B. die Telefonnummern? Falls man die irgendwo auf Social Media abgegriffen haben sollte, wäre die Umfrage ganz sicher nicht repräsentativ. Oder hat man gar auf Festnetz-Nummern aus dem Telefonbuch angerufen? Dann schon gar nicht.
Und dann hat man, gemäss verlinktem Artikel, die Frage gestellt: „Wollen Sie die EUDI-Wallet zukünftig nutzen?“. Ich kann auch nicht glauben, dass da mehr als eine Handvoll *nicht* mit „Was’n das?“ geantwortet haben soll.
Mathe 6 setzen.
bitkom hat nach eigenen Angaben 1004 Menschen ab 16 Jahren dazu telefonisch befragt, was zu dem Ergebnis geführt hat. Sie behaupten, dass diese Studie der Antworten von 1004 Personen repräsentativ sei. Die Repräsentativität der Befragung zweifele ich an. Auch zweifele ich an, dass sie stattfand. Und ich zweifele an, dass der Rest der Bevölkerung das genauso sieht, wie die 1004 Befragten. Dazu müssten sie wissen, was eine EUDI-Wallet ist, wie sie funktioniert und welche Konsequenzen deren Nutzung hat. Zu Behaupten „Mehrheit der Deutschen will die EUDI-Wallet nutzen“, finde ich frech seitens bitkom.
Ich halte die bitkom-Umfrage für einen zielgerichteten Versuch, Leser in die Irre zu führen.
Dass sie überhaupt 1000 gefunden haben, die irgendwas von einer EUDI-Wallet wussten, ist auch bemerkenswert, oder gab es bei dem Telefonat einen Crash-Kurs, was das am Ende bedeutet für diese Gesellschaft.
Wenn es eine Alternative zu Google Wallet werden soll muss es eine Smartwatch App geben.
Ohne Smartwatch App ist es für mich uninteressant.
Ab ca. 1000 Befragten nennt man im Allgemeinen eine Befragung repräsentativ. Bei – in diesem Fall – 1004 zufällig Befragten und 54 % Zustimmung liegt der wahre Wert mit 95 Prozent Wahrscheinlichkeit im Bereich 51 % bis 57 %.
Ich hätte bei diesem Ergebnis knapp über 50 % eher gesagt, man uneins ist, ob man das Wallet nutzen will oder nicht.
Damit eine Umfrage repräsentativ ist, gehört schon noch ein bisschen mehr dazu als nur die Anzahl der Befragten.
Wenn Du z.B. an einem Werktag um 10 Uhr in der Fußgängerzone 1000 Leute befragst, kann das Ergebnis gar nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein. Weil mehrere sehr große Bevölkerungsgruppen, beispielsweise Schüler sowie die arbeitende Bevölkerung, aber auch etwa Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, dann und dort nicht in einem Anteil, der ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht, anzutreffen sind.
Da hast Du natürlich recht. Aber aus diesem Grund werden seriöse Umfragen auch nicht um 10 Uhr in Fußgängerzonen durchgeführt. Meines Wissens bleibt für eine gleichverteilte Stichprobe nur die zufällig generierte Telefonnummer. Da ist zwar auch (mind.) ein systematischer Fehler drin, aber das fließt in die Fehlerbetrachtung ein.
Ich habe bis heute keine Digitale Wallet jemals benutzt und werde es auch nächstes Jahr nicht tun.
eID:
„Ein größerer Anteil hat die Funktion zwar aktiviert, kennt jedoch die zugehörige PIN nicht mehr. “
Wenn ein größerer Anteil (nicht eine kleine Minderheit) unfähig ist, mit einer PIN umzugehen, kommen mir grundsätzliche Zweifel an der Alltagstauglichkeit der Digitalisierung.
Wenn man so dappig ist und seine PIN vergisst/nicht vernünftig notiert, dann muss man halt mal zum Bürgeramt gehen: Lernen durch Schmerzen.
Mit Blick auf Frankreich (https://borncity.com/blog/2026/04/27/was-ist-in-frankreich-los-datenleck-auf-datenleck/) und andere Probleme, wie die spontan geknackte neue App zur Altersverifizierung, habe ich sicher keine Lust auf eine EUDI Wallet.
Typisch Deutschland, sofort alles schlechteren wo neu ist. 😞
Glaube in DE, laufen die Leute in 200 Jahren noch zum Amt 😆
man muss die PIN garnicht vergessen haben, ich hab z.B. zwar den Chip damals haben wollen aber nie eine PIN bekommen
Ist in ca. 2 Minuten, mit vorherigem Termin auf deinem Bürgeramt, erledigt.
Letzte Woche gemacht, um für die Zukunft gewappnet zu sein, denn aktuell habe ich noch keinen einzigen Fall, wo ich die eID nutzen kann.
Verträge werden leider weiterhin unseriös über Drittfirmen am Telefon abgeschlossen.
Oder es dauert endlos, wenn man die Post-Ident nimmt.
„Der Personalausweis, der Führerschein oder vergleichbare Nachweise sollen künftig direkt auf dem Smartphone verfügbar sein, sodass sie im Alltag schnell vorgezeigt werden können.“
Genau, damit der Gegenüber gleich ein entsperrtes Smartphone in Griffreichweite hat. Es hat ja keiner was zu verbergen…
Du musst niemandem dein Smartphone in die Hand drücken.
Es reicht das Gerät vorzuzeigen und dabei selber festzuhalten.
Ach und wenn du Angst hast das dir dein Smartphone aus der Hand gerissen wird dann lass es zu Hause denn es ist wahrscheinlicher das es dir entrissen wird sobald du es in der Öffentlichkeit aus der Tasche holst und verwendest.
Ich finde, die eID muss verpflichtend auf jedem neuen Ausweis, aktiviert und mit PIN versehen sein.
Damit am Stichtag, wenn alle alten Ausweise raus aus dem System sind, nur noch über eID Anmeldungen in Spielen, sozialen Netzwerken, Ämtern usw. möglich sind.
Damit wird auch Betrug in Spielen und Scam in sozialen Netzwerken unterbunden, denn wer sich es einmal verscherzt, der wird mit seiner eID gebannt und kann z. B. keinen neuen Account anlegen um andere zu betrügen oder um ihr Geld zu bringen.
Oder unpassende Kommentare, die sich nicht an gesellschaftlichen Normen orientieren, die zu einem Ausschluss aus selbigen Netzwerk führen.
Verträge sind damit in Minuten abgeschlossen.
Mir fällt auf die schnelle nichts Negatives ein, was dagegen spricht.
Ämter könnten perfekt vernetzt, deutlich schneller entscheiden und somit kann und wird massiv Bürokratie abgebaut und sinnlose Kosten zu sparen.