WhatsApp führt Werbung ein – wer sie nicht will, soll künftig zahlen

Der Messenger WhatsApp steht vor einem grundlegenden Wandel. Erstmals seit seiner breiten Etablierung in Deutschland soll Werbung in der App erscheinen. Nutzer, die darauf verzichten möchten, müssen künftig offenbar ein monatliches Abo abschließen. Darauf deuten Tests in einer Vorabversion der Android-App hin, in der erstmals ein konkreter Preis genannt wird.

Werbung im Status-Bereich, nicht in Chats

Geplant ist nach derzeitigem Stand, Werbung ausschließlich im Status-Bereich von WhatsApp zu platzieren. Zwischen diesen Statusmeldungen sollen künftig Anzeigen eingeblendet werden. Sie werden als Werbung ausgewiesen, fügen sich optisch jedoch in den bestehenden Ablauf ein. Private Chats, Gruppengespräche sowie Sprach- und Videoanrufe sollen davon unberührt bleiben. Meta betont, dass diese weiterhin Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind und nicht für Werbezwecke ausgewertet werden.

Vier Euro pro Monat für werbefreie Nutzung

In der Beta-Version der App ist ein Preis von rund vier Euro pro Monat für eine werbefreie Nutzung aufgetaucht. Offiziell bestätigt ist dieser Betrag bislang nicht, er gilt jedoch als realistischer Richtwert. Damit würde WhatsApp unter den Kosten liegen, die Meta für ein werbefreies Facebook- oder Instagram-Abo aufruft. Ob das Abo ausschließlich die Entfernung von Werbung umfasst oder später zusätzliche Funktionen bietet, ist derzeit offen. Hinweise auf weitergehende Premium-Optionen gibt es bislang nur indirekt.

EU-Start verzögert – Datenschutz als Bremsklotz

Während Meta in einigen Ländern außerhalb der EU bereits seit 2025 mit WhatsApp-Werbung experimentiert, startet der Rollout in Europa später. Grund dafür sind datenschutzrechtliche Vorgaben. Insbesondere die Frage, in welchem Umfang personalisierte Werbung auf Basis von Standort, Sprache oder Kanal-Abonnements zulässig ist, beschäftigte zuletzt auch Aufsichtsbehörden. Nach aktuellem Stand soll die Einführung in Deutschland schrittweise erfolgen.

Netzwerkeffekt hält Nutzer bei der Stange

Trotz Kritik dürfte WhatsApp seine dominante Stellung hierzulande behalten. Der Dienst erreicht in Deutschland weiterhin über 80 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren. Alternativen wie Telegram oder Signal kommen zusammen nicht annähernd auf vergleichbare Reichweiten. Entscheidend ist dabei der Netzwerkeffekt: Wer WhatsApp verlässt, verliert oft den direkten Kontakt zu Familie, Freundeskreisen oder Vereins- und Schulgruppen. Für viele Nutzer dürfte die Werbung im Status-Bereich daher eher hingenommen werden – zumal dieser Teil der App ohnehin von einem Großteil kaum genutzt wird.

Rückkehr zu einem alten Modell

Ganz neu ist der Gedanke einer kostenpflichtigen Nutzung nicht. Bis 2016 verlangte WhatsApp eine Jahresgebühr von 89 Cent. Erst danach wurde der Dienst vollständig kostenlos. Rund zehn Jahre später soll WhatsApp nun erstmals relevante Einnahmen generieren – entweder über Werbung oder über ein freiwilliges Abo. Ob sich dieses Modell durchsetzt, wird sich erst zeigen, wenn Werbung und Preisgestaltung flächendeckend sichtbar werden.

WhatsApp führt Werbung ein – wer sie nicht will, soll künftig zahlen
zurück zur Startseite

59 Kommentare zu “WhatsApp führt Werbung ein – wer sie nicht will, soll künftig zahlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzerklärung für diesen Kommentar.

Aktuelle News auf Deskmodder.de
alle News anzeigen
Deskmodder