iPad Air im Langzeittest: Wo das Apple-Tablet doch seine Schwächen hat

kategorien-iosAm ersten November 2013 hatte Apple sein komplett überarbeitetes Flaggschiff-Tablet ‚iPad Air‘ auf den Markt gebracht. Das 9,7 Zoll große Gerät wurde wegen seinen Abmessungen, dem Gewicht und der Leistung von der Weltpresse bereits in den höchsten Tönen gelobt.

Ich war in der glücklichen Lage gleich drei Exemplare begutachten zu können und werde im Folgenden meine Eindrücke zum Tablet, der Peformance, dem Design, der Verarbeitung und meinem persönlichen Fazit darstellen. Doch wie der Titel schon vermuten lässt, ist mir auch einiges Negatives aufgefallen. Hierbei kann ich auf einen rund zwei monatigen Testzeitraum zurückblicken.

 

Allgemeines

Über die richtige Größe seines Tablets muss sich jeder selbst im Klaren sein. Apple bietet ein 7,9 Zoll großes und ein 9,7 Zoll großes Modell mit nahezu identischer Hardware in den Farben Silber und Spacegrau an. Meine Wahl fiel wie bereits erwähnt auf das größere iPad Air mit der günstigsten Ausstattung in Spacegrau für 479 Euro. Als zusätzliches Zubehör kamen bei mir zwei Smartcover[s] für jeweils 39 Euro.

Weil es sich hierbei ja um „das beste iPad aller Zeiten“ (Engadget) handelt, waren und sind meine Erwartungen entsprechend hoch.

 

Lieferumfang, Ausstattung und Spezifikationen

Wie bei anderen Herstellern hält sich der Lieferumfang auch hier sehr stark in Grenzen: Man bekommt aus der schlichten weißen Verpackung das iPad Air, ein USB-Ladegerät mit USB-Kabel, Schnellstartanleitungen in verschiedenen Sprachen und zwei Apple Sticker, die allerdings etwas kleiner sind als noch beim ersten iPad. Kopfhörer sucht man hier vergeblich.

Kabel und 12-Watt-Ladegerät sind übrigens bei allen mobilen Geräten von Apple in weiß gestaltet – egal welche Farbe das eigentliche Gerät hat.

Bei der günstigsten Variante stehen mir nur 16 Gigabyte Speicherplatz und als Funkstandards WLAN und Bluetooth zur Verfügung. Gegen hohe Aufpreise stehen auch andere Speichergrößen, LTE  und GPS zur Auswahl. Im Inneren sollen der 64-Bit-Prozessor mit dem Namen ‚A7′ und ein Gigabyte Arbeitsspeicher für ausreichende Leistung sorgen. Der Prozessor – etwas höher getaktet als im iPhone 5s – ist etwa doppelt so schnell, wie der vom iPad der vierten Generation. Als Betriebssystem läuft natürlich iOS 7.

Grundsätzlich kommt das iPad Air mit zwei Kameras ohne Blitzlicht. Die ’normale‘ löst mit 5 Megapixeln auf und kann Videos in FullHD drehen, die andere Kamera für Videotelefonie schießt Fotos mit 1,2 Megapixeln.

Das Gerät besitz insgesamt 5 verschiedene physische Tasten beziehungsweise Schalter: Der klassische Homebutton auf der Bildschirmseite des iPads. Auf der linken Seite befinden sich zwei separate Lautstärketasten und ein Schalter zum Stummschalten. Der Einschalter befindet sich auf der Oberseite.

Das 9,7 Zoll große 4:3 Display mit einer Auflösung von 2048 × 1536 Pixeln (264 dpi) soll laut Apple für scharfe Schriften und lebendige Farben sorgen. Verpackt ist das 469 Gramm leichte Gerät in einem Aluminium Unibody-Gehäuse mit 7,5 Millimetern an der dicksten Stelle. Die einzigen Öffnungen sind für die Stereolautsprecher und Mikrofone, den Kopfhöreranschluss sowie den Lightning-Stecker vorgesehen. Komplette Spezifikationen bietet Wikipedia an.

