Bambu Lab hat offenbar etwas zu früh auf den Veröffentlichungsknopf gedrückt. Im australischen Onlineshop des chinesischen 3D-Drucker-Herstellers war kurzzeitig ein Banner für den bislang nicht offiziell vorgestellten H3C aufgetaucht. Neben dem Produktnamen und einem konkreten Termin zeigt das Bild einen Drucker mit neun nummerierten Werkzeugpositionen. Und dessen Aufbau kommt einem durchaus bekannt vor. Offenbar hat man sich in China einige Anregungen aus Tschechien und Schweden geholt.
Bambu Lab H3C mit neun Werkzeugpositionen
Entdeckt haben will das Banner ein Nutzer auf Reddit. Nach eigenen Angaben erschien die Werbung direkt auf der Startseite des australischen Bambu-Lab-Stores. Er speicherte diesen als Screenshot, aktualisierte die Seite und stellte fest, dass das Banner bereits wieder verschwunden war. Zu lesen sind der Modellname „Bambu Lab H3C“ und der Slogan „Tool Changer. Game Changer.“. Darunter zeigt Bambu Lab einen weitgehend abgedunkelten 3D-Drucker. Im oberen Bereich sind neun nebeneinander angeordnete, nummerierte Positionen zu erkennen. Darüber verlaufen mehrere Filamentführungen, während unterhalb der Stationen weitere mechanische Bauteile sichtbar sind.
Das sieht nicht nach einem gewöhnlichen Mehrfarbensystem aus, bei dem verschiedene Filamente nacheinander durch dieselbe Düse gefördert werden. Vielmehr deutet die Konstruktion auf einen Werkzeugwechsler hin, der mehrere Druckköpfe bereithält und bei Bedarf zwischen ihnen wechselt. Ob tatsächlich alle neun Positionen für eigenständige Druckköpfe vorgesehen sind, bleibt allerdings offen. Der Screenshot lässt keine eindeutige Identifizierung der einzelnen Komponenten zu.
Auffällige Parallelen zum INDX-System von Bondtech und Prusa
Besonders interessant ist die Ähnlichkeit zum INDX-System, das vom schwedischen Unternehmen Bondtech gemeinsam mit dem tschechischen 3D-Druck-Hersteller Prusa entwickelt wurde. Auch dort setzt man auf mehrere Werkzeugpositionen, die bei Bedarf von einer gemeinsamen Bewegungseinheit genutzt werden können. Statt bei jedem Materialwechsel das bisherige Filament zurückzuziehen, die Düse zu spülen und anschließend neues Material zuzuführen, wird das benötigte Werkzeug eingewechselt.
Das spart insbesondere bei mehrfarbigen Drucken Zeit und kann den Filamentabfall deutlich reduzieren. Außerdem lassen sich unterschiedliche Materialien voneinander trennen, ohne dass sämtliche Kunststoffe durch dasselbe Hotend laufen müssen. Die sichtbare Anordnung beim H3C erinnert jedenfalls stark an dieses Prinzip. Es sieht ganz danach aus, als hätte man sich bei Bambu Lab die Entwicklungen aus Tschechien und Schweden genauer angesehen. Ob der chinesische Hersteller tatsächlich eine vergleichbare Mechanik verwendet oder einen eigenen technischen Ansatz verfolgt, ist damit noch nicht geklärt. Eine direkte Verbindung zwischen Bambu Lab, Bondtech und Prusa ist ebenfalls nicht bekannt. Die optische Ähnlichkeit allein belegt keine Übernahme der Technik.
Vorstellung offenbar am 3. November
Neben dem Gerät selbst verrät das Banner auch einen möglichen Termin. Für den 4. November 2026 um 1:00 Uhr australischer Sommerzeit (AEDT) wird auf eine weitere Informationsseite verwiesen. Umgerechnet entspricht das dem 3. November um 15:00 Uhr deutscher Zeit (MEZ). Ob Bambu Lab dann den H3C offiziell vorstellen oder bereits den Verkauf starten möchte, geht aus der Werbung nicht hervor. Weitere technische Angaben fehlen bislang. Weder zum Bauraum noch zu den unterstützten Druckmaterialien, der maximalen Druckgeschwindigkeit oder dem Preis enthält das Banner konkrete Informationen. Auch bleibt offen, ob Bambu Lab mit dem H3C tatsächlich neun unabhängig nutzbare Werkzeuge anbieten wird. Die Nummerierung auf dem Bild legt diese Möglichkeit nahe, ist aber noch keine Bestätigung.
Bambu Lab könnte beim Mehrmaterialdruck neue Wege gehen
Bislang setzt Bambu Lab bei seinen Mehrfarbensystemen überwiegend auf den automatisierten Filamentwechsel. Das funktioniert im Alltag zuverlässig, verursacht bei häufigen Farbwechseln aber zusätzlichen Zeitaufwand und Filamentabfall. Ein Werkzeugwechsler würde genau an dieser Stelle ansetzen. Werden mehrere Druckköpfe mit bereits geladenem Filament vorgehalten, entfällt zumindest ein großer Teil der bisherigen Wechselprozedur. Für Anwender, die regelmäßig mit verschiedenen Farben oder Materialien drucken, wäre das ein erheblicher Unterschied. Entscheidend dürfte allerdings sein, wie Bambu Lab die Werkzeuge aufnimmt, deren Positionierung sicherstellt und die Druckköpfe während längerer Standzeiten temperiert.



