Beelink SER9 MAX im Test: Ryzen-Power mit 10-Gbit-LAN

Mini-PCs galten lange als Kompromisslösung. Sie waren platzsparend, sparsam – und vor allem eines: limitiert. In den vergangenen Jahren hat sich dieses Bild jedoch grundlegend gewandelt. Moderne Fertigungsprozesse, leistungsfähige Mobilprozessoren und deutlich bessere Kühlkonzepte haben dazu geführt, dass kompakte Systeme heute Aufgaben übernehmen können, die früher klassischen Desktop-Rechnern vorbehalten waren. Der Beelink SER9 MAX reiht sich genau in diese Entwicklung ein, geht dabei jedoch einen bewusst nüchternen Weg. Statt auf spektakuläres Design oder maximale Miniaturisierung setzt Beelink auf technische Substanz, thermische Reserven und eine Ausstattung, die klar auf produktives Arbeiten abzielt. Im Zentrum des Systems steht AMDs Ryzen 7 H 255 – ein Prozessor, der nicht auf Effizienzrekorde schielt, sondern auf stabile Dauerleistung. Flankiert wird er von schnellem DDR5-Speicher, einer PCIe-4.0-NVMe, einer Vapor-Chamber-Kühlung und einer Netzwerkschnittstelle, die man in dieser Geräteklasse nur selten findet: 10-Gigabit-Ethernet. Das Datenblatt liest sich entsprechend ambitioniert. Entscheidend ist jedoch, wie sich dieses Konzept im täglichen Einsatz bewährt.

Plattform und technische Basis

Der Ryzen 7 H 255 basiert auf AMDs Zen-4-Architektur und wird im 4-Nanometer-Verfahren gefertigt. Acht Kerne mit 16 Threads, eine maximale Boost-Frequenz von bis zu 4,9 GHz sowie die integrierte Radeon-780M-Grafik bilden die Grundlage. Die konfigurierbare TDP von bis zu 65 Watt macht deutlich, dass der SER9 MAX nicht als lautloser Wohnzimmer-PC konzipiert ist, sondern als leistungsfähiges Kompaktsystem für anspruchsvollere Aufgaben.

Die integrierte Radeon 780M auf RDNA-3-Basis gehört aktuell zur Leistungsspitze unter den iGPUs. Mit ihren zwölf Compute Units richtet sie sich weniger an ambitionierte Spieler, sondern vielmehr an Anwender, die GPU-beschleunigte Workflows nutzen, Videos bearbeiten oder mit 3D-Inhalten arbeiten. Für diese Szenarien bietet sie spürbare Vorteile gegenüber älteren integrierten Lösungen.

Gehäuse, Verarbeitung und Wartung

Mit Abmessungen von 135 × 135 × 44,7 Millimetern bleibt der SER9 MAX kompakt, ohne sich selbst thermisch einzuschnüren. Das Gehäuse folgt einer sachlichen Designsprache, frei von Effekthascherei oder RGB-Akzenten. Die Verarbeitung hinterlässt einen soliden Eindruck: saubere Spaltmaße, stabile Materialien, kein Knarzen, kein Spiel. Hier steht Funktion klar über Form.

Positiv fällt der einfache Zugang zum Innenraum auf. Arbeitsspeicher, M.2-Slots und Kühlkomponenten sind ohne Umwege erreichbar. Zwei PCIe-4.0-fähige M.2-Steckplätze erlauben flexible Speichererweiterungen, der Dual-Channel-RAM lässt sich problemlos tauschen. Wartungsfreundlichkeit ist im Mini-PC-Segment keine Selbstverständlichkeit – Beelink setzt hier ein klares Ausrufezeichen.

Arbeitsspeicher und Massenspeicher

Zum Einsatz kommt DDR5-5600-Speicher im Dual-Channel-Betrieb, wahlweise mit 32 oder 64 GB. Bereits die kleinere Konfiguration bietet ausreichend Reserven für anspruchsvolles Multitasking, virtuelle Maschinen oder speicherintensive Anwendungen.

Als Systemlaufwerk dient eine NVMe-SSD mit PCIe-4.0-Anbindung. Die gemessenen Transferraten von rund 5,7 GB/s beim Lesen und 5,4 GB/s beim Schreiben liegen auf einem sehr hohen Niveau. Auch die 4K-Werte und Zugriffszeiten überzeugen. In der Praxis äußert sich das in kurzen Ladezeiten, zügigem Projektwechsel und einem insgesamt sehr reaktionsschnellen System – unabhängig davon, ob mit großen Datenmengen oder vielen parallelen Anwendungen gearbeitet wird.

Leistung in Benchmarks und Praxis

Im Cinebench-R23-Test erreicht der Ryzen 7 H 255 im SER9 MAX rund 15.500 Punkte im Multi-Core-Durchlauf sowie etwa 1.520 Punkte im Single-Core-Test. Damit positioniert sich das System deutlich oberhalb klassischer Office-Rechner und auf Augenhöhe mit ausgewachsenen Desktop-Systemen früherer Generationen.

Diese Werte sind keine reine Theorie. Im Alltag bestätigt der SER9 MAX den Benchmark-Eindruck. Programme starten ohne Verzögerung, selbst umfangreiche Browser-Sessions in Kombination mit Office-Anwendungen, Bildbearbeitung und Entwicklungsumgebungen bringen das System nicht aus dem Tritt. Auch längere Lastphasen werden ohne spürbares Throttling bewältigt. Die integrierte Radeon 780M ermöglicht darüber hinaus leichtes Gaming, Emulation und eine spürbare Beschleunigung kreativer Anwendungen. Für aktuelle AAA-Titel ist sie erwartungsgemäß kein Ersatz für eine dedizierte Grafikkarte, für gelegentliches Spielen und produktive Aufgaben jedoch mehr als ausreichend.

Kühlung und Geräuschentwicklung

Beelink setzt beim SER9 MAX auf das eigene MSC-2.0-Kühlsystem mit Vapor-Chamber. In der Praxis zeigt sich diese Lösung gut abgestimmt. Auch unter anhaltender Last bleiben die Temperaturen im grünen Bereich, abrupte Leistungseinbrüche treten nicht auf. Die Lüftersteuerung agiert dabei angenehm zurückhaltend und vermeidet hektische Drehzahlwechsel.

Im Leerlauf und bei typischer Office-Last ist das System praktisch unhörbar. Unter Volllast macht sich die Kühlung akustisch bemerkbar, bleibt jedoch gleichmäßig und frei von hochfrequenten Störgeräuschen. Insgesamt präsentiert sich der SER9 MAX akustisch deutlich kultivierter, als es seine Leistungsaufnahme vermuten lässt.

Anschlüsse und Konnektivität

Über HDMI 2.1, DisplayPort 2.1 und USB4 lassen sich bis zu drei Monitore parallel betreiben. Auch höhere Auflösungen und Bildwiederholraten stellen dabei kein Problem dar. Dazu kommen mehrere USB-A-Anschlüsse sowie ein vollwertiger USB-C-Port, der im Alltag für externe Laufwerke, Peripherie oder Docking-Lösungen genutzt werden kann.

Der 10-Gigabit-Ethernet-Anschluss fällt in dieser Klasse aus dem Rahmen. In dieser Geräteklasse trifft man eine derart schnelle kabelgebundene Netzwerkschnittstelle nur selten an. Wer regelmäßig mit großen Datenmengen arbeitet, ein schnelles NAS einbindet oder lokale Serverdienste nutzt, profitiert hier unmittelbar. Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.2 ergänzen die Netzwerkanbindung sinnvoll, stehen funktional aber klar im Schatten der extrem schnellen LAN-Schnittstelle.

Fazit

Der Beelink SER9 MAX verfolgt keinen modischen Ansatz und versucht auch nicht, über Design oder Marketing zu punkten. Stattdessen liefert das System genau das, was man von einem kompakten Arbeitsrechner erwartet: konstante Leistung, moderne Plattformtechnik und eine Ausstattung, die nicht bei den Basics stehen bleibt. Der Ryzen 7 H 255 bringt dabei mehr als genug Reserven für produktives Arbeiten mit, während schneller DDR5-Speicher und PCIe-4.0-SSDs für ein insgesamt sehr reaktionsschnelles System sorgen. Die integrierte Grafik spielt ihre Stärken vor allem in beschleunigten Anwendungen aus, weniger im klassischen Gaming – was dem Gesamtkonzept jedoch entspricht.

Auffällig ist vor allem, wie unaufgeregt der SER9 MAX mit seiner Leistung umgeht. Die Kühlung bleibt auch unter längerer Last beherrschbar, die Geräuschentwicklung wirkt kontrolliert und frei von unangenehmen Spitzen. Hinzu kommt eine Anschlussausstattung, die im Mini-PC-Segment keineswegs selbstverständlich ist. Der 10-Gigabit-LAN-Port sticht hier deutlich heraus und macht den Rechner auch für anspruchsvollere Netzwerk- oder Server-nahe Szenarien interessant.

Preislich bewegt sich der SER9 MAX mit 699 Euro für die Variante mit 32 GB RAM beziehungsweise 969 Euro für die 64-GB-Ausführung klar im gehobenen Bereich. Angesichts der gebotenen Leistung, der Konnektivität und der insgesamt stimmigen Umsetzung wirkt diese Einordnung jedoch nachvollziehbar. Wer einen kompakten Rechner sucht, der nicht nach kurzer Zeit an seine Grenzen stößt, findet hier ein Werkzeug – kein Spielzeug.

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4 Kommentare zu “Beelink SER9 MAX im Test: Ryzen-Power mit 10-Gbit-LAN

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