Bahnsparer: Kostenlose App vergleicht Bahnpreise und bewertet Verbindungen nach Zuverlässigkeit

Wer eine längere Bahnfahrt plant, schaut häufig nicht nur auf den günstigsten Preis. Fahrzeit, Anzahl der Umstiege und die Zuverlässigkeit einer Verbindung können bei der Entscheidung mindestens genauso wichtig sein. Genau diese Informationen möchte die kostenlose App Bahnsparer in einer Anwendung zusammenführen. Entwickelt wird Bahnsparer von Max Ritter, der hauptberuflich als IT-Freelancer im Bereich Cloud und Data arbeitet und die Anwendung in seiner Freizeit entwickelt hat. Verfügbar ist Bahnsparer kostenlos und werbefrei für iPhone, iPad, Android, macOS, Windows und Linux. Wir haben uns die App bereits etwas genauer angesehen und vom Entwickler zusätzliche Informationen zur Funktionsweise erhalten.

Bahnpreise für bis zu 14 Tage vergleichen

Im Mittelpunkt steht zunächst der Preisvergleich. Statt einzelne Reisetage nacheinander abzufragen, stellt Bahnsparer die Preise für einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen gegenüber. Für gefundene Verbindungen zeigt die App neben dem Preis unter anderem Fahrzeit, erwartete Auslastung, Anzahl der Umstiege und die historische Zuverlässigkeit an. Hervorgehoben werden die günstigste, schnellste und historisch zuverlässigste Verbindung sowie ein Kompromiss aus mehreren Faktoren. Ein Preisalarm kann die weitere Preisentwicklung beobachten.

Bahnsparer beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf Angebote der Deutschen Bahn. Je nach Strecke werden auch FlixTrain, Westbahn, Leo Express und GoVolta berücksichtigt. Zusätzlich prüft die Anwendung, ob Teile einer Verbindung bereits durch das Deutschlandticket abgedeckt werden oder sich mit getrennten Tickets ein günstigerer Gesamtpreis ergibt. Wie uns Max erklärt, werden Angebote nur berücksichtigt, wenn Strecke, Reisegruppe und Gesamtpreis eindeutig bestimmt werden können. Unvollständige Teilpreise werden nicht zu einem vermeintlichen Gesamtpreis hochgerechnet. Bei Split-Tickets weist die App zudem auf das Risiko mehrerer Beförderungsverträge hin.

Historische Daten bewerten die Zuverlässigkeit

Interessant ist insbesondere die Bewertung der historischen Zuverlässigkeit. Grundlage sind Betriebsdaten aus der Timetables API der Deutschen Bahn. Das dafür benötigte Modell und die Daten werden mit der App ausgeliefert und vollständig lokal auf dem jeweiligen Gerät ausgewertet. Ein Wert von beispielsweise 82 Prozent bedeutet dabei nicht, dass eine zukünftige Verbindung mit 82-prozentiger Wahrscheinlichkeit wie geplant funktionieren wird. Vielmehr sind von 100 historisch ähnlich bewerteten Reisen ungefähr 82 planmäßig verlaufen. Dafür müssen alle berücksichtigten Anschlüsse noch mindestens fünf Minuten Puffer gehabt haben, kein Zug darf ausgefallen sein und die Ankunft am Ziel muss mit weniger als sechs Minuten Verspätung erfolgt sein. Bei Umstiegen berücksichtigt das Modell unter anderem die historische Pünktlichkeit und Ausfallquote der beteiligten Züge sowie den geplanten Umstiegspuffer. Bei mehreren Umstiegen werden die einzelnen Anschlusswahrscheinlichkeiten mit einer Bewertung der Zielankunft kombiniert.

Der Entwickler weist allerdings selbst auf die Grenzen hin. Die Werte stellen keine Prognose für einen konkreten Reisetag dar. Zukünftige Baustellen, Unwetter oder aktuelle Störungen fließen nicht in die historische Bewertung ein. Zudem fehlen derzeit bahnhofsgenaue Mindestumsteigezeiten, weshalb einheitlich mit fünf Minuten gerechnet wird. Während einer laufenden Reise verwendet Bahnsparer dagegen aktuelle Daten der Deutschen Bahn und zeigt unter anderem Fahrtzeiten, Gleise, Anschlussrisiken und mögliche Alternativen an. Bei einer größeren Zielverspätung bereitet die App außerdem Angaben für einen möglichen Fahrgastrechte-Antrag vor.

Erster Praxiseinsatz zeigt Grenzen der Datenquellen

Wir haben Bahnsparer bereits für eine tatsächlich anstehende Reise nach Frankfurt am Main ausprobiert. Dabei zeigte sich recht schnell eine interessante Grenze der verwendeten Datenquellen. Gesucht wurde eine Verbindung von einer lokalen Straßenbahnhaltestelle nach Frankfurt am Main. Die notwendige Straßenbahn zum nächsten Bahnhof verkehrt regulär und wird von einer regionalen Reiseauskunft auch für den gewünschten Reisetag gefunden. Bahnsparer lieferte für die komplette Verbindung dagegen kein Ergebnis. Dasselbe Verhalten ließ sich im DB Navigator nachvollziehen. Wurde direkt der Bahnhof als Startpunkt verwendet, funktionierte die Suche nach der anschließenden Bahnverbindung nach Frankfurt problemlos.

Wir haben den Entwickler auf die Auffälligkeit hingewiesen. Er konnte die Ursache anschließend nachvollziehen: In den derzeit von der Deutschen Bahn gelieferten Fahrplandaten ist die betreffende Straßenbahnlinie aktuell nur bis zum 9. Oktober 2026 enthalten. Für unsere im November geplante Reise kann die DB-Auskunft deshalb noch keine durchgehende Verbindung bilden. Eine andere ÖPNV-App findet die Verbindung dagegen, da sie auf die Daten des zuständigen regionalen Verkehrsverbunds zurückgreifen kann. Eine zusätzliche regionale Datenquelle könnte solche Lücken grundsätzlich schließen. Für Bahnsparer entsteht dabei allerdings das Problem, den lokalen Zubringer zuverlässig mit der anschließend bepreisten Bahnverbindung zu kombinieren. Auf einen Fallback mit möglicherweise unvollständigen Preisen möchte der Entwickler deshalb derzeit verzichten.

Unser Hinweis führt zu einer Änderung

Ganz ohne Auswirkungen blieb unser erster Praxiseinsatz trotzdem nicht. Durch den Fall ist ein Fehler bei der Erklärung fehlender Verbindungen beziehungsweise Preise aufgefallen. Bei einem fest ausgewählten Reisetag zeigte Bahnsparer bislang den unpassenden Hinweis an, zunächst einen Tag mit einem Preis auszuwählen. Der Entwickler hat dieses Verhalten nach unserem Hinweis für eine kommende Version korrigiert. Künftig soll die App besser erklären, weshalb kein Preis verfügbar ist. Beginnt eine Suche an einer Bus- oder Straßenbahnhaltestelle, kann Bahnsparer gegebenenfalls außerdem eine getrennte Suche ab dem nächsten Bahnhof empfehlen. Der Fall zeigt gleichzeitig recht gut, wo die Grenzen einer solchen Anwendung liegen. Auch ein eigener Preisvergleich und ein zusätzliches Zuverlässigkeitsmodell sind letztlich auf die Fahrplan- und Echtzeitdaten angewiesen, die über die jeweiligen Schnittstellen zur Verfügung stehen.

Kostenlos und weiterhin in der Testphase

Bahnsparer soll zunächst kostenlos und werbefrei bleiben. Konkrete Pläne für eine Monetarisierung gibt es laut Max derzeit nicht. Da die einzelnen Installationen die benötigten Bahndaten selbst abrufen und die Modelle lokal auswerten, muss zudem kein zentrales Backend für die Verarbeitung der Bahndaten betrieben werden. Die Anwendung befindet sich derzeit noch in einer offenen Testphase und ist somit nicht in den regulären App Stores erhältlich. Im Mittelpunkt der weiteren Entwicklung stehen insbesondere Stabilität, Preisalarme, Zuverlässigkeitswerte und die Begleitung während einer laufenden Fahrt. Bahnsparer steht kostenlos und werbefrei für iPhone, iPad, Android, macOS, Windows und Linux zur Verfügung. Wir werden die App in den kommenden Wochen auch bei realen Bahnreisen weiter ausprobieren.

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9 Kommentare zu “Bahnsparer: Kostenlose App vergleicht Bahnpreise und bewertet Verbindungen nach Zuverlässigkeit”

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