Studie zeigt Kehrseite von KI: Arbeit wird dichter, nicht weniger

Künstliche Intelligenz gilt in vielen Unternehmen als Mittel zur Entlastung. Routinearbeiten sollen verschwinden, Zeit für „wertschöpfende“ Aufgaben entstehen. Eine aktuelle Untersuchung zeichnet jedoch ein anderes Bild: KI reduziert Arbeit nicht – sie verschärft sie. Forscher der University of California, Berkeley haben über mehrere Monate den Einsatz generativer KI in einem US-Technologieunternehmen beobachtet. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiteten schneller, länger und an mehr Themen gleichzeitig. Die prophezeite Entlastung blieb aus.

Symbolfoto: unsplash

KI senkt die Hemmschwelle – und treibt Selbstausbeutung

KI macht Arbeit leichter zugänglich. Genau darin liegt das Problem. Aufgaben, die früher delegiert, verschoben oder bewusst nicht übernommen wurden, wanderten plötzlich auf den eigenen Tisch. Nicht, weil es verlangt wurde – sondern weil es „machbar“ erschien. Was als Effizienzgewinn beginnt, führt zu einer schleichenden Ausweitung der Arbeitslast. Rollen verwischen, Zuständigkeiten werden breiter, Erwartungen steigen. Wer mehr leisten kann, leistet mehr. Die Grenze verschiebt sich – leise, aber dauerhaft.

Mehr Output, weniger Pausen

Besonders deutlich zeigt sich der Effekt im Arbeitsrhythmus. KI senkt die Einstiegshürde: kein leeres Dokument, kein Stillstand. Arbeit fließt in Pausen, Randzeiten und Übergänge. Ein kurzer Prompt hier, ein schneller Check dort. Offiziell keine Mehrarbeit – faktisch aber eine Verdichtung ohne echte Unterbrechung. Die Folge: weniger Erholung, mehr Parallelität, höhere mentale Last. Beschäftigte fühlen sich produktiv, gleichzeitig aber dauerpräsent. Arbeit wird „ambient“ – immer möglich, selten abgeschlossen.

Produktivitätsgewinn mit Verfallsdatum

Kurzfristig profitieren Unternehmen. Mehr Tempo, mehr Ergebnisse, mehr sichtbarer Output. Langfristig droht jedoch das Gegenteil: Ermüdung, sinkende Qualität, schlechtere Entscheidungen. Die Studie warnt ausdrücklich davor, den frühen Produktivitätsschub mit nachhaltigem Fortschritt zu verwechseln. Besonders kritisch: Die Intensivierung geschieht ohne formale Vorgaben. Kein Managementbeschluss, keine Zielvereinbarung – sondern Selbstoptimierung unter neuen technischen Bedingungen.

KI verstärkt bestehende Probleme

Die Untersuchung legt nahe, dass KI keine strukturellen Probleme löst, sondern bestehende Dynamiken beschleunigt. Wo Arbeit ohnehin dicht getaktet ist, wird sie dichter. Wo Grenzen unscharf sind, verschwimmen sie weiter. KI wirkt hier nicht als Befreiung, sondern als Verstärker. Die zentrale Frage ist damit weniger, was KI kann – sondern was Organisationen zulassen. Ohne klare Regeln droht aus dem Effizienzwerkzeug ein Dauerbeschleuniger.

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14 Kommentare zu “Studie zeigt Kehrseite von KI: Arbeit wird dichter, nicht weniger

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