Selbstexperiment: 100 % digital (bargeldlos) bezahlen

Als Technikbegeisteter bin ich Neuem gegenüber immer sehr aufgeschlossen. Das ist so bei Software, Hardware und allgemein digitalen Methoden. Damit soll das Leben privat und auf der Arbeit einfacher werden. Manchmal klappt das und manchmal ist die Zeit einfach noch nicht reif.

Vom digitalen und damit bargeldlosen Bezahlen habe ich mir einige Erleichterung versprochen. Aus diesem Grund habe ich schon vor weit über drei Jahren angefangen, immer mehr mit Karte zu zahlen. Dadurch entfällt der nervige und manchmal teure Gang zum Geldautomaten, man hat eine volle Kostenkontrolle und muss keine dicke Geldbörse mit sich herum schleppen.

Schnell habe ich aber gemerkt, dass es mir so keinen Vorteil bringt. Selbst wenn man nur 10 % in bar bezahlt, muss man immer noch zum Geldautomaten, hat immer noch lästiges Kleingeld dabei und muss sich die Barausgaben manuell aufschreiben (wenn man wissen möchte, wo sein Geld hingeht).

100 % bargeldlos bezahlen. Geht das in Deutschland?

Damit die Vorteile wirklich zu welchen werden, habe ich mir im Dezember 2015 einen Vorsatz für das neue Jahr vorgenommen. Ab dem 1. Januar 2016 wollte ich nur noch digital und bargeldlos bezahlen.

Viele fragen sich bestimmt, ob das gerade in Deutschland überhaupt geht. Was ist mit Bäckereien, dem kleinen Imbiss oder der Parkuhr? Hier ist eines ganz klar. Von heute auf morgen nur noch digital bezahlen ist fast nicht machbar. Es war bei mir ein Prozess über mehrere Monate. Man muss sich in dieser Zeit Alternativen suchen. Dann geht man eben nicht mehr zu dem Bäcker, wo man immer hingegangen ist, sondern zum Beispiel zu Kamps Backstube oder holt sich Backwaren im Supermarkt. Man findet selbst einen Dönerladen der Karten akzeptiert und genügend Parkhäuser mit modernen Kassenautomaten. Wichtig und zugegebenermaßen auch mal etwas nervig ist, sich vorher zu informieren.

Nach und nach habe ich den „Schwierigkeitsgrad“ erhöht. Da die Girocard nicht mobilfähig ist und auch die kontaktlose Variante erst in den letzten Monaten so langsam kommt, bezahle ich damit nur noch in Notfällen oder wenn ich unbedingt einen Döner möchte. Da ich gleich bei Verfügbarkeit Apple Pay nutzen möchte, bevorzuge ich bereits heute Geschäfte, in denen man kontaktlos zahlen kann. So ist es mir gelungen, mittlerweile 90 % mit NFC zu bezahlen.

Hier seht ihr meinen Anteil der verschiedenen Bezahlmethoden über die letzten drei Jahre.

 

 

Wo bleibt Apple Pay?

So richtig futuristisch und optimal ist es aber nicht, mit einer Plastikkarte zu bezahlen. Praktisch wird es erst, wenn das Smartphone oder die Smartwatch zur Geldbörse wird. Das ist in Deutschland leider auch 3 Jahre nach dem Start in den USA und der Erscheinung in weiteren 20 Ländern immer noch nicht möglich. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Die geringe Nutzung von Kreditkarten und die allgemeine Bargeldverliebtheit, die Deutsche Kreditwirtschaft und Apple selbst.

Für das iPhone gibt es also weder Apple Pay (außer man wählt einen nicht ganz legalen Umweg), noch einen Drittanbieter. Auf Android gibt es einige Drittanbieter, die das bezahlen per Smartphone ermöglichen. Allerdings ist meines Wissens nach keiner dabei, bei dem man wie bei Apple Pay oder Android Pay seine vorhandene Kreditkarte einbinden kann. Man bekommt immer eine zusätzliche (virtuelle) Prepaidkarte von dem Anbieter, die manuell oder auch automatisch über das Girokonto oder die Hauptkreditkarte aufgeladen wird. Das ist nicht wirklich optimal und daran wird es auch liegen, dass ich noch nie jemanden mit dem Smartphone am Kartenterminal gesehen habe.

Ich bin gespannt, wann Apple Pay endlich nach Deutschland kommt. Viele Händler, gerade die großen, sind schon vorbereitet.

Selbstexperiment geglückt?

Nun sind am Jahresende bereits zwei Jahre vergangen, in denen ich ausschließlich bargeldlos bezahle. Es war für mich toll, bei dem Wandel zum kontaktlosen bezahlen ganz am Anfang dabei gewesen zu sein. Es war immer schön, die teilweise verdutzten Gesichter der Kassierer/innen zu sehen, wenn ich anscheinend als erster mit NFC gezahlt hatte. Ich freue mich im nächsten Jahr besonders auf Apple Pay (welches hoffentlich kommt) und auf die tollen Erlebnisse, wenn ich mit meiner Apple Watch bezahle.

 

Quellangabe Vorschaubild: obs/LIDL

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