Bayerns Verwaltung und Microsoft: Die Frage nach der digitalen Richtung

In der bayerischen Staatsverwaltung wird aktuell beraten, welche IT-Systeme künftig in Ministerien, Behörden und Kommunen genutzt werden sollen. Ein möglicher Einsatz von Microsoft-Diensten ist Teil dieser Überlegungen. Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen, die Gespräche laufen jedoch bereits seit Längerem. Dabei geht es nicht um einzelne Programme oder kurzfristige Lizenzen. Diskutiert wird vielmehr, ob sich der Freistaat dauerhaft auf einen Anbieter stützt – mit allen Folgen, die eine solche Entscheidung nach sich zieht.

Noch keine Festlegung, viele offene Punkte

Aus dem zuständigen bayrischen Finanzministerium heißt es, dass der interne Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen sei. Weder über Laufzeiten noch über Kosten oder Vertragsdetails gebe es derzeit verbindliche Aussagen. Frühere Berichte über einen bereits vorbereiteten Abschluss wurden nicht bestätigt. Damit bleibt offen, ob Produkte wie Microsoft 365 künftig flächendeckend eingeführt werden oder ob alternative Modelle weiterverfolgt werden. Klar ist lediglich, dass mehrere Ressorts in die Prüfung eingebunden sind.

Kritik richtet sich weniger gegen Software als gegen Abhängigkeit

Die Kritik, die das Vorhaben begleitet, richtet sich weniger gegen die Leistungsfähigkeit der Microsoft-Produkte. Vielmehr geht es um die langfristigen Folgen einer engen Bindung an einen einzelnen Anbieter. Microsoft ist in der Verwaltung etabliert, genau das sehen Kritiker jedoch als Problem. Wer tief in ein geschlossenes System einsteigt, macht sich abhängig – technisch, organisatorisch und finanziell. Ein späterer Wechsel wird aufwendig, teuer oder praktisch unmöglich. Kurzfristige Vereinfachungen können sich so über Jahre hinweg auswirken. Neben IT-Fachleuten äußern auch politische Stimmen Bedenken. Genannt werden steigende Lizenzkosten, begrenzter Einfluss auf Weiterentwicklungen und Nachteile für europäische Anbieter, die im Wettbewerb kaum eine Chance haben.

Datenschutz bleibt ein Unsicherheitsfaktor

Ein weiterer Punkt ist der Umgang mit sensiblen Verwaltungsdaten. Aus Politik und Fachkreisen wird regelmäßig die Frage aufgeworfen, wie belastbar der Datenschutz bei US-Anbietern tatsächlich ist. Hinweise aus der Vergangenheit auf mögliche Zugriffe amerikanischer Behörden haben diese Bedenken nicht entkräftet. Gleichzeitig verweisen Datenschutzbehörden darauf, dass eine Nutzung unter bestimmten Voraussetzungen möglich sei. Das bedeutet allerdings zusätzlichen Aufwand – organisatorisch, technisch und vertraglich. Eine einfache Lösung gibt es nicht.

Schleswig-Holstein geht einen anderen Weg

Während Bayern noch abwägt, hat Schleswig-Holstein bereits Konsequenzen gezogen. Dort setzt die Landesverwaltung verstärkt auf Open-Source-Software. Ziel ist es, eigene IT-Strukturen stärker zu kontrollieren und sich nicht dauerhaft an einzelne Anbieter zu binden.

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11 Kommentare zu “Bayerns Verwaltung und Microsoft: Die Frage nach der digitalen Richtung

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