 

Design und Verarbeitung

Das Design ist Apple typisch sehr schlicht und einfach gehalten und dem des iPad mini sehr stark angelehnt. Vor allem die geringeren Abmessungen sorgen für eine bessere Handhabung. Personen mit großen Händen können das Gerät jetzt durchaus problemlos mit einer Hand halten. Die glänzende Metallkante sorgt für einen noch edleren Eindruck – verzeiht einem jedoch nicht alles und lässt das Tablet in den Händen sehr kantig wirken. Sofern man das iPad Air als Gebrauchsgegenstand nutzt, kommen nach einiger Zeit doch einige Macken in die schöne Metallkante. Weil sämtliche Schalter jetzt auch aus Aluminium bestehen, fühlen sich diese im Vergleich zu den Vorgängermodellen deutlich wertiger an und sitzen zudem auch sehr fest.

Damit kommen wir auch schon zur Verarbeitung: An sich ist diese wie gewohnt erste Sahne. Allerdings klangen bei meinen drei Geräten alle Homebuttons unterschiedlich – einer war sogar leicht locker. Hier tauscht Apple die Geräte allerdings nach einigen Telefonaten kommentarlos um. Zudem müssen die Werke in China bei Foxconn bei der Produktion eines meiner Geräte ziemlich staubig gewesen sein. Dazu aber später mehr.

Ebenso wirkt das iPad Air im Vergleich mit seinen Vorgängern unter anderem aufgrund des niedrigeren Gewichtes qualitativ weniger hochwertig. Auch das dünnere Displayglas lässt sich deutlich stärker biegen (Display und Glas sind hier leider noch nicht direkt verklebt), was beim normalen Tippen deutlich lautere Geräusche verursacht. Insgesamt klingt das Gerät beim Klopfen sehr hohl. Immerhin wurden dieses Mal alle Tablets ohne Kratzer ab Werk geliefert. Wohlgemerkt ist das hier jammern auf höchstem Niveau, doch für einige sicherlich wichtig für die Kaufentscheidung.

 

Display

Am Display scheiden sich bei mir die Geister. Über die Schärfe und Farbwiedergabe lässt sich nicht diskutieren. Auch bei der Blickwinkelabhängigkeit und den Weißwerten zählt es zu den besseren. Allerdings machen im Netz immer wieder Bilder von Geräten mit Gelbstich die Runde. Ich selbst konnte ein solches Phänomen allerdings nicht beobachten.

Viel weniger schön finde ich hingegen die Tatsache, dass Display-Panel und Glasscheibe nicht direkt miteinander verklebt sind. Bei zwei von drei iPad Airs befanden sich in diesem doch sehr großen Zwischenraum deutlich sichtbare Staubkörner. Auch ein Austauschgrund bei dem sich Apple kulant zeigt.

Wenn man diese Ausnahmen weglässt, ist das Display trotzdem weiterhin das Highlight vom Gerät. Verbesserungsvorschlag meinerseits wäre hier nur eine noch höhere Auflösung.

 

Performance, Stabilität, Kamera, Sound und Sonstiges

Die Performance ist – wie man sie von einem neuen Gerät erwartet – sehr gut. iOS 7 läuft durchweg flüssig im Gegensatz zum iPad der dritten Generation. Spielehighlights wie Real Racing laufen ohne Ruckler. Lediglich bei GTA San Andreas ist in Bereichen mit starker Vegetation die Framerate etwas niedriger. Hierbei gilt es aber zu beachten, dass dieses Spiel ursprünglich nicht für mobile Geräte entwickelt wurde.

Lästig sind hingegen die permanenten Abstürze des hauseigenen Browsers Safari. (Stand iOS 7.0.4) Sie treten meist zufällig auf und lassen sich somit auch nicht reproduzieren. Wenn man den Safari anschließend wieder startet, hat er die zuletzt geöffnete Seite in 80 Prozent der Fälle vergessen.

Deutlich seltener sind hingegen Abstürze, bei denen für einige Zeit das Apple-Logo auf schwarzem Grund erscheint und anschließend alle geöffneten Apps wieder geschlossen sind. Ein Unding eigentlich, dass ich den Punkt ‚Stabilität‘ überhaupt hier einfügen musste. Diese Seite kannte ich bisher noch nicht von Apples mobilen Geräten.

Die Kamera ist für ein Tablet mehr als ausreichend und schießt bei guten Lichtverhältnissen auch sehr gute Fotos. Mit der Umgebungshelligkeit sinkt allerdings auch die Qualität der Fotos. Starkes Bildrauschen stellt sich ohne zusätzliche Beleuchtung ein. Für den Gelegenheitsfotografen dürfte sie aber ausreichen. Einen Schritt vorwärts ging man hingegen bei der Facetime-Kamera. Das Biild wirkt deutlich schärfer, lebendiger und rauschärmer als noch beim iPad der dritten Generation.

