Elegoo Jupiter 2 im Test: Mit 16K zur Rocinante aus The Expanse

Große Resindrucker eröffnen im Modellbau Möglichkeiten, die kompakte Geräte nur eingeschränkt bieten. Gleichzeitig wächst mit dem Bauraum der Aufwand: mehr Kunstharz, größere Bauplattformen und eine anspruchsvollere Nachbearbeitung. Elegoo möchte mit dem Jupiter 2 einen Teil dieser Arbeit automatisieren. Der MSLA-Drucker kombiniert ein 16K-LCD mit einer beheizten Resinwanne, automatischer Harzzufuhr und verschiedenen Assistenzfunktionen. Ob das im Alltag tatsächlich hilft, ist allerdings eine andere Frage. Wir haben den Jupiter 2 zusammen mit der Mercury Plus V3.0 für Reinigung und Nachhärtung eingesetzt. Im Mittelpunkt standen neben der Hardware die Druckvorbereitung, der Umgang mit dem Material und die Qualität der gefertigten Bauteile. Als Praxisprojekt diente ein individuell gestaltetes Diorama der Rocinante aus der Science-Fiction-Serie The Expanse.

16K-Auflösung auf großer Druckfläche

Mit einem Bauraum von 302,4 × 162 × 300 Millimetern gehört der Jupiter 2 zu den größeren MSLA-Druckern für Privatanwender und kleinere Werkstätten. Das Volumen macht sich vor allem bei Figuren, Modellbauteilen und Dioramen bemerkbar. Größere Objekte müssen seltener geteilt werden; mehrere kleinere Komponenten lassen sich auf einer Bauplattform unterbringen. Für die Belichtung verwendet Elegoo ein monochromes LCD mit 15.120 × 6.230 Pixeln. Daraus ergibt sich eine nominelle XY-Pixelgröße von ungefähr 20 × 26 Mikrometern. Eine COB-UV-Lichtquelle mit Fresnel-Optik soll das Licht möglichst gleichmäßig über die Druckfläche verteilen. Die 16K-Angabe allein garantiert allerdings keine perfekten Oberflächen. Resin, Belichtungszeit, Schichthöhe, Ausrichtung und Stützstrukturen beeinflussen das Ergebnis erheblich.

Der Vorteil liegt deshalb weniger in der Zahl auf dem Datenblatt als in der Kombination aus hoher Pixeldichte und großer Fläche. Kleinere Resindrucker können ebenfalls feinste Strukturen darstellen. Der Jupiter 2 bietet dafür aber deutlich mehr Raum. Gerade bei mehrteiligen Projekten reduziert das die Zahl der notwendigen Druckaufträge. Mit rund 29 Kilogramm und Abmessungen von ungefähr 465 × 508 × 648 Millimetern verlangt das Gerät einen festen Arbeitsplatz. Hinzu kommt Freiraum für die Bedienung und Wartung. Wer bislang einen kleinen Resindrucker auf einem schmalen Tisch betrieben hat, muss für den Jupiter 2 deutlich großzügiger planen.

Gehäuse, Türen und Bauplattform

Elegoo verzichtet auf die klassische abnehmbare UV-Schutzhaube. Stattdessen besitzt der Jupiter 2 zwei seitlich öffnende Fronttüren. Das ist beim täglichen Umgang angenehm: Es muss keine große Abdeckung angehoben und anschließend irgendwo abgestellt werden. Der Druckraum ist direkt zugänglich, auch wenn die Bauplattform entnommen oder die Wanne gereinigt werden soll. Allerdings brauchen die Türen seitlich Platz. Zwischen eng stehenden Geräten oder unmittelbar neben einer Wand kann das problematisch werden. Auch die Rückseite sollte erreichbar bleiben, denn dort befinden sich Komponenten der automatischen Harzzufuhr. Der tatsächliche Platzbedarf ist damit größer, als die reinen Gehäuseabmessungen vermuten lassen.

Die Bauplattform wird über einen Schnellverschluss an der Z-Achse befestigt. Das erleichtert das Abnehmen nach einem Druckauftrag. Bei einer entsprechend großen Plattform bleibt der Umgang mit anhaftendem Kunstharz trotzdem umständlich. Schon beim Lösen muss darauf geachtet werden, dass kein Resin unkontrolliert auf die Arbeitsfläche tropft.

Automatische Harzzufuhr: Praktisch, aber nicht vollständig automatisch

Eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale ist das Resinmanagement. Eine externe Pumpeneinheit fördert Kunstharz aus einem Vorratsbehälter in die Wanne. Ein Sensor überwacht den Füllstand. Bei langen Druckaufträgen kann Material nachgeführt werden, ohne dass der Anwender zwischendurch selbst nachgießen muss. Die Pumpe arbeitet außerdem in beide Richtungen. Resin lässt sich aus der Wanne zurück in den Vorratsbehälter befördern. Besonders bei einem Materialwechsel ist das hilfreich: Eine große, gefüllte Wanne von Hand zu entleeren, gehört schließlich nicht zu den angenehmen Tätigkeiten beim Resindruck. Ein geschlossenes, wartungsfreies System entsteht dadurch allerdings nicht. In der Wanne und den Leitungen bleiben Harzreste zurück. Wer von dunklem auf helles Resin oder auf eine andere Materialart wechselt, muss weiterhin gründlich reinigen. Schon kleine Rückstände können das nächste Material verunreinigen. Dazu kommen Schläuche und Anschlüsse, die kontrolliert und bei Bedarf gesäubert werden müssen.

Die automatische Rückförderung ist zudem nicht gerade prominent in der Benutzeroberfläche platziert. Ausgerechnet eine Funktion, mit der Elegoo den Arbeitsablauf vereinfachen will, ist unnötig tief in den Menüs versteckt. Hier wäre eine direktere Bedienung wünschenswert.

Beheizte Wanne, Sensorik und Kamera

Neben der Harzzufuhr besitzt der Jupiter 2 eine beheizte Resinwanne. Das ist insbesondere in kühleren Werkstätten sinnvoll. Bei niedrigen Temperaturen wird Kunstharz zähflüssiger und verteilt sich nach dem Ablösen einer Schicht langsamer. Eine kontrollierte Erwärmung kann für gleichmäßigere Verarbeitungsbedingungen sorgen. Mehrere Sensoren unterstützen die Ausrichtung der Bauplattform und überwachen Funktionen des Druckers. Dazu kommen Selbsttests beim Einschalten.

Gerade auf einer großen Druckfläche ist eine gleichmäßige Ausrichtung wichtig: Bereits kleine Abweichungen können die Haftung der ersten Schichten beeinträchtigen. Eine integrierte Kamera erlaubt außerdem den Blick in den Druckraum. Bei längeren Aufträgen ist das praktisch, ersetzt aber keine verlässliche Fehlererkennung. Gerade beim Resindruck lassen sich nicht alle Probleme anhand eines Kamerabildes rechtzeitig erkennen.

Elegoo SatelLite: Druckvorbereitung mit Luft nach oben

Für die Vorbereitung setzt Elegoo auf den eigenen Slicer SatelLite. Er übernimmt die üblichen Schritte vom Modellimport über Ausrichtung und Aushöhlen bis zur Generierung der Stützstrukturen. Anschließend werden die Belichtungsschichten berechnet. Druckdateien lassen sich zudem über das Netzwerk übertragen, sodass nicht ständig ein USB-Stick benötigt wird. Bei großen Resinobjekten ist die Vorbereitung besonders wichtig. Massive Modelle verbrauchen viel Kunstharz und erzeugen beim Ablösen von der Trennfolie hohe Kräfte. Durch das Aushöhlen lässt sich Material sparen. Entlastungs- und Ablauföffnungen müssen dabei so positioniert werden, dass keine geschlossenen Hohlräume entstehen, in denen später flüssiges Resin zurückbleibt. Die automatisch erzeugten Supports sind ein Ausgangspunkt, aber keine Garantie für einen erfolgreichen Druck.

Filigrane Aufbauten, große Überhänge und schwere Bereiche können zusätzliche Stützstrukturen verlangen. Gleichzeitig sollten Kontaktpunkte möglichst so liegen, dass sie nach dem Druck entfernt werden können, ohne auffällige Spuren auf sichtbaren Flächen zu hinterlassen. SatelLite bietet die notwendigen Werkzeuge, wirkt bei der Organisation von Materialprofilen und Belichtungsparametern allerdings stellenweise unnötig umständlich. Manche Einstellungen sind weniger intuitiv erreichbar als bei etablierten Alternativen. Bei einem großformatigen Drucker ist das kein nebensächlicher Kritikpunkt: Ein falsch vorbereiteter Auftrag kostet schnell viele Stunden und eine beträchtliche Menge Resin.

Die Rocinante aus The Expanse als Praxisprojekt

Statt uns ausschließlich auf Kalibrierungsmodelle zu beschränken, haben wir ein individuell gestaltetes Diorama der Rocinante aus The Expanse umgesetzt. Sämtliche gedruckten Bestandteile entstanden auf dem Jupiter 2. Das Projekt verbindet feine technische Strukturen mit einer großen organischen Form und eignet sich damit gut, um unterschiedliche Anforderungen an die Detailwiedergabe zu zeigen. Der kantige Rumpf der Rocinante besitzt zahlreiche Paneele, Vertiefungen, Lüftungsgitter und kleine Geschütztürme. Auf den Nahaufnahmen sind die einzelnen Elemente deutlich voneinander abgegrenzt. Gerade bei solchen Strukturen zeigt sich, weshalb eine hohe Auflösung im Modellbau sinnvoll ist: Die Details sollen auch nach der weiteren Bearbeitung noch klar erkennbar bleiben.

Ungewöhnlich ist die Halterung des Raumschiffs. Die Rocinante wird von einer großen, krallenartigen Hand getragen, deren Falten und unregelmäßige Oberflächen einen deutlichen Gegensatz zu den geraden Linien des Schiffs bilden. Während beim Rumpf definierte Kanten und kleine mechanische Elemente zählen, kommt es bei der Hand auf fließende Übergänge und organische Strukturen an. Das fertige Diorama zeigt beide Bereiche mit überzeugender Detailzeichnung. Die kleinen Aufbauten des Raumschiffs bleiben erkennbar, während die Oberflächen der Hand durch die Bemalung zusätzlich an Tiefe gewinnen. Der Jupiter 2 bietet für solche Arbeiten den notwendigen Platz und eine entsprechend feine Darstellung der Strukturen.

Das Custom-Modell stammt von meinem Bekannten Christian, der auf Instagram unter @invitrobanana zu finden ist. Er hat das Diorama auch bemalt. Die Fotos zeigen daher das fertige, weiterbearbeitete Modell und nicht die rohe Druckoberfläche. Grundierung und Farbe können kleinere Unregelmäßigkeiten verdecken und bestimmte Konturen optisch verstärken. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man anhand der Bilder die reine Druckqualität beurteilen möchte.

Mercury Plus V3.0: Waschen und Nachhärten

Mit dem Druck ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Frisch gefertigte Bauteile sind mit flüssigem Kunstharz benetzt. Dieses muss entfernt werden, bevor die eigentliche Nachhärtung unter UV-Licht erfolgt. Für beide Schritte haben wir die Mercury Plus V3.0 eingesetzt. Sie kombiniert Waschstation und Aushärtungseinheit in einem Gerät und spart damit gegenüber zwei getrennten Maschinen Platz. Bei der Reinigung wird überschüssiges Resin von den Oberflächen gelöst. Welches Medium dafür geeignet ist, hängt vom Material ab. Für viele herkömmliche Resine wird Isopropanol verwendet; wasserwaschbare Harze haben andere Vorgaben. Entscheidend ist, dass auch Vertiefungen und Zwischenräume erreicht werden. Gerade bei der Rocinante mit ihren kleinen Aufbauten können dort Rückstände verbleiben.

Bei der Nachhärtung werden die Teile mit UV-Licht bestrahlt. Die Mercury Plus V3.0 nutzt dafür einen geschlossenen Arbeitsbereich und einen rotierenden Drehteller, damit die Strahlung unterschiedliche Seiten erreicht. Bei komplizierten Geometrien können dennoch abgeschattete Stellen entstehen. Die erforderliche Dauer hängt von Resin, Bauteilgröße und Form ab; länger ist nicht automatisch besser. Die Kombination mit dem Jupiter 2 hat allerdings einen offensichtlichen Nachteil: Die Mercury Plus V3.0 ist deutlich kleiner als dessen Druckraum. Ein Bauteil, das die maximale Druckgröße ausnutzt, passt nicht zwangsläufig in die Wasch- oder Aushärtungseinheit. Wer regelmäßig große Einzelstücke fertigt, benötigt daher unter Umständen eine größere Nachbearbeitungslösung.

Die Abstimmung zwischen Drucker und Nachbearbeitung wird bei großen Projekten leicht unterschätzt. Ein Bauteil kann auf dem Jupiter 2 problemlos Platz finden und anschließend dennoch zu groß für die Mercury Plus V3.0 sein. Bei mehrteiligen Modellen lässt sich das häufig durch eine geeignete Aufteilung lösen. Bei großen Einzelstücken muss dagegen schon vor dem Slicen geklärt werden, wie Reinigung und Nachhärtung erfolgen sollen. Sonst verlagert sich das Problem lediglich vom Drucker auf den nächsten Arbeitsschritt.

Wartung, Sicherheit und Materialverbrauch

Auch mit automatischer Harzzufuhr bleibt Resindruck vergleichsweise arbeitsintensiv. Die Wanne muss nach fehlgeschlagenen Aufträgen auf ausgehärtete Rückstände kontrolliert werden. Andernfalls können diese beim nächsten Druck die Trennfolie beschädigen. Die Folie ist ohnehin ein Verschleißteil, ebenso müssen Bauplattform und Pumpensystem regelmäßig gereinigt werden. Flüssiges Kunstharz verlangt einen sorgfältigen Umgang. Chemikalienbeständige Handschuhe, eine geschützte Arbeitsfläche und ausreichende Belüftung gehören zur Grundausstattung. Verunreinigte Reinigungsmedien und flüssige Resinreste dürfen nicht in den Abfluss gelangen, sondern müssen entsprechend den geltenden Vorgaben entsorgt werden.

Preise: Deutlicher Unterschied zwischen Elegoo und Amazon

Im Elegoo-Store wird der Jupiter 2 derzeit für 759 Euro angeboten, bei einem ausgewiesenen regulären Preis von 899 Euro. Amazon verlangt aktuell 799 Euro. Bei der Mercury Plus V3.0 ist die Differenz größer: Elegoo bietet sie für 98 Euro statt der regulär angegebenen 211 Euro an, während Amazon 155,99 Euro verlangt. Für beide Geräte zusammen ergibt das 857 Euro im Hersteller-Shop gegenüber 954,99 Euro bei Amazon. Die Differenz beträgt 97,99 Euro. Die Preise beziehen sich auf den Zeitpunkt der Artikelerstellung; mögliche Versandkosten und Aktionsbedingungen sollten beim Vergleich berücksichtigt werden.

Viel Druckfläche, aber kein Selbstläufer

Der Jupiter 2 spielt seine Stärken vor allem dann aus, wenn kleinere Resindrucker regelmäßig an ihre Grenzen stoßen. Die Kombination aus großem Bauraum und hoher Auflösung schafft gute Voraussetzungen für Figuren, umfangreiche Dioramen und detaillierte Modellbauteile. Die beheizte Wanne und die automatische Harzzufuhr sind sinnvolle Ergänzungen, die den Arbeitsablauf an einigen Stellen tatsächlich vereinfachen. Kritik gibt es vor allem für den zusätzlichen Platzbedarf, die teilweise umständliche Menüführung und die noch verbesserungswürdige Organisation in SatelLite. Die Mercury Plus V3.0 ergänzt den Jupiter 2 bei kleineren und mehrteiligen Objekten sinnvoll, erreicht bei maximal großen Bauteilen jedoch ihre Kapazitätsgrenzen. Wer überwiegend kleine Miniaturen fertigt, dürfte mit einem kompakteren Gerät besser bedient sein. Für größere Figuren und anspruchsvolle Modellbauprojekte liefert der Jupiter 2 dagegen gute Argumente. Mit dem aktuellen Kombinationspreis von 857 Euro im Elegoo-Store ist das Gespann interessant, sofern ausreichend Platz vorhanden ist und der Aufwand des Resindrucks nicht unterschätzt wird.

Elegoo Jupiter 2 im Test: Mit 16K zur Rocinante aus The Expanse
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