Die beiden Stereolautsprecher sind ungünstig positioniert. Hält man das Tablet im Querformat überdeckt man sie entweder oder bekommt den Ton nur von einer Seite zu hören, weil beide Lautsprecher auf der gleichen Seite sitzen. Hält man das Gerät jedoch richtig, ertönt ein leicht blecherner Klang der besseren Ausgabe.

Als geniale Entwicklung erwies sich der Lightning-Stecker: Er lässt sich im Gegensatz zum lästigen USB-Stecker beidseitig einstecken und sorgt so für einen deutlichen erhöhten Komfort. Sowohl am Stecker selbst als auch im Gegenstück befinden sich keinerlei Kontakte, die man durch falsche Bedienung verbiegen könnte.

 

Apps von Apple, Einstellungen und Software

Neben dem gesamten Betriebssystem liefert Apple auch noch einige Standard-Apps mit aus: Kalender, Mail, Erinnerungen, Notizen usw. Leider hat man hier neben der Wetteranwendung vom iPhone auch ‚Finanzen‘ und den Taschenrechner weggelassen. Im üppig gefüllten Appstore gibt es hierfür jedoch massig Ersatz. Qualitativ sind die Tablet-Anwendung aus dem Appstore denen aus dem Playstore weiterhin voraus.

Die Einstellungen bei iOS sind zentral gebündelt und bieten zahlreiche Funktionen. So auch ein kostenloses Backup in der iCloud. Wer die Einstellungen von früher kennt, wird sich auch in iOS 7 hier schnell zurechtfinden. Vieles ist gleich.

Das beste kommt zum Schluss: Was kostenlose Software angeht, ist Apple anderen Herstellern sehr weit voraus. Neben einer kompletten Office-Suite gibt’s noch eine Musiksoftware, eine Videoschnittanwendung und eine professionelle Foto-App gratis dazu. Dieses Geschenk sollte man dankend annehmen.

 

Akkulaufzeit

Trotz eines deutlich kleineren Akkus und einer deutlich verkürzten Ladezeit bleibt Apple seinen 10 Stunden Akkulaufzeit weiterhin treu. Bei angemessener Display-Helligkeit lag ich beim normalen Surfen oftmals sogar darüber.

Mit GTA San Andreas zwingt man allerdings auch die besten Akkus spürbar früher in die Knie. Weiterhin eines der Tablets mit der besten Akkulaufzeit – trotz des neuen Formfaktors.

 

Mein Zubehör bzw. das Smartcover

Als einziges Zubehörteil hatte ich mir zu Weihnachten noch ein paar Smartcovers besorgt. Manch einer würde vielleicht sagen, dass es ohne den Aluminiumbügel billiger wirkt. Ich empfinde das als Vorteil, weil dadurch keine sichtbaren Gebrauchsspuren mehr am Gerät entstehen.

Durch die neue Konstruktion steht das Tablet etwas wackliger, was wohl an der neuen Verbindung (siehe Foto 1) zwischen Smartcover und Halterung liegt. Ist das Cover allerdings nicht 100 Prozent richtig positioniert, entsteht zwischen Display und Smartcover ein unnötiger Raum. (Foto 2) Insgesamt aber weiterhin das wohl das vielseitigste Zuberhörteil für das iPad.

 

Fazit

Es bleibt viel Licht und einiges an Schatten. Kritikpunkte der Vorgängermodelle wurden oftmals beseitigt: Deutlich geringeres Gewicht, kaum Wärmeentwicklung, besserer Formfaktor. Durch den neuen Prozessor und das neue Betriebssystem entstanden allerdings auch neue Probleme, die auch weiterhin noch bestehen.

Bei mir kommt Apples Flaggschiff daher nicht ganz so gut weg wie in zahlreichen anderen Testberichten. Ich würde es mir dennoch wieder kaufen und es auch anderen empfehlen, die Geld für ein gelungenes Gesamtpaket in die Hand nehmen wollen.

Fragen beantworte ich gerne in den Kommentaren.

 

 

Hier könnt ihr lesen, wie sich das LG G Pad 8.3 in unserem Test geschlagen hat.

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2 Kommentare zu “iPad Air im Langzeittest: Wo das Apple-Tablet doch seine Schwächen hat